Atomkraft-Aus – was nun?

Das sonderpädagogische Förderzentrum im Landsberger Osten lässt der Landkreis derzeit energetisch sanieren. Foto: Peters

Nun soll es also wirklich vorbei sein mit der Atomkraft in Deutschland. Bis 2022 will die Bundesregierung alle Kernkraftwerke hierzulande endgültig abschalten. Die acht während des Moratoriums stillgelegten Reaktoren sollen erst gar nicht mehr hochgefahren werden. Die Energiewende ist da, doch wie sieht sie in der Praxis aus? Mit dieser schwierigen Frage beschäftigt man sich zurzeit auch im Landkreis Landsberg. Im Raum steht die Erstellung eines Klimaschutzkonzepts.

Den ersten Anstoß dazu gab die ödp bereits Mitte März, als die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima die Welt erschütterte. Kreisrat Robert Sedlmayr stellte damals im Kreisausschuss den Antrag, ein Klimaschutzkonzept zu erstellen und eine sogenannte Energieagentur, die die erarbeiteteten Ziele umsetzt, einzurichten. Dabei erinnerte er an einen Beschluss aus dem Jahr 2006, in dem sich der Kreistag das Ziel gesetzt hatte, den gesamten Energieverbrauch im Landkreis bis zum Jahr 2035 durch erneuerbare Energien zu decken. Mehr Eile geboten Laut Sedlmayr hat der Landkreis seitdem einiges dafür getan, etwa indem er Flächen für Photovoltaikanlagen schuf oder versuchte, den Energieverbrauch der eigenen Gebäude zu reduzieren. Dass nun schon 2022 Schluss mit der Atomkraft sein soll, mahne jedoch zu mehr Eile, so Sedlmayr. „Wir brauchen kurzfristig geeignete Konzepte.“ Ein Klimaschutzkonzept soll daher als erstes die nötigen Daten erfassen. Sobald bekannt sei, wie viel Energie im Landkreis an welcher Stelle verbraucht werde, könne man gezielt Maßnahmen entwickeln, um den Verbrauch zu senken, erklärt Sedlmayr. Zudem liefere ein derartiges Konzept wichtige Informationen zur zukünftigen Nutzung regenerativer Energien. Der Kreisrat ist überzeugt: „Die im Landkreis zur Verfügung stehenden Ressourcen Wasser, Wind und Sonne sind in der Lage, unseren Energiebedarf mehr als notwendig zu decken.“ Sedlmayrs Idee ist natürlich nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr ließ der Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau ein umfassendes Klimaschutzkonzept erstellen. Im Landsberger Landratsamt laufen nach dem Vorstoß des ödp-Politikers die ersten Gespräche in den einzelnen Fachabteilungen. „Bislang gibt es hausintern Vorarbeiten, die sich hauptsächlich mit der Förderfähigkeit eines Klimaschutzkonzepts befassen“, sagt Pressesprecher Wolfgang Müller. Anfang Juni habe es zudem bereits eine Sitzung mit Landrat Walter Eichner (CSU) und den Fraktionsführern gegeben, die ein insgesamt positives Stimmungsbild ergeben habe. Mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Am 5. Juli will sich der Kreis- und Umweltausschuss erstmals intensiv mit der Thematik beschäftigen, ehe sie drei Wochen später auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung steht. Kritik der SPD In der SPD werden indes bereits kritische Stimmen an Sedlmayrs Vorschlag laut. So sehe man die Erstellung eines Klimaschutzkonzepts erst als zweiten Schritt, schreibt Kreisvor­- sitzender Dr. Albert Thurner in einem eigenen Antrag