Aus Arbeitslosen wurden Kunden

Abschied nach elf Jahren an der Spitze der Arbeitsagentur Weilhem: Ferdinand Pilzweger (links) mit seiner Nachfolgerin Anette Farrenkopf und Ralf Holtzwart, dem Chef der Regionaldirektion Bayern. Foto: Osman

eit 1976 stand er im Dienst der Bundesagentur für Arbeit, die letzten elf Jahre an der Spitze der Arbeitsagentur Weilheim. Jetzt ist Ferdinand Pilzweger (65) in den Ruhestand verabschiedet worden. „Für Sie beginnt der Urlaub des Lebens“, sagte sein Vorgesetzter, Ralf Holtzwart, bei einer Feierstunde im Festsaal des Historischen Rathauses Landsberg. Ein Urlaub, der hart erarbeitet worden sei. In Pilzwegers Amtszeit fiel die umfangreichste Reform in der Geschichte der ehemaligen Bun­desanstalt für Arbeit. Die frühere Behörde „Arbeits­amt“ wurde zum modernen Dienstleister, der Kunden betreut statt Arbeitslose zu verwalten.

Weilheim-Schongaus Landrat Friedrich Zeller (SPD) würdigte den enormen Prozess der Modernisierung, den die Arbeitsagentur in den letzten Jahren durchlaufen habe. Zu den Herausforderungen gehörte auch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. „Da war ein kluger Chef notwendig, denn er prägt den Charakter des Hauses“, so Zeller. Landrat Walter Eichner (CSU) unterstrich für den Landkreis Landsberg die gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur Weilheim und mit Pilzweger persönlich. „Wir beide konnten es miteinander.“ Des öfteren sei es gelungen, Probleme auf dem kurzen Dienstweg aus der Welt zu schaffen. Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) betonte, auch die Stadtverwal­- tung sei voll des Lobes für den scheidenden Agenturchef. Gemeinsam habe man das Landsberger Kinderbüro für ange­stellte Tagesmütter entwickelt, mit dem die Stadt 2005 einen Wettbewerb für innovative Verwaltung gewann. Drittgrößter Bezirk Zum Ende seiner Amtszeit erreichte Pilzweger mit der Vergrößerung des Agenturbezirks sein letztes großes Ziel. Neben den Landkreisen Weilheim-Schongau, Landsberg und Garmisch-Partenkirchen gehören ab dem 1. Oktober auch noch Fürstenfeldbruck und Starnberg dazu. Damit betreut die Arbeitsagentur Weilheim ein Gebiet mit rund 670000 Einwoh­- nern, was dem drittgrößten Agenturbezirk in Bayern entspricht. Dies sei Pilzwegers subtiler Kleinarbeit zu verdanken, betonte der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Dietmar Ahl. „Sie haben die Agentur dahin geführt, wo sie heute steht“, lobte Ralf Holtzwart, Chef der Regionaldirektion Bayern. „Sie genießen hohe Achtung bei Ihren Mitarbeitern.“ Das unterstrich auch Personalratsvor­- sitzender Björn Oberhauser. Die Zusammenarbeit des Personalrats mit Pilzweger habe immer auf Augenhöhe stattgefunden. Die Mitarbeiter hätten es allerdings nicht immer leicht gehabt, persönlichen Zugang zu ihrem Chef zu finden. Immer mit Freude „Ich übernehme ein gut bestelltes Haus“, ist sich Pilzwegers Nachfolgerin Anette Far­ren­kopf (47) sicher. Sie startet nach eigenen Bekunden mit sportlichem Ehrgeiz in ihr neues Amt, „aber auch immer mit Freude“. Besonders will sich die Diplom-Verwaltungswirtin dafür einsetzen, dass der regionalen Wirtschaft – besonders den kleinen und mittelständischen Betrieben – genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Weitere Themen seien Frauen am Arbeitsmarkt sowie eine größere Beteiligung Älterer und Behinderter.

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