Unterkünfte im Landkreis

Die Weltpolitik im Blick

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Neuer Anstrich und bald auch neue Bewohner: Das Gebäude des ehemaligen Spielwarengeschäfts Tauscher ist fertig umgebaut und wird derzeit bezogen.

Landkreis – Seit April sind keine neuen Asylbewerber mehr in den Landkreis gekommen, doch das könnte sich in den kommenden Monaten wieder ändern. Über Zahlen wollten Landrat Thomas Eichinger und Barbara Rösner, Leiterin des Sachgebiets Asylangelegenheiten, im Rahmen eines Pressegesprächs allerdings noch nicht spekulieren. Vielmehr ging es ihnen darum, über die aktuelle Asylsituation im Landkreis zu informieren und der Kritik an der Schließung diverser Unterkünfte zu begegnen.

Ehrenamtliche Helfer hatten beklagt, dass die Verlegung von Flüchtlingen aus dezentralen Unterkünften unter anderem in Thaining, Schwabhausen und Kaltenberg die Integration gefährde beziehungsweise bereits erzielte Integrationserfolge zunichte mache.

Rösner erklärte, alle Betroffenen hätten innerhalb einer zweiwöchigen Frist die Möglichkeit gehabt, zu begründen, warum sie im Ort bleiben wollten. Wer dort einen Integrationskurs besuche, einen Ausbildungsplatz oder Arbeit gefunden habe, sei höchstens in den Nachbarort verlegt werden. So seien aus Utting und Schöffelding einige Flüchtlinge nach Greifenberg umgezogen, weil sie dort eine Ausbildung machen. „Die größte Kritik kam aus Thaining“, berichtete Eichinger. Aber „beim Ramadama mitgemacht zu haben“, sei als Argument gegen eine Verlegung zu schwach.

Man sei nicht wahllos vorgegangen, sondern habe bewusst „kostenungünstige“ kleinere Unterkünfte geschlossen, die man in der Not Ende 2015 habe anmieten müssen, betonte der Landrat. In Egling, Landsberg und Utting werden derzeit Asylbewerber- in Fehlbeleger-Unterkünfte umgewandelt. Die Unterkunft am Landsberger Hungerbachweg wird geschlossen, das Tauscher-Objekt werde derzeit bezogen. Insgesamt hat sich die Anzahl der Asylunterkünfte im Landkreis von 119 auf 101 verringert. In ihnen leben 1.398 Menschen aus 23 Ländern.

Für gut die Hälfte von ihnen läuft das Asylverfahren noch, 585 sind als Flüchtlinge anerkannt beziehungsweise genießen subsidiären Schutz. 58 Asylanträge wurden abgelehnt, „Tendenz steigend“, so Rösner. „Es muss in die Köpfe, dass wir neben der Willkommens- auch eine Abschiedskultur brauchen.“ Abgelehnte Asylbewerber müssen das Land wieder verlassen – entweder freiwillig oder durch Abschiebung.

Eichinger griff in dem Zusammenhang auch die viel kritisierte Äußerung des CSU-Generalsekretärs Andreas Scheuer vom „Fußball spielenden, ministrierenden Senegalesen“ auf. Auch diese würden abgeschoben – „insofern stimmt es nicht, was Scheuer gesagt hat“.

Wie es nun weitergeht, ist offen. „Wir warten ab, was weltpolitisch geschieht“, so Rösner. Es sei damit zu rechnen, dass von Oktober bis Dezember wieder Zuweisungen kämen, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt niemand konkrete Zahlen nennen könne.

Puffer und Drehscheibe

Zum 1. September ist die Quote für Oberbayern um 2,8 Prozent gestiegen, hiervon entfällt ein entsprechend kleiner Teil auch auf den Landkreis. Erwartet werden unter anderem Fehlbeleger aus den Erstaufnahmeeinrichtungen und ihre Angehörigen. Auch diejenigen Flüchtlinge, die seit dem 1. Januar aus der Region weggezogen sind, müssen aufgrund der Wohnsitz­auflage im neuen Bundesintegrationsgesetz in den Landkreis zurückkehren – es sei denn, sie sind am neuen Wohnort bereits erwerbstätig und bestreiten selbst ihren Lebensunterhalt.

Über ein Objekt wie die ­Soccer-Halle in Kaufering sei man „sehr froh“, betonte Eichinger. Es diene als „Puffer“ und „Drehscheibe“ und entlaste die Gemeinden. „Im übrigen bin ich aber sehr daran interessiert, die Dezentralität beizubehalten.“

Rösner wehrte sich im Zusammenhang mit der Soccer-Halle gegen Vokabeln wie „Massenquartier“ und Schlimmeres. „Diese Ausdrücke sind nicht fair.“ Die Bewohner der Soccer-Halle erhielten mehr hauptamtliche Unterstützung von Asylsozialberatern als diejenigen in den dezentralen Unterkünften, und dank der verkehrsgünstigen Lage Kauferings hätten einige bereits Jobs in München und Augsburg gefunden. Außerdem gebe es höchst engagierte Ehrenamtliche, die unter anderem Schwimm- und Putzkurse, Kunstprojekte und mehr gestartet hätten.

Neue Freiwillige

Ehrenamtskoordinatorin Stefanie von Valta ist derweil auf der Suche nach neuen Freiwilligen, die sich in der Asylarbeit engagieren möchten. Die bestehenden Helferkreise seien mittlerweile „ziemlich erschöpft durch das, was sie an toller Leistung gebracht haben“. Wer Interesse hat, erreicht Stefanie von Valta im Landratsamt unter Tel. 08191/129 1398 oder per E-mail unter Stefanie.vonValta@LRA-LL.Bayern.de.

Über die aktuellen Teilnehmerzahlen an den Integrationskursen gibt es im Landratsamt keine Zahlen. Herauszuhören ist allerdings, dass die Nachfrage bedeutend größer ist als das Angebot. „Das Interesse ist sehr hoch, aber die Kursträger kommen nicht nach“, so Eichinger. Aufgrund des unterschiedlichen Niveaus der Teilnehmer würden Ehrenamtliche die Kurse begleiten. Weiterhin unterrichten freiwillige Helfer in den Unterkünften Deutsch und bereiten Anwärter auf die Berufsschule vor. Dort werden mittlerweile rund 200 Asylbewerber unterrichtet.

Ulrike Osman

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