Eine Liste – weniger Barrieren

+
Wertvoller Bestandserfasser für den Arbeitskreis Inklusion war Manfred Eder: Als Rollstuhlfahrer testete er in der Seniorenwohnanlage Färbergaßl in Dießen, ob die Türen tatsächlich breit genug sind.

Landkreis – Wie gut kommen Rollstuhlfahrer in den öffentlichen Gebäuden im Landkreis zurecht? Gibt es aus­reichend barrierefreie Toiletten? Diese und noch viele weitere Fragen hat sich der Arbeitskreis Inklusion gestellt. Was genau er alles macht, stellte jüngst Barbara Juchem vor.

Im Juni 2012 hatte der Kreistag beschlossen, die Inklusion behinderter Menschen voranzutreiben. Dazu gründeten jeweils ein Vertreter der Frak­tio­nen, die Behindertenbeauftragte Barbara Juchem, stellvertretende Landrätin Ruth Sobotta und weitere Experten aus verschiedenen Institutionen sowie Mitglieder des Behindertenbeirates den Arbeitskreis Inklusion. Man habe dann aus einer Vielzahl an Themen den Bereich Barrierefreiheit ausgewählt, so Juchem.

Alle Barrieren "gecheckt"

Dieses Jahr ging es dann an die Umsetzung des Ziels, die bauliche Barrierefreiheit im Landkreis zu erkennen und auszubauen. „Wir hatten dazu im Landratsamt eine Schulung“, so Juchem. Dabei haben die Teilnehmer Checklisten erarbeitet, um den Bestand der Gebäude zu erfassen. Bei der Schulung war auch Christian Kusch, Leiter des Hochbauamtes, als Bauexperte vertreten. „Wir haben zunächst Fragebögen in verschiedene Bereiche eingeteilt“, berichtet Kusch. Alles was zur Barriere werden kann, ist dort aufgeführt – etwa Treppen oder Sanitäranlagen.

Die Checklisten gliedern sich dann noch einmal in einzelne Punkte. An zwei Praxisbeispielen erprobten die Bestandserfasser die Checklisten. Und es stellte sich schnell heraus: „Oft sind genaue Maße vorgegeben“, so Kusch, „aber nicht immer passt der Rollstuhl dann tatsächlich durch.“ Schließlich haben die Teilnehmer der Schulung und die Mitglieder des Arbeitskreises die landkreiseigenen Gebäude mithilfe der Listen ganz genau unter die Lupe genommen. 

Nach der Auswertung hat sich schon ein Maßnahmenkatalog entwickelt, der nun angepackt werden soll. Im Land­ratsamt selbst muss einiges verändert werden, damit behinderte Menschen nicht vor einer Barriere stehen: „Wenn im Foyer oder im Sitzungssaal Veranstaltungen stattfinden, müssen Rollstuhlfahrer einen ande­ren Eingang benutzen, um mit dem Aufzug zu fahren“, erklärt Christian Kusch. „Wir wollen aber, dass alle auf dem selben Weg zur Veranstaltung gelangen können.“ Daher sei bereits im Haushaltsplan 2014 die Anschaffung eines Treppenlifts eingestellt.

Weitere Maßnahmen für das kommende Jahr seien der Umbau der Bäder in der Seniorenwohnanlage Färbergaßl, die Sanierung zu behindertengerechten WC-Anlagen im Schul­- zentrum Landsberg sowie die Errichtung einer Rollstuhlrampe am Gesundheitsamt. „Jetzt müssen auch die Ergebnisse aus der Bestandserfassung genau dokumentiert werden“, meint Barbara Juchem. Damit könne man den Ist-Stand erkennen und daran die Ziele festmachen.

Beispielhaft vorangehen

Neben der baulichen Barrierefreiheit gibt es im Landkreis auch weitere inklusive Projekte, wie etwa die Aktion „Mittendrin im Arbeitsleben“. Hier werde, so Juchem, versucht, Arbeitgeber und Menschen mit Behinderung zusammenzubringen. Ein erfolgreiches Beispiel dazu stellt das Landratsamt selbst: Jüngst stellte Landrat Walter Eichner eine Mitarbeiterin in der allgemeinen Verwaltung an, die unter einer psychischen Erkrankung leidet. „Sie blüht hier richtig auf“, freut sich Eichner.

Ein weiteres Projekt ist die Betreuung behinderter Kinder durch eigens geschulte Tagesmütter. Außerdem wird gerade die Internetseite zum Tourismus „Ammersee-Lech barrierefrei“ auf Vordermann gebracht und aktualisiert. „Als nächstes wollen wir laufende Projekte mit bestehenden Institutionen besser koordinieren“, sagt Behindertenbeauftragte Juchem. Zudem wolle der Arbeitskreis eine eigene Internetseite ins Leben rufen, auf der Infos und Aktionen des Arbeitskreises veröffentlicht werden. „Die Bürger sollen auch mit uns Kontakt aufnehmen und selbst Vorschläge einbringen.“

Janina Bauch

Meistgelesen

Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"Es war kein Betrug"
"Es war kein Betrug"
Dobrindt soll helfen
Dobrindt soll helfen
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"

Kommentare