Info-Abend Asyl im Landratsamt

"Ängste sind völlig fehl am Platz!"

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In einem Bürogebäude (rechts) in der Kolpingstraße in Kaufering möchte der Landkreis jetzt „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ unterbringen, nachdem das ehemalige Offiziersheim in Landsberg dafür nicht mehr infrage kommt.

Landsberg – Ein Aufschrei der Bürger blieb aus, stattdessen gab es eine sachliche Diskussion um ein auskömmliches Miteinander zwischen Landsbergern und Asylbewerbern und Flüchtlingen. Am Ende des Infoabends im Landratsamt standen dann auch mehrere konkrete Vorschläge, wie man die nächsten Monate angehen kann.

Geladen hatten Landrat Thomas Eichinger und Oberbürgermeister Mathias Neuner alle Interessierten in den Sitzungssaal der Kreisbehörde. Am Ende waren es knapp 60 Personen, die sich dort einfanden, davon rund die Hälfte ehrenamtliche Helfer oder Vertreter der Wohlfahrtsverbände. Bedenken gegen die Neuankömmlinge wur- den in diesem Rahmen kaum geäußert, ein Diskussionsteilnehmer, der sich selbst vor Ort engagiert und zuvor bereits in Lagern in Syrien gearbeitet hat, brachte seine Ansicht auf den Punkt: „Da, wo die Öffentliche Hand an ihre Grenzen stößt, sind wir als Bürger gefragt, die Hand zu reichen. Jeder kann helfen, das sind unglaublich herzliche Menschen, die zu uns kommen, Ängste sind völlig fehl am Platz.“

In der Diskussion wurde aber auch klar, an welchen Stellen es noch hakt. Das ehrenamtliche Engagement der Landsberger ist es nicht, eher fehlte es nach Ansicht mehrerer Bürger an der Unterstützung vom Freistaat. Sprachkurse etwa sind weiterhin Mangelware, zwischen einem Grund- und Aufbaukurs vergeht zu viel Zeit. Die Krux: Erst nach mehreren Monaten dürfen die Asylbewerber offizielle Sprachkurse belegen. Zu diesem Zeitpunkt könnten sie auch Praktika absolvieren und später Arbeit aufnehmen – was ihnen meist wiederum wegen fehlender Sprachkenntnisse nicht gelingt.

„Wir werden hier demnächst das Jobcenter mit ins Boot holen“, versprach Eichinger, der aber darauf verwies, dass „die Unternehmen gefragt sind, die dann doch wieder die Deutschkenntnisse als extrem wichtig erachten.“ Besserung ist zumindest in Sicht. Alle VHS-Geschäftsstellen im Landkreis hätten sich bereits zusammengetan, um ein Konzept zu erstellen, nach dem mehr Sprachkurse angeboten werden können, berichtete Marianne Asam, die beim Roten Kreuz für die Betreuung verantwortlich ist. „Die Leitungen sind sehr engagiert, aber das braucht ein bisschen Zeit. Wir hoffen, dass wir bis zum Herbst etwas hinbekommen.“

Dabei wird es auch finanzielle Unterstützung geben, wie OB Neuner sagte. „Herr Handtrack als Asylreferent hatte deshalb bei der Sparkassenstiftung angefragt“, berichtete das Stadtoberhaupt, das dann in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrats signalisierte, dass das Kreditinstitut hier gewiss Gelder beisteuern werde.

Zusammen mit OB Neuner machte Landrat Eichinger allerdings erneut klar, dass es voraussichtlich nicht damit getan sein dürfte, sich um die bisher im Landkreis Angekommenen zu kümmern; der Zustrom werde wohl anhalten. „Man ist von einem An- und Abschwellen der Zahlen ausgegangen“, so der Landrat, „das ist bisher nicht eingetreten.“

700 Flüchtlinge und Asybewerber sind momentan im Landkreis untergebracht, davon 200 in Landsberg. Die Prognose bis zum Jahresende belaufe sich derzeit auf 1070 Personen, sagte Eichinger. Und Neuner meinte: „Ich denke, es könnten sogar ein paar mehr werden, für Landsberg also noch einmal rund 100.“ Dezentrale Unterbringung heiße dann auch nicht mehr drei bis zehn, sondern auch 30 bis 60 Menschen pro Unterkunft, stellte Eichinger fest.

Die geplanten Standorte in Landsberg sind ohnehin seit einiger Zeit bekannt und sorgten auf der Infoveranstaltung somit kaum noch für Diskussionsstoff:

• In der Münchener Straße sollen die 60 Plätze in den Containern bleiben, allerdings jetzt bis 2019. Neuner: „Wir behandeln das in der nächsten Stadtratssitzung, ich gehe aber da­- von aus, dass wir um eine Verlängerung gar nicht herum kommen.“ Die Dominikanerinnen hätten sich „dankenswerterweise“ bereit erklärt, darüber mit sich reden zu lassen. „Wir müssten andernfalls umziehen und sofort an anderer Stelle neu errichten“, ergänzte Eichinger.

• In der Iglinger Straße wird neben dem Umspannwerk ein ähnlicher Containerbau für ebenfalls 60 Personen errichtet; diese Unterkunft soll bis August bezugsfertig sein. • Im Staatlichen Hochbauamt in der Geschwister-Scholl-Straße sollen 88 Flüchtlinge in den Obergeschossen unterkommen. Dort gibt es aber bisher nur eine Absichtserklärung, „da ist jetzt die Regierung als Eigentümerin gefragt“, betonte Landrat Eichinger.

• Noch weiter zurück hängt man in der Pfettenstraße (neben der Justizvollzugsanstalt). Es gebe dort bis jetzt lediglich eine Anfrage der Stadt, auch hier sei die Regierung am Zug.

• Für die „Unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ brauche man im Prinzip ein Kinder- und Jugendheim, „das wir aber nicht haben“, sagte Eichinger. Nach den derzeitigen Plänen soll neben einem Gebäude in der Kolpingstraße in Kaufering auch eine Immobilie am Wiesenring in Landsberg (ehemals „Wichtelgarten“) angekauft werden.

Gleichzeitig muss sich die Stadt auch Gedanken über verstärkten sozialen Wohnungsbau machen. Landrat Eichinger: „Jeder Asylbewerber, der anerkannt ist und keine Wohnung findet, ist im Prinzip ein Obdachloser.“

Christoph Kruse

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