Asyl: Diözese sperrt sich

Keinesfalls auf Kirchengrund!

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Die Diözese Augsburg weigert sich, dieses Fläche nahe der katholischen Kirche in Geltendorf für die Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen.

Geltendorf – Die geplante Unterbringung von Asylbewerbern in Geltendorf bewegt die Bürger. Rund 200 kamen zu einer Info-Veranstaltung ins Bürgerhaus, die Rathauschef Wilhelm Lehmann und Landrat Thomas Eichinger gemeinsam bestritten. Diskutiert wurden unter anderem mögliche Container-Standorte. Während der Festplatz von Etlichen kritisch gesehen wird, zeichnete sich Zustimmung zu einem Grundstück in der Nähe des alten Wasserhauses an der Bahnhofstraße ab. Was die Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge betrifft, äußerten sich viele Bürger offen und hilfsbereit. Heute Abend entscheidet der Gemeinderat.

„Ich finde es total super, dass Asylbewerber jetzt auch nach Geltendorf kommen“, sagte eine Schülerin des Ignaz-Kögler-Gymnasiums (IKG) unter dem Beifall der Anwesenden. Sie berichtete von gemeinsamen Projekten mit den Flüchtlingen, die neben dem IKG in der Lechturnhalle in Landsberg untergebracht seien. Und wollte wissen, welche Angebote in Geltendorf angedacht seien. „Was machen die Sportvereine, gibt es schon einen Raum für Treffen?“

Doch so weit ist man noch nicht. „Wir stehen noch keine zwei Zentimeter hinter der Startlinie“, so Bürgermeister Lehmann. Zunächst gehe es um die Standortdiskussion. Das Privatgrundstück im Kaltenberger Gewerbegebiet sei vom Eigentümer zurückgezogen worden. Zur Nutzung einer Fläche nahe der katholischen Kirche, die Pfarrer Thomas Wagner gern angeboten hätte, verweigere die Diözese Augsburg ihre Zustimmung.

Gegen die Aufstellung von Containern auf dem Festplatz am Bürgerhaus regt sich Widerstand von Feuerwehr- und Vereinsseite. Die Feuerwehr habe den Platz maßgeblich mit hergerichtet und veranstalte dort bekanntlich alle drei Jahre ihr beliebtes Dreschfest, sagte Andreas Kurz. Seiner Ansicht nach sollte man Flüchtlinge auch auf die Ortsteile verteilen. Auch Gemeinderat Christian Scheifele hielt eine „punktuelle Aufteilung“ für sinnvoll und brachte das ehemalige Schulhaus in Walleshausen ins Gespräch.

Neu in der Debatte ist ein Grundstück am alten Wasserhaus. Es gehört der Gemeinde, liegt aber planungsrechtlich im Außenbereich. Das Verfahren zur Schaffung von Baurecht würde hier mit 18 bis 20 Wochen etwas länger dauern als im Innenbereich, so Lehmann. Der Landkreis solle schon mal Container bestellen, während das Verfahren laufe, riet Gemeinderat Josef Weiß. „Wir werden es schaffen, eine Fläche zur Verfügung zu stellen.“

Dass dem Landkreis Landsberg Privatwohnungen zur Unterbringung der Flüchtlinge angeboten werden, erwartet Eichinger am S-Bahn-Standort Geltendorf kaum, betonte aber gleichzeitig: „Wir nehmen alles, was wir kriegen können. Die Not ist groß.“ Der Landkreis gehe vorsichtshalber für das kommende Jahr von bis zu 950 Asylbewerbern aus, auch wenn offizielle Prognosen mit 720 rechnen.

Kein Verteilerschlüssel

Auf einen Verteilerschlüssel nach dem Vorbild des Nachbarlandkreises Fürstenfeldbruck habe man bisher bewusst verzichtet – dort werden den Gemeinden entsprechend ihrer Größe und Einwohnerzahl Flüchtlingskontingente zugewiesen. „Sonst hätte Geltendorf schon 24 Asylbewerber und würde nächstes Jahr noch einmal 45 bekommen“, so Eichinger. Ihm sei jedoch wichtig, dass die Gemeinden sich vorbereiten könnten und dass Standorte geschaffen würden, die auf absehbare Zeit Bestand hätten. Die Frage, wie lange Geltendorf Flüchtlinge zu beherbergen habe, lasse sich nicht beantworten. „Wir wissen heute nicht, wo wir in fünf Jahren stehen.“

Die Standort-Entscheidung will der Gemeinderat am heutigen Donnerstag, 27. November, treffen. Da mit großem Zuschauerandrang gerechnet wird, soll die Sitzung im Bürgerhaus stattfinden.

Ulrike Osman

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