"Kultur kann sich jetzt beweisen"

Arbeit trotz Kultur-Lockdown: Was im Landsberger Kulturbüro geschieht

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„Kultur kann sich jetzt beweisen.“ Kulturbüro-Leiterin Claudia Flörke bleibt trotz kulturellem Lockdown optimistisch für die Zeit nach Corona.

Landsberg – Im Besprechungsraum des Kulturbüros prangen vier Worte an der Wand: „Kultur ist kein Ornament.“ Zu diesem Schluss kam die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ vor über zehn Jahren. Kultur ist wichtig für die Gesellschaft, auch wenn sie momentan kaum stattfinden kann und zudem angeblich ‚nicht systemrelevant‘ ist (siehe nebenstehenden Kommentar). Aber welche Aufgaben können die Kulturamts-Mitarbeiter momentan ausführen? Welche Ideen haben sie für die kommenden Wochen? Und welche Hoffnungen hegen sie für die Zukunft?

Aktuell sind die Türen des Stadttheaters, der Bibliothek, der Volkshochschule, der Tourist-Info und auch des Kulturbüros geschlossen. Doch hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter, alle Einrichtungen sind telefonisch und via E-Mail erreichbar. „Wir möchten Kommunikation und Begegnungen schaffen, trotz social distancing“, sagt Kulturbüro-Leiterin Claudia Flörke.

Einiges an Arbeit fällt weg: „Momentan bauen einige Mitarbeiter alten Urlaub und Überstunden ab“, sagt Flörke. Aber es gebe noch viel Arbeit, zum Beispiel die Rückabwicklungen geplanter und abgesagter Vorstellungen und Konzerte. Liegengebliebenes endlich abarbeiten und die Papierstapel reduzieren. Und natürlich auch das Erforschen digitaler Möglichkeiten, Konzeptarbeit, Planungen für die Zukunft. „Wir hoffen, dass wir die lechART „Neue Wege“ im August und natürlich auch die Lange Kunstnacht im September durchführen können.“ Und das Thema Erinnerungsarbeit steht ganz oben: „Wir hoffen, dass wir auch da jetzt vorwärtskommen.“

Momentan ist Kunst und Kultur fast nur online möglich. Das Streamen aus öffentlichen Einrichtungen wie dem Stadttheater oder auch dem Historischen Rathaus sei leider nicht erlaubt. So fiel gerade eines der interessantesten Rathauskonzerte, Ruge und Ammons „Roll over Beethoven“, als erstes der Corona-Pandemie zum Opfer. Aber dazu gibt es eine positive Nachricht: Das Konzert wird nachgeholt: als ‚Aufmacher‘ der Herbstspielzeit im Oktober. „Ich freue mich schon sehr darauf, dass wir bald wieder Konzerte live hören können“, sagt Flörke. Sicher werde es dann noch Einschränkungen wie beispielsweise weniger Zuschauerplätze geben. „Aber das gemeinsame Erleben ist wichtig. Das kann man leider nicht ersetzen.“

Es sei extrem schwergefallen, die Kulturangebote einzuschränken. Vor allem das Schließen der vhs, erzählt die Kulturamtsleiterin. „Auch die vielen Integrationskurse, die damit ausfallen. Einige der Teilnehmer standen kurz davor, ihre Prüfungen zu machen.“Trotzdem bleibt sie engagiert: „Machen wir das Beste draus.“

Begeistert ist Flörke vom Engagement der ‚Jungen Bühne‘ des Stadttheaters: „Die sind toll organisiert, basteln zuhause an den Requisiten und Proben digital“ – ein Beispiel dafür, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Kultur in der Stadt

Nicht unterkriegen lassen sich auch nicht die anderen städtischen Kultureinrichtungen. So bietet die vhs unter ‚vhs.daheim‘ kostenlose online-Seminaren an. Jede Woche gibt es Vormittags- und Abendveranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen. Das Programm ist auf www.vhs-landsberg.de einzusehen. Sobald in Bayern die Schule wieder starte, würden auch alle unterbrochenen vhs-Veranstaltungen weitergeführt, informiert Kulturbüro-Mitarbeiterin Patricia Eckstein. (Infos unter Telefon 08191/128-311) oder per E-Mail unter vhs@landsberg.de

In der Stadtbibliothek soll demnächst eine digitale Bibliothek Futter für alle Leseratten zur Verfügung stellen. Auch das Ausleihen via Internet, die ‚Onleihe‘ ist weiterhin möglich. Das Portal Biblioplus-Digital.de, an dem die Stadtbibliothek beteiligt ist, verfüge über rund 15.000 eBooks, eAudios, ePapers und eMagazines, die mit Smartphone, Tablet, eBook-Reader oder PC genutzt werden könnten, so Eckstein. Momentan werde das Angebot weiter ausgebaut.

„Wer noch keinen Bibliotheksausweis hat, kann sich unkompliziert per Email an stadtbibliothek@landsberg.de anmelden, unter Angabe von Name, Geburtsdatum und Adresse und der Erteilung einer Einzugsermächtigung für die Jahresgebühr“, weiß Eckstein. Mehr dazu unter www.stadtbibliothek–landsberg.de oder montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr unter Telefon 08191/128-565.

