Asylbewerber im Klostergarten

"Lasst uns gemeinsam helfen!"

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Unmittelbar an der Münchner Straße (unten) und östlich des Klosters (links) sollen die Wohncontainer (rechts) für bis zu 60 Asylbewerber platziert werden.

Landsberg – „Herzlichen Dank für Ihr ehrenamtliches Engagement!“ Mit diesen Worten an der Front des Rednerpultes haben Stadt und Landkreis Landsberg am Freitag ein deutliches Signal gesetzt: Den Menschen in Not, die bei uns Asyl suchen, gilt es auf möglichst breiter Basis zu helfen.

Und das gilt insbesondere für jene, die wohl ab Anfang nächsten Jahres im Klostergarten an der Münchner Straße eine Bleibe finden werden. Knapp 100 Interessierte wollten am Freitag in den Beruflichen Schulen aus erster Hand Details zu der geplanten dezentralen Unterkunft erfahren – und kündigten zum überwiegenden Teil ihre Hilfsbereitschaft an.

Nachdem der KREISBOTE Anfang September die Pläne für die Asylbewerberunterkunft öffentlich gemacht hatte, beklagten in der Folge vor allem die Anwohner in Landsberg Ost die „mangelhafte Informationspolitik“ von Stadt und Landkreis. Dem widersprachen nun der Landrat und der Oberbürgermeister vehement. Viele Details seien zuvor nicht bekannt gewesen, betonte Landkreischef Walter Eichner, erst seit wenigen Tagen wisse man Bescheid und könne jetzt auch Rede und Antwort stehen. „Wir sind da sehr, sehr schnell in der Zeit“, bekräftigte auch OB Mathias Neuner.

Vor der Fragerunde jedoch rief „Gastgeber“ Eichner die Bilder des weltweiten Flüchtlingselends in Erinne­rung. Allein die schrecklichen Ereignisse vor Lampedusa seien Ansporn genug, sich des Themas Asyl besonders anzunehmen. Immer wieder forderte der Landrat bei den Anwesenden und bei der Landkreisbevölkerung Hilfsbereitschaft und ehrenamtliches Engagement ein, erinnerte daran, dass die Unterbringung von Flüchtlingen eine gemeinsame Aufgabe des Kreises und seiner Gemeinden sei und dass man zwischen Lech und Ammersee mit Asylbewerbern ja „relativ wenig Probleme“ habe. Eichner: „Da beneidet man uns in Bayern!“

Sicherer Fluchtort

„Solidarität mit den Flüchtlingen schaffen wir auch“, sagte OB Neuner. Er würde sich über ein großes nachbarschaftliches Engagement, ähnlich dem in Erpfting, sehr freuen, damit die Stadt im Osten einen „sicheren Fluchtort“ bieten könne. Ohnehin sei er froh, dass man im Klostergarten eine dezentrale Unterkunft ermöglichen könne. Sicher werde es im Stadtrat eine breite Mehrheit dafür geben. Besorgten Anwohnern gab Neuner mit auf den Weg: Sollten Einwände gegen das Vorhaben vorliegen, so würden diese im Zustimmungsverfahren auch berücksichtigt.

„Aus Sicht der Stadt ist es dringend erforderlich, die zugewiesenen Flüchtlinge aufzunehmen“, betonte Neuner, „von Anfang an“ habe er dem Landrat Hilfe zugesagt. Im Zuge dessen seien auch die städtischen Wohnungen überprüft worden, doch da sei „nichts frei, weil Landsberg ja verpflichtet ist, Obdachlose unterzubringen.“

Bedarfsgerecht

Nach Darstellung von Kreisbaumeister Christian Kusch sollen die umzäunten Wohncontainer im östlichen Klostergarten so errichtet werden, dass eine Art „Hof“ als Aufenthaltsfläche entsteht. Das „zweistöckige Gebäude“ (31x15 Meter) entsteht im Baukastensystem, um mit Einzel-, Doppel- und Familienzimmern auf den Bedarf reagieren zu können. Eine kostengünstige und schnelle Bauweise sei es, so Kusch, vermutlich Anfang 2014 seien die Unterkünfte bezugsfertig. Bedenken zur (Wohn-)Qualität zer­- streute der Landrat selbst: „Am Klinikum arbeiten unsere Mitarbeiter schon seit 20 Jahren in Containern und auch an unseren Schulen sind sie mit guten Erfahrungen im Einsatz.“

Erwartungsgemäß gab es auf der Infoveranstaltung gerade von Anwohnern kritische Fragen. Die nach der Projektdauer beantwortete Landrat Eichner mit „18 Monate, vielleicht ein wenig länger“. Da dies einigen Anwesenden offensichtlich zu wage war, ergänzte er: „Darauf haben Sie unser Wort. Es werden keinesfalls durch die Hintertür fünf Jahre werden.“ Was nach den 18 Monaten sei, das könne er heute nicht sagen, räumte Eichner ein.

