Illustres in der ArtGallery

Worte mit Bildern erhellen

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„Herrenabend“ von Reinhard Michl.

Landsberg – „Das ist Kunst zum Anfassen.“ Galeristin Katharina Rücker-Weininger beschreibt die Werke, die seit vergangener Woche in der ArtGallery im Hinteren Anger zu sehen sind. Satte 28 Illustratoren zeigen dort jeweils ein Werk. Das reicht von detailverliebten Arbeiten für Kinderbücher über Graphic Novels und kleine Gnome bis hin zu abstrakten Zeichnungen. Vielfalt, so verspricht es auch der Titel der Ausstellung: „analog, digital, animiert.“ Zur Vernissage am Mittwoch platzte der kleine Raum fast aus den Nähten.

„Was macht ein Illustrator eigentlich?“ Rücker-Weininger stellte die Künstler in einer Frage-Antwort-Runde kurz vor – und diese Frage ging an Mario Kessler, dessen Werk einen Stoßzähne-putzenden Elefant zeigt. Das Wort „illustro“ bedeute erhellen und genau darum gehe es: „Wir Illustratoren versuchen, einen Inhalt zu transportieren und einen Text auszuleuchten.“ Damit befänden sie sich in guter Tradition mit alten Meistern, die Bilder anfertigten, um die Geschichten der Bibel zu veranschaulichen.

Viele Zuschauer lockte Katharina Rücker-Weininger (Mitte) zur Vernissage ihrer Illustratoren-Ausstellung in die seit September 2016 existierende ArtGallery im Hinteren Anger.

Was denn das Wichtigste beim Entwerfen eines Buchtitels sei, fragte die Galeristin Katharina Netolitzky, die schon mehrere Cover für dtv erarbeitet hat. Man müsse auf jeden Fall „genug Platz für die Typo lassen“, lachte Netolitzky. Ansonsten gelte es, den Text wirken zu lassen. Auch Angela Krulot ist mit ihrer Arbeit erfolgreich: Ihre selbstgeschriebenen und –illustrierten Geschichten sind bereits in 20 Ländern erschienen. Die Liebesgeschichte zwischen einer Giraffe und einem Krokodil findet offenbar zahlreiche Liebhaber. Natürlich ist auch der niederbayerische Reinhard Michl vertreten, der schon seit über 40 Jahren Bücher illustriert. In der ArtGallery ist sein humoristischer „Herrenabend“ zu sehen: Politiker im Zirbelstüberl, mit blau-weiß karierten Krawatten und teuflischen Hörnern.

Fast schon als detailbesessen könnte man Bernhard Oberdiecks Bild „Zirkus“ bezeichnen: Winzige Buntstiftschraffierungen erschaffen eine realistische Welt. Ebenso Jan Reisers „Hexenkessel“, weniger realistisch, aber ebenso detailreich. „Einzelheiten machen Bilder erst greifbar, ziehen den Betrachter in das Bild hinein“, meint der Künstler. Viel Arbeit sei das, aber er mache die filigrane Arbeit eigentlich ganz gern. Der jüngste der Runde, Paul Rietzl aus Landsberg, studiert noch in Augsburg – ausgestellt ist ein Bild seiner Bachelorarbeit im Stil der Graphic Novel. Gerade ist er dabei, seine Masterarbeit über den Einmarsch der französischen Truppen in Spanien zu zeichnen, dann folgt eine Arbeit über das zerstörte Augsburg. Empfehlen kann man seine Graphic Novel „Shipwreck“ – kein Buch, sondern eine Rolle: außergewöhnliche 15 Meter Durchlaufpapier zeigen düstere Visionen des Lechstädters.

Nicht nur Büchertexte „erhellen“ die in der ArtGallery ausstellenden Künstler. Lisa Frühbeis verfasst Veranstaltungsprotokolle – zeichnerisch. Nontira Kigle arbeitet viel fürs Theater. „Ich spreche hauptsächlich mit dem Regisseur, das Stück selber sehe ich meistens gar nicht mehr, dazu fehlt mir die Zeit.“ Schön, wenn ein Künstler von seiner Arbeit leben kann.

Aber auch Martin Wallner und Stefan Leuchtenberg sind erfolgreich mit ihrem Animationsfilm „Lost Box“ zum Thema Sterben und Trauer: Seine Weltpremiere hatte er beim internationalen Kurzfilmfestival in Palm Springs. Warum USA? Nun, die Stimmen im Film sind die des aus „Shakespeare in Love“ bekannten Joseph Fiennes und des „Gandalf“-Schauspieler Ian McKellen. Wer mehr dazu erfahren möchte: Am 20. Januar wird er Film in der ArtGallery zu sehen sein.

„Illustration geht oft im Kunstbetrieb unter“, gibt die selbst als Illustratorin arbeitende Galleriebesitzerin zu bedenken. Mit dieser Ausstellung wolle Katharina Rücker-Weininger diese Kunst würdigen. Absolut gelungen. Die abwechslungsreiche Ausstellung in der ArtGallery kann man bis zum 4. Februar bewundern.

Susanne Greiner

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