Asyl: Kapazitäten fast ausgeschöpft

Gesucht: Wohnraum für 120 Personen

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Die Container-Lösung an der Münchener Straße ist nur als Zwischenlösung gedacht, bis die von der Regierung von Oberbayern geplante Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber fertig ist.

Landkreis – Die Zahl der Asylbewerber im Landkreis dürfte bis Jahresende auf 480 ansteigen. Wie Christian Ott, Leiter der Abteilung Sicherheitsrecht im Landratsamt, im Sozialausschuss des Kreistags berichtete, werden derzeit dringend Wohnungen für 120 Personen gesucht. Um die Ver­netzung der in der Asyl­arbeit Tätigen zu verbessern, hatte Renate Standfest für die Grünen-Fraktion bereits vor Wochen einen „Runden Tisch Asylarbeit“ beantragt. Standfest fordert außerdem die Aufstockung von Personal und Budget.

Das Thema Wohnraum wäre leichter zu lösen, wenn die vom Freistaat geplante Gemeinschaftsunterkunft an der Iglinger Straße realisiert würde, sagte Christian Ott. „Aber das wird wohl noch dauern.“ Man habe zu dem Thema vom Freistaat lange nichts gehört, ergänzte Landrat Thomas Eichinger (CSU). Für 20 Personen habe man derzeit Wohnungen in Aussicht, auch stehe der Landkreis neben privaten Vermietern in ständigem Dialog mit Gaststätten und Pensionen. „Überall, wo man fragen kann, haben wir schon gefragt“, so Eichinger. „Wir nähern uns dem Moment, an dem die Kapazitäten ausgeschöpft sind.“

Derzeit warten 340 dezentral untergebrachte Flüchtlinge – die meisten von ihnen in Landsberg und Kaufering – darauf, dass ihre Asylanträge bearbeitet werden, berichtete Ott. Dies geschehe in recht unterschiedlicher Geschwindigkeit. Antragsteller aus Syrien würden meist schnell einen Bescheid erhalten, bei anderen Nationalitäten sei die Bearbeitungsdauer länger – ein Umstand, der laut BRK-Geschäftsführer Andreas Lehner zu Unruhe in den Asylbewerberunterkünften führt. „Da ist Druck auf dem Kessel“, so Lehner.

Aufreibende Arbeit

Vier ehrenamtliche BRK-Mitarbeiter – ab August fünf – kümmern sich vor Ort um die Flüchtlinge, unterstützt von hauptamtlichen Kräften in der Geschäftsstelle. Ab kommenden Monat werde es eine Vollzeit-Sachbearbeiterin für die Asylarbeit geben, kündigte Lehner an. Wichtig sei unter anderem, die Ehrenamtlichen mit Coaching und Supervision zu unterstützen. „Die Arbeit mit Asylbewerbern ist belastend und aufreibend“, beschreibt Lehner. „Das Thema frisst einen mit Haut und Haar.“

Das Budget von 50000 Euro, das der Landkreis dem BRK für die Asylarbeit zur Verfügung stellt, reicht allerdings offenbar vorn und hinten nicht. Lehner rechnete vor, dass der tatsächliche Aufwand sich auf rund 100000 Euro belaufe. Da Asylarbeit aber eine humanitäre Aufgabe – und damit ein ureigenes Anliegen des BRK – sei, setze man auch Eigenmittel ein. Doch auch der Landkreis sei bereits in Vorleistung gegangen, merkte Eichinger an. Die Gelder, die man zum Beispiel für Container ausgelegt habe, würden vom Freistaat nicht vollständig erstattet. „Das ist ärgerlich.“

Die Grünen im Kreistag fordern, die Regierung von Oberbayern als Sachaufwandsträger beim Thema Asyl stärker in die Verantwortung zu nehmen. „Wir brauchen eine Aufstockung der professionellen Asylarbeit“, so Renate Standfest. Dies sowohl im Landratsamt als auch bei den mit der Flüchtlingssozialarbeit beauftragten Organisationen.

Die Förderrichtlinien des Freistaats besagen, dass pro 150 Asylbewerber ein Vollzeit-Sozialpädagoge mit 70 bis 90 Prozent der Personalkosten bezu­schusst werde, erläuterte BRK-Geschäftsführer Lehner. Auch hier müsse der Träger also den Restbetrag selbst zuschießen. Eine entsprechende Stelle sei ausgeschrieben, die Zahl der Bewerber jedoch „übersichtlich“. Auch scheiterten Gespräche teilweise an den Gehalts- verhandlungen.

Um die Zusammenarbeit von ehrenamtlichen Helfern, den Verantwortlichen im Landratsamt und den professionellen Hauptamtlichen zu verbessern, fordern die Grünen die Einrichtung eines Runden Tisches Asylarbeit. Dieser solle den Beteiligten einen regelmäßigen, strukturierten Austausch ermöglichen.

Ulrike Osman

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