Arbeiten, die für das Kulturbüro während der Schließung anfallen, seien unter anderem auch ein Konzept für den Sachbuchbestand, der umgestaltet wird. So soll der Bereich Heimatkunde mit der Literatur über Landsberg und Bayern mehr Platz bekommen. Und für Kinder werde es nach der Wiedereröffnung ein neues Angebot mit interaktiven Wissensbüchern geben.

Die Mitarbeiterinnen in der Tourist-Information sind weiterhin telefonisch und per E-Mail erreichbar. Auf der Homepage ammersee-lech.de sind Adressen aufgeführt, die aktuell über Fragen im Bereich Tourismus informieren. Aber auch sonst sei genug zu tun, wie Leiterin Ira Wild erklärt: „Derzeit überarbeiten wir gerade den Flyer Baden & Radeln, erstellen einen Flyer für einen neukonzipierten digitalen Stadtrundgang für Kinder und Jugendliche und aktualisieren unsere Homepage Ammersee-Lech mit mehr Informationen für Gäste und Bürger.“

Im Kulturbüro wollen weitere Ideen umgesetzt werden. „Wir sind dabei, ein Beratungstelefon für Kulturschaffende und Künstler einzurichten. So können wir gezielt über finanzielle Hilfen und Förderungen informieren“, erklärt Flörke. Als Zeichen für die Lebendigkeit der Kultur haben die Mitarbeiter eine Kampagne im Facebook-Kanal #kulturinlandsberg installiert, in der Kulturschaffende aus Stadt und Landkreis kleine Grußbotschaften via Fotos oder Videos senden können. In den Osterferien soll es zudem noch virtuelle Kultururlaube geben – mit diversen Online-Angeboten von Museen und Theatern rund um den Globus.

Und auch das Projekt „Kunst hält Wache“ fordert Einsatz. Die analoge Version der Veranstaltung samt Rahmenprogramm wird stattfinden – wenn Begegnung wieder sicher und erlaubt ist. „Zum Glück haben wir da keine zeitliche Begrenzung“, ist Flörke beruhigt.

„Die finanziellen Folgen werden sicher extrem spürbar sein, auch im kulturellen Bereich“ vermutet die Amtsleiterin. „Aber wir wollen mit der Arbeit trotz der Krise vorwärtskommen und uns nicht ausbremsen lassen.“ Jetzt aufzugeben koste mehr als nur Geld. Zudem könne Kultur helfen, die mit der momentanen Krise einhergehenden Traumatisierungen zu bewältigen, ist sich Flörke sicher: „Kultur kann sich hier absolut beweisen.“

Die Museumszukunft planen - Museumsleiterin Sonia Fischer berichtet

Landsberg – Was tun, wenn Ausstellungen unmöglich sind? Die Leiterin des Neuen Stadtmuseums Sonia Fischer hat keine Langeweile – und plant bereits die Konzeption der Dauerausstellung. Wobei momentan unklar sein dürfte, wann die Wiedereröffnung des Museums, damit einhergehend auch der Abschluss der Sanierung, möglich sein wird.

Momentan steht bei Fischers Planung die Zeitgeschichte im Fokus. Sie wird in der neuen Dauerausstellung ein ganzes Stockwerk einnehmen und damit die Hälfte des Platzes ausfüllen. Landsberg sei ein besonderes Beispiel: „als Ort der Haftanstalt, in der Hitler 1923/1924 wegen Hochverrats einsaß, als Ort von elf Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau, als Ort eines der bedeutendsten Auffanglager der Überlebenden des Holocaust, als Ort des Kriegsverbrechergefängnisses Nr. 1 der amerikanischen Besatzungsmacht, in dem verurteilte NS-Kriegsverbrecher hingerichtet wurden“, zählt Fischer auf. Mit dieser „Verdichtung nationaler Geschichte“ gehe die Verantwortung für einen demokratischen Bildungsauftrag einher. „Das Stadtmuseum versteht sich als Gedächtnis des regionalen kulturellen Erbes. Wir vermitteln Zugänge, Vergangenheit zu verstehen, Welt wahrzunehmen und sie mit Freude zu entdecken.“

Alle Themen der Dauerausstellung werden durch das Museumsteam zusammen mit Historikern und anderen Einrichtungen wie einem wissenschaftlichen Beirat in den kommenden vier Jahren ausgearbeitet. Ebenso entwickle und teste man momentan Vermittlungsangebote für Schüler.

Passend zur aktuellen Situation werden die digitalen Angebote ausgebaut. „Das Herkomer Museum stellt jede Woche auf seiner Homepage zwei Künstlertechniken vor, um Familien mit Kindern kreative Ideen und Anregungen für zu Hause zu geben“, so Fischer. „Wie stark wir den sozialen Kontakt brauchen und vermissen, wird nun in Zeiten von Corona besonders deutlich.“ Anregungen nimmt Fischer gerne auf (neues.stadtmuseum@landsberg.de).

Susanne Greiner/Kulkturbüro/Fischer

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