Fit für den Arbeitsmarkt

Warten aufs Zeugnis - vier erfolgreiche Absolventen des JVA-Sprachkurses. Fotos: Ruile

Mit der Verteilung der Abschlusszeugnisse endete vergangene Woche für 19 Häftlinge mit Migrationshintergrund die Teilnahme an einem dreimonatigen „Berufsbezogenen Sprachkurs“. Das bayernweit einzige Pilotprojekt entstammt einer Kooperation der Justiz­- vollzugsanstalt (JVA) Landsberg mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Weilheim.

Ausgesprochen gelöste Atmosphäre herrschte vor wenigen Tagen in der JVA am „Tatort Klassenzimmer“. Dort hatten sich Initiatoren, Organisatoren und Teilnehmer des Pilotprojekts „Berufsbezogener Sprachkurs“ zur feierlichen Zeugnisübergabe an die erfolgreichen Absolventen eingefunden. Nach knapp einjährigem organisatorischen Vorlauf war der Lehrgang im August mit den 20 Teilnehmern gestartet. Die bfz hatte sie in einem festen Auswahlverfahren aus 48 Bewerbern „herausgefischt“. Annette Grabow, stellvertretende bfz-Leiterin, stellte klar: „Dies sollte kein Alphabetisierungskurs werden. Wir wollten ein einigermaßen homogenes Sprachniveau in der Klasse“. Arbeits- und Perspektivlosigkeit seien leider die häufige Ursache für den Rückfall in die Kriminalität bei Ex-Häftlingen. Darauf wies Dr. Harald Eichinger, stellvertretender Leiter der JVA Landsberg, hin. Deshalb hätten sich auf Anregung des Bayerischen Justizministriums im September 2010 Vertreter der bfz und der JVA zusammengesetzt, um Möglichkeiten zur Qualifizierung von Strafgefangenen zu erörtern. Unweigerlich sei dabei die mit 47-prozentigem Anteil in der JVA einsitzende Personengruppe der Migranten mit ihren besonderen Defiziten im Sprachbereich ins Blickfeld des Expertenkreises gerückt. Förderwürdiges Projekt Mit Fördermitteln aus dem Topf des Europäischen Sozialfonds (ESF) und der organisatorischen Unterstützung des Bundesamts für Migranten und Flüchtlinge, schnürten nun die Verantwortlichen der bfz „in enger und sehr guter Zusammenarbeit mit der JVA“, wie Annette Grabow ausdrücklich betont, ihr „Bildungspaket“. Eine Art „DreierCrashkurs“ wurde aufgelegt: Drei Monate lang sollten, einander abwechselnd, drei Referentinnen in Kurseinheiten á 30 Wochenstunden den Häftlingen Sprachkompetenz, im jeweils angestrebten Berufsumfeld und dem Arbeitsbereich allgemein vermitteln. Die Teilnahme am Unterricht war für die ausgewählten Bewerber verpflichtend. „Hochmotiviert und sehr fleißig“ seien sie gewesen, lobt bei der Zeugnisvergabe Referentin Claudia Kress ihre Schüler und so hätten sie häufig nicht nur gute Lernfortschritte, sondern regelrechte Lernsprünge gemacht. Angst habe sie in der für sie ungewohnten Umgebung eigentlich nie gehabt. Zur Not wäre da ja immer der „Piepser“ an ihrem Gürtel gewesen. Ein eingespieltes Team hat sich offensichtlich in den vergangenen drei Monaten gebildet; diesen Eindruck hat der Außenstehende, wenn Häftlinge bei der Entgegennahme ihrer Zeugnisse immer wieder spontan die Gelegenheit nutzen, um sich bei „ihren“ Lehrerinnen zu bedanken und im Gegenzug mit den „allerbesten Wünschen für ihre Zukunft“ verabschiedet werden. Auftrag erfüllt Der Doppelauftrag an den Strafvollzug, zum Einen die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten zu schützen und zum Anderen mit den Inhaftierten sinnvoll zu arbeiten, sei im Pilotprojekt „Berufsbezogener Sprachkurs“ in idealer Weise erfüllt worden, sagte JVA-Vize Dr. Eichinger an die Adresse des BAMF-Vertreters Klaus Genzel. Dieser „vernahm das Rufen wohl“ und stellte eine Fortsetzung „des sehr erfolgreichen Projekts“ in Aussicht.

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