OB Neuner wurde da schon etwas deutlicher. Er glaube nicht, dass die von der Regierung von Oberbayern im Westen Landsbergs nach wie vor geplante Gemeinschaftsunterkunft (GU) bis dahin fertig werde. Deshalb würden bis zu einem Umzug wohl noch „20 bis 22 Monate“ vergehen, „dann wird eh verlängert“. Wenn auch das nicht zeitgerecht möglich sei, dann komme laut Eichner Plan B zum Zuge: „Unterbringung in Turnhallen“. Hier böte sich etwa die Halle der Beruflichen Schulen und die in der Isidor-Hipper-Straße an.

Als es schließlich um die Themen alternative Unterbringung, Betreuung und Sicherheit ging, verfinsterte sich die Mine des Landkreischefs zusehends. „Wir haben alles versucht, andere Gebäude zu finden“, antwortete er auf Nachfrage mit dem Hinweis, alle Landkreisgemeinden angeschrieben zu haben und dies nun erneut zu tun. Selbstverständlich würden die Menschen in der neuen Einrichtung seitens des Landratsamtes und des BRK-Kreisverbandes betreut. Als ein Zuhörer Belästigungen durch Asylbewerber in Kaufering ins Gespräch brachte, zeigte sich der Landrat „irritiert, wenn sie als schlimme Menschen hingestellt“ würden. Sowohl Landsbergs Polizeichef Alfred Geyer als auch Kauferinger Bürger bestätigten auf der Infoveranstaltung, dass es absolut keine Auffälligkeiten gebe – im Gegenteil.

Die meisten Fragen während des zweieinhalbstündigen Infoabends waren sachlicher Natur, mit einer Ausnahme: Er habe ja nichts gegen Asylbewerber, betonte ein Anwohner aus der Münchner Straße, aber warum müsse ausgerechnet „an einem der schönsten Plätze in Landsberg“ eine Container-Siedlung entstehen, wollte er wissen. Die Antwort Eichners: „Wenn ich helfen will, muss ich das Ästhetische hinten anstellen.“ Wenig später räumte der Landrat ein, angesichts solcher Fragen sei es für ihn „nicht einfach, so eine Veranstaltung zu moderieren.“

UBV-Stadträtin Martha Borgmann, die sich in vorbildlicher Weise für die in Erpfting lebenden Asylbewerber engagiert, fand es „schrecklich, dass der Abend solche Züge annimmt.“ Sie appellierte an die Anwesenden und die Bürger in Stadt und Landkreis: „Machen Sie Ihre Herzen auf!“

Die aktuelle Asyl-Lage

Landkreis – Der Freistaat Bayern wird bis Ende dieses Jahres voraussichtlich insgesamt 18000 Asylbewerber unterbringen müssen. Das sind in etwa so viele wie Mitte der 90er Jahre. Es herrsche „größte Not“, sie alle zu verteilen. Darauf hat Yvonne Nissen, Abteilungsleiterin für Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt, aufmerksam gemacht. Der Landkreis sei im Dezember wohl mit 300 Flüchtlingen in der Pflicht. Auf der Informationsveranstaltung zur dezentralen Unterbringung im Klostergarten ging Nissen kurz auf die aktuelle Situation ein. Danach sind im Landkreis Landsberg derzeit 179 Asylbewerber untergebracht – 103 in Kaufering, 54 in Landsberg mit Stadtteilen, 10 in Scheuring, 9 in Penzing und 3 in Privatwohnungen. Das Soll Ende September liege laut Regierung von Oberbayern bei 193 Flüchtlingen. „Wir bekommen laufend neue Zahlen“, beschrieb Nissen die Lage in der Kreisbehörde. So sei man noch im Juli von 229 Personen zum Jahresende 2013 ausgegangen, inzwischen müsse man mit 300 rechnen. Die Verteilung der Asylbewerber erfolge nach dem „König­steiner Schlüssel“; danach ist Oberbayern mit 33,9 Prozent in der Pflicht und der Landkreis Landsberg wiederum mit 2,6 Prozent.

Toni Schwaiger

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