In der Sperberau:

Naturschutz und Landwirtschaft ziehen am Lech an einem Strang

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Tatkräftige Helfer im Einsatz für bedrohte Artenvielfalt: Ehrenamtler vom Landesbund für Vogelschutz unterstützten die Gebietsbetreuung Lechtal und deren Partner-Landwirt bei der Landschaftspflege in der Sperberau.

Kinsau – Naturschutz und Landwirtschaft ziehen am Lech am gleichen Strang. Bei schönstem Frühlingswetter waren Freiwillige des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) im Einsatz für die Artenvielfalt: Nachdem die Lechaue bei Kinsau im Winter ausgeholzt worden war, um den Lebensraum für Wildbienen, Orchideen und Reptilien zu verbessern, räumten die Ehrenamtler liegen gebliebenes Reisig und Äste auf. Dadurch nahmen sie dem Landwirt, der die Fläche mit seinen Rindern beweidet, viel Arbeit ab.

Das Lechufer zwischen Kinsau und Hohenfurch ist schon seit mehreren Jahren ein Schwerpunktbereich für den Verein „Lebensraum Lechtal“: Wo zuvor dichter Fichtenaufwuchs bis ans Ufer reichte und wertvolle Magerrasen zu verwildern drohten, wurde durch Entbuschung, Auflichtung und Beweidung ein wertvolles Biotop wiederhergestellt – der KREISBOTE berichtete ausführlich darüber.

Zuletzt wurden im Winter auch große Forstmaschinen ein­gesetzt, um den Wald aufzulichten. Dabei blieben viel Fichtenreisig und Äste liegen. Ein Problem aus Naturschutzsicht, wie Lechtal-Gebietsbetreuer Stephan Jüstl vom Lebensraum Lechtal weiß: „Bereits nach kurzer Zeit fallen die Fichtennadeln ab. Das führt zu einer Versauerung des Oberbo­dens. Die Pflanzenarten, die wir hier fördern wollen, sind jedoch auf basischen Kalkböden beheimatet!“ Die Überbleibsel der Holzernte-Aktion sollten deswegen zusammengeräumt und auf Haufen abgelegt werden: „So vermeiden wir eine flächige Oberbodenversauerung und schaffen gleichzeitig noch Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten für Reptilien“, erklärt der Gebietsbetreuer.

Das Zusammentragen des Reisigs ist jedoch arbeitsaufwendig. „Unserem Partner-Landwirt, der mit seinen Tieren die Biotop-­Pflege durch die Beweidung sicherstellt, wollte ich das nicht zusätzlich aufbürden.“ Deswegen erbat Jüstl Unterstützung bei den Ehrenamtlern vom Landesbund für Vogelschutz. Kurzfristig organisierte man eine Pflegeaktion. Tatkräftig packten die engagierten Naturschützer an und räumten das Ast- und Reisigmaterial zusammen. Als besonders fleißig erwiesen sich dabei zwei Flüchtlinge aus Eritrea, die ähnliche Arbeiten aus der Landwirtschaft zuhause kennen.

Nach der Arbeit gab es eine von der Stiftung Lebensraum Lechtal spendierte Brotzeit in der Frühlingssonne am Lech­ufer. „Das ist Naturschutz von seiner besten Seite: Engagierte Ehrenamtler unterstützen einen Landwirt beim Schutz der Artenvielfalt, verbunden mit Naturgenuss“, so Jüstl.

Nur für Fußgänger

Zuletzt ging der Gebietsbetreuer auf jüngst eingegangene Anfragen von Erholungssuchenden ein: „Durch den Abtransport des Holzes mit dem großen Rückefahrzeug ist der Waldweg aktuell in einem schlechten Zustand. Weder von Seiten der Grundeigentümer noch des Naturschutzes gibt es ein Interesse, an dieser Stelle des Naturschutzgebietes eine stärkere Frequentierung zum Beispiel durch Fahrradfahrer zu ermöglichen.“ Jüstl bittet um Verständnis, dass der Weg im Einklang mit dem Naturschutzgesetz auch zukünftig nur für Fußgänger zur Verfügung stehen solle. Eine Instandsetzung sei deswegen nicht vorgesehen.“

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