Umzug in die Jahnstraße

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Das Grundstück an der Jahnstraße wird vom Landkreis gepachtet. Dort sollen mobile Wohncontainer für rund 60 Menschen errichtet werden.

Kaufering – Die bisher in der vom Landkreis in der Schlesierstraße untergebrachten Asylbewerber werden im nächsten Jahr in Wohncontainer umziehen müssen. Der Marktgemeinderat sprach sich unlängst mit 16:4 für den Standort in der Jahnstraße aus. Dort steht ein ausreichend großes Grundstück zur Verfügung. Der Punkt sollte zunächst „nichtöffentlich“ behandelt werden, wurde aber dann auf Antrag in den öffentlichen Teil verlegt. Inzwischen regt sich Widerstand in der Nachbarschaft (siehe unten).

Es geht bei der Entscheidung nicht um die Aufnahme zusätzlicher Asylbewerber. Wie der KREISBOTE berichtet hatte, sind derzeit zwei Häuser des Landkreises in der Schlesierstraße mit Asylbewerbern belegt. Diese Häuser müssen aus bautechnischen Gründen abgerissen werden – Anfang 2016. Im Marktgemeinderat war in der Vergangenheit mehrfach über neue Standorte diskutiert worden. Neben der hinter dem Rathaus und dem Kinderspielplatz gelegenen Fläche standen noch die Kuglerwiesen, das Areal der Sportanlagen am Franz-Senn-Weg/Grünanlagen Jahnstraße und das Areal „Am Schechen“ in der Diskussion.

Das Landratsamt hat diese Standorte auf Praktikabilität und Machbarkeit geprüft und sich für die Jahnstraße entschieden, weil er am besten geeignet sei, heißt es in der Vorlage für den Marktgemeinderat. Es sei eine ausreichende Freifläche und genügend Abstand zur Nachbarbebauung vorhanden. Ebenso würden durch die geplanten Anlagen keine Eingriffe in die bestehende Infrastruktur vorgenommen, beispielsweise Spielplätze oder Parkplätze.

Mehrgenerationenhaus

Im Gemeinderat war in der Vergangenheit auch diskutiert worden, auf dem Areal ein Mehrgenerationenhaus zu errichten. Eine Entscheidung, ob diese Idee weiterverfolgt werden soll, war allerdings noch nicht gefallen und ist zunächst einmal hinfällig.

Der Landkreis wird von der Marktgemeinde eine Teilfläche von rund 2000 Quadratmetern für die Dauer von fünf Jahren anmieten. Nach Errichtung der Container vermietet der Landkreis diese weiter an den Freistaat Bayern. Inzwischen hat Bürgermeister Erich Püttner die Anwohner über den Sachverhalt informiert.

Der Rathauschef hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass seit vier Jahren Asylbewerber in Kaufering lebten. Große Probleme habe es bisher nicht gegeben. „Das sind tolle Menschen, hoch gebildet und mit einem großen Willen zur Integration“. Streit habe es bisher höchstens mal untereinander gegeben.

Positiv habe sich auch die Unterstützung durch die örtliche Volkshochschule ausgewirkt. Kaufering gelte sogar als ein Modellprojekt im ganzen Landkreis. Vorbildlich betreut würden die Asylbewerber durch überdurchschnittlich viele ehrenamtlichen Helfer unter Leitung von Elke Puskeppeleit, die für die Asylsozialberatung auch hauptamtlich in Kaufering tätig ist. 

Positive Grundhaltung

Der Bürgermeister glaubt nicht, dass die Stimmung in Kaufering kippt, wenn es um die Aufnahme von Asylbewerbern geht. „Unsere Mitbürger haben weiterhin eine positive Grundhaltung gegenüber den Flüchtlingen“, so Püttner im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Das hänge sicherlich auch damit zusammen, dass Kaufering in der Nachkriegszeit eine „echte Flüchtlingsgemeinde“ war, das hätten viele nicht vergessen. „Daher gäbe es auch viel Verständnis für die Situation der Menschen, die heute zu uns kommen“, betonte Erich Püttner.

Derzeit leben rund 140 Flüchtlinge und Asylbewerber in Kaufering.

Anwohnerprotest

Gegen die Entscheidung für den Standort Jahnstraße protestierten die Anwohner inzwischen mit einer Unterschriftenaktion. Eine große Delegation überreichte Bürgermeister Erich Püttner am Montag im Rathaus die Listen mit rund 94 Unterschreifen. Der bereits beschlossene Standort soll nun im Marktgemeinderat nach der Sommerpause erneut diskutiert werden. CSU-Gemeinderat Manfred Nieß will noch einen entsprechenden Antrag stellen.

Siegfried Spörer

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