Umzug in die Lechturnhalle

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Die Mitarbeiter des Landratsamtes und das Rote Kreuz Landsberg haben ganze Arbeit geleistet: Die Lechturnhalle ist bereit für die neuen Flüchtlinge.

Landsberg – Samstag, früher Nachmittag. In der der Landsberger Altstadt herrscht Feststimmung. Vor der Lechturn- halle in der Lechstraße ist es noch ruhig, nur im Hintergrund hört man die Blasmusik aus der Stadt. Drei Security-Mitarbeiter stehen vor dem Eingang, innen treffen die Mitarbeiter des Landratsamtes die letzten Vorbereitungen für die Ankunft der Asylbewerber aus München.

Knapp 200 Flüchtlinge kommen an diesem Wochenende. Zwei Tage zuvor hatte die Regierung von Oberbayern den Notfallplan für die Erstunterbringung in Landsberg offiziell aktiviert. Das war angesichts der zahlreichen Flüchtlinge nicht mehr zu umgehen: „Allein in der Nacht von Donnerstag auf Freitag kamen 711 Flüchtlinge in München an“, sagt Wolfgang Müller, Pressesprecher im Landratsamt. Auch wenn der Notfallplan informell schon eine Woche vorher bekannt war – der Umbau der Halle musste schnell gehen. Gleich beim ersten Blick in die Halle sieht man: Zusammen mit dem Roten Kreuz Landsberg haben Landrat Thomas Eichinger und sein Team ganze Arbeit geleistet.

Der erste Teil der am Samstag eingetroffenen Asylbewerber erhält Anweisungen für das Zu-sammenleben in der Notunterkunft Lechturnhalle.

Neben den 200 Betten, die auf die alte Halle, den Anbau und zwei weitere Räume verteilt sind, gibt es mehrere Spülbecken mit Arbeitsflächen, daneben Herde und zusätzlich einzelne Kochplatten. An der Stirnseite der Halle stehen 20 Kühlschränke. Hier in Landsberg sollen sich die Flüchtlinge selbst versorgen. Jeder Erwachsene erhält dafür pro Tag fünf Euro, Kinder etwas weniger. „So kommen sie in Kontakt zur Bevölkerung und werden nicht allzu sehr bevormundet“, begründet Abteilungsleiterin Maria Matheis diese Vorgehensweise. Anderswo werde fürs Essen ein Catering engagiert. Die Kosten für die Einrichtung der Halle werden dem Landkreis vom Freistaat Bayern erstattet.

Pünktlich um 15 Uhr trifft der erste Bus aus München ein. Einige haben nur eine kleine Tasche bei sich, andere große Koffer. Viele grüßen auf Englisch, einer mit einem bayeri-schen „Grüß Gott!“. Wer genau kommt, weiß vorher niemand. Es gibt nur die vage Auskunft aus München, dass in diesem Bus vor allem Männer sein sollen. Aber das stimmt ganz offensichtlich nicht. „So viele kleine Kinder!“, stellt Amélie Le Guillou vom Landratsamt erschrocken fest, denn im Moment sind nur zwei Kinderbetten vorhanden. Und die müssen erst noch zusammengeschraubt werden.

Während Wolfgang Müller beherzt die Bauanleitung der Kinderbetten aus dem Karton zieht, setzen sich die Flüchtlinge auf die Bänke im vorderen Teil der Halle. Sachgebietsleiterin Barbara Rösner erklärt den Ablauf auf Deutsch, Amélie Le Guillou übersetzt ins Französische und Englische. „In diesem Gebäude gibt es Hausregeln“, sagt Rösner, „Rauchen und Alkohol sind innerhalb des Gebäudes nicht erlaubt. Und um 22 Uhr geht das Licht aus.“ Rund um die Uhr seien Mitarbeiter des Security-Teams im Haus, die sowohl für die innere als auch die äußere Sicherheit sorgen.

In der Gerätekammer der Halle stehen neben Nudeln, Reis, Konserven und Babynah-rung ein paar Computer. In diesem provisorischen Büro wer- den die Neuankömmlinge registriert. Sie erhalten ihre Bettennummer und einen Korb mit Bettwäsche, Handtüchern und Hygieneartikeln. Alleinstehende Frauen dürfen in eines der Zimmer im ersten Stockwerk, in dem jeweils zehn bis zwölf Betten stehen.

Eine Frau, die mit ihrer Familie aus Albanien gekommen ist, hat starke Schmerzen. Für solche Fälle sind die Amtsärzte Lorenz Schröfl und Elisabeth Weber zuständig. Aber was der Frau fehlt, ist nicht einfach herauszufinden: Sie spricht weder Französisch noch Englisch. Mit Händen und Füßen verständigen sich Arzt und Patient, irgendwas mit ihrem rechten Ohr scheint nicht in Ordnung zu sein. Aber eine genaue Diagnose ist ohne Röntgenbild nicht möglich. Sie und alle anderen Flüchtlinge müssen am Montag zur gesundheitlichen Erstuntersuchung. Dort wird man ihr helfen können.

Der Großteil der Asylbewerber kommt aus Albanien, ein paar aber auch aus Syrien, dem Kongo oder Eritrea. Asylanträge von Albanern werden fast nie anerkannt, auch wenn in diesem Land laut Weltbank sieben Prozent der Bevölkerung in absoluter Armut leben. Derzeit beantragen Union und SPD, Albanien zu einem sicheren Herkunftsland zu deklarieren, um diese Anträge schnell zu bearbeiten und ablehnen zu können. Ist ein Antrag abgelehnt, muss der Asylbewerber nach spätestens einem Monat das Land verlassen.

Vier bis sechs Wochen

Die Flüchtlinge sollen maximal vier bis sechs Wochen in der Turnhalle bleiben müssen, bevor sie in Einzelunterkünfte weitervermittelt werden. „Aber das kann auch etwas länger dauern“, meint Wolfgang Müller. „Alle Unterkünfte sind voll“. Auch die Container in der Iglinger Straße, die Mitte August fertig werden, seien bereits komplett belegt.

Nach einer guten Stunde sind alle Neuankömmlinge registriert und wissen, wo sie die nächsten Wochen schlafen werden. Die Kinderbetten stehen fertig zusammengebaut in der Halle, in einem schläft bereits tief und fest ein Baby. Um 17 Uhr treffen sich alle vor der Turnhalle, um gemeinsam mit Barbara Rösner zum Supermarkt um die Ecke zu gehen. Der wurde bereits informiert und wird zur Not auch etwas länger offen haben. Denn am selben Abend kommt schon der zweite Bus…

Susanne Greiner

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