Flüchtlinge in Riederau

Erwünscht: Ein Koordinator vor Ort

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Im „Weggenossenheim“, Eigentum der ev. Kirche Augsburg, werden im Februar 60 Flüchtlinge einziehen.

Dießen/Riederau – Groß ist es gewesen, das Informationsbedürfnis am Mittwochabend im Kramerhof, wo sich rund 250 Zuhörer drängten. Landrat Thomas Eichinger und Bürgermeister Herbert Kirsch hatten zum Infoabend zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen im „Weggenossenheim“ in Riederau eingeladen. Bis zu 60 Asylsuchende, voraussichtlich überwiegend aus Eritrea und Syrien, werden dort ab Februar erwartet. Das Anwesen ist Eigentum der evangelischen Kirche Augsburg.

Rund 1500 Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis Landsberg. 413 davon kommen aus Eritrea, 350 aus Syrien, 39 aus Afghanistan. Jede Woche kommen 54 Personen hinzu. In Dießen leben derzeit 117 Asylsuchende. Bis zum Ende des Jahres, so Eichinger, könnten es mehr als 380 sein. Ein Ende des Weges sei nicht Sicht.

In Sachen Asylsozialberatung stehen dem Landkreis Landsberg pro 150 Asylbewerber ein Asylsozialberater des BRK oder der Diakonie zur Verfügung. „90 Prozent der Arbeit leisten die Ehrenamtlichen“, merkten Michaela Kanzler und Rainer Michler an, die bereits seit Gründung des „Netzwerks Asyl Ammersee“ ehrenamtlich mitarbeiten. Sie forderten, unterstützt von zahlreichen Anwesenden, für das Weggenossenheim einen eigenen „professionellen Koordinator“, der in der Lage sei, verlässliche Strukturen zu schaffen. Als ehrenamtliche Mitarbeiter würden für die Unterkunft ihrer Schätzung nach rund 30 Personen benötigt.

Die Begleitung durch das in der Nachbarschaft wohnende Hausmeisterehepaar und zwei bis drei Besuche der Asylsozialberatung des BRK sind nach Ansicht der Freiwilligen zu wenig. Benötigt werde auch mehr Geld. Diesbezüglich wollte Eichinger den Ehrenamtlichen keine Hoffnung machen. Im Haushalt seien bereits „eine dreiviertel Million“ als Zusatzleistungen vorgesehen, die für Kommunen und Kreisstadt reichen müssten. Auch Bürgermeister Kirsch winkte ab.

Ressentiments von Bürgern, die um ihre Sicherheit bangen, begegnete Sabine Krämer, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, die sich auch für Aslysuchende einsetzt, mit einem leidenschaftliches Plädoyer: „Integration ist ein wechselseitiger Prozess. Wenn wir wollen, dass unser Ort liebenswert bleibt, müssen auch wir unseren Teil dazu beitragen.“ Bis jetzt könne sie von ihrer Arbeit mit Flüchtlingen nur Positives berichten, zum Beispiel von deren Unterstützung bei Dorffesten oder beim Ramadama. Eine steigende Kriminalitätsrate sei hinsichtlich des Zuzugs bislang nicht zu verzeichnen, fügte der Landrat hinzu. Dies habe ihm tagesaktuell der Leiter der Polizeidienststelle Dießen versichert.

Was die Menschen aus den Krisengebieten dringend benötigen, so Kanzler, sei die baldige Teilnahme an Integrationskursen und die Möglichkeit zu arbeiten. Diesbezüglich sollten sich Gemeinde, Vereine und Arbeitgeber gleichermaßen Gedanken machen. Entgegenkommen signalisierten Dekanin Susanne Kasch und Geschäftsführer Jürgen Steinmetz, die die evangelische Kirche Augsburg vertraten: Die Synode werde darüber nachdenken, einen Teil der Mieteinnahmen zugunsten der Flüchtlinge zu investieren.

Der Landkreis sei froh, bislang noch nicht auf Turnhallen und andere öffentliche Gebäude zurückgreifen zu müssen, betonte Landrat Eichinger, und regte einen „Tag der offenen Tür“ im Weggenossenheim an. Den Ehrenamtlichen gab er mit auf den Weg: „Lassen Sie nicht nach in ihren Bemühungen“. Wer sich im „Netzwerk Asyl Ammersee“ engagieren möchte, sollte sich telefonisch oder per E-Mail mit der Dießener Gemeindeverwaltung in Verbindung setzen.

Ursula Nagl

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