Neue Unterkunft in Aussicht:

Flüchtlinge statt Spielwaren

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Im „Spiel- und Babyparadies“ an der Hermann-Köhl-Straße im Westen Landsberg sollen bis zu 90 Asylbewerber untergebracht werden.

Landsberg – Für den Oberbürgermeister wäre es kein Problem, doch das letzte Wort hat bekanntlich der Stadtrat: Mitte Juli könnte dieser erneut von seinem Grundsatzbeschluss abrücken, Unterkünfte für Asylbewerber nur für maximal 60 Personen zu genehmigen. Fürs Staatliche Hochbauamt ist das schon geschehen, jetzt geht es um das „Spiel- und Babyparadies“. In dem Gebäude an der Hermann-Köhl-Straße könnten demnächst 90 Asylbewerber einziehen.

Noch liegt der Landkreis bei der Aufnahme von Flüchtlingen „20 Prozent über dem Soll“, wie Landrat Thomas Eichinger beim Pressetermin zusammen mit OB Mathias Neuner berichtete, doch das sei kein Grund, bei der Suche nach geeigneten Unterkünften den Druck rauszunehmen. „Woche für Woche bekommen wir neun Asylbewerber neu zugewiesen“, so Eichinger, „egal, ob wir nun Platz haben oder nicht; es war aber schon mal 25“. Zweieinhalb Monate sei man noch auf der sicheren Seiten, dann könnte es aber wieder eng werden.

Ein Grund dafür ist auch, dass es an anderer Stelle in Landsberg einfach nicht vorangehen will; am Staatlichen Hochbauamt im Katharinenanger etwa, wo die Umnutzung für bis zu 88 Personen in „einiger Ferne“ (Eichinger) liegt. Der Landkreis­chef bezweifelt gar, ob das dieses Jahr noch was wird. Auch an der Pfettenstraße, wo auf einem Grundstück des Freistaates Container für bis zu 60 Flüchtlinge aufgestellt werden könnten, bewege sich überhaupt nichts. Immerhin: die Container-Wohnanlage (60 Personen) an der Iglinger Straße dürfte bis August bezugsfertig sein. Die Genehmigung läuft dann ebenso wie für die Container (60 Personen) an der Münchener Straße bis Ende 2019.

Angesichts dieser Lage zeigten sich Eichinger und Neuner froh darüber, dass der Eigentümer des „Spiel- und Babyparadieses“, einst als „Spielwaren Tauscher“ in der Altstadt präsent, selbst mit seiner Offerte an den Landkreis herangetreten ist. Das Gebäude an der Hermann-Köhl-Straße eigne sich nach dem Umbau – die Kosten dafür würden auf den Mietpreis umgelegt – für 90 Flüchtlinge und würde vom Freistaat Bayern für die Dauer von zehn Jahren angemietet. Die Regierung von Oberbayern habe dort 100 Personen unterbringen wollen, erläuterte Eichinger, „doch wir bleiben bei 90“.

Positiv formuliert

Voraussetzung für die Umsetzung des Vorhabens indes ist ein positives Votum städtischerseits. OB Neuner sieht darin kein echtes Problem: Baurechtlich spreche nichts dagegen, da „Einrichtungen für soziale Zwecke“ in Gewerbegebieten zulässig seien. Und mit Blick auf die Entscheidung fürs Hochbauamt geht Neuner schon davon aus, dass der Stadtrat noch einmal von seinem Grundsatzbeschluss abrücken wird. „Wir haben’s in der Beschlussvorlage positiv formuliert.“ Am 1. Juli wird sich erst der Bauausschuss und dann am 15. Juli der Stadtrat mit der Umnutzung des Gebäudes befassen.

Aktuell leben 749 Asylbewerber im Landkreis Landsberg sowie 39 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Für Ende dieses Jahres sind insgesamt 1070 Personen prognostiziert, Landrat Eichinger rechnet allerdings mit über 1200. „Dann sind wir auf der sicheren Seite.“ Sofern auch diese Zahl überschritten werden sollte, müsste der Landkreis eventuell auf die im „Notfallplan“ festgeschriebenen Notunterkünfte zurückgreifen: Lechturnhalle in Landsberg und Fuchstalhalle.

Toni Schwaiger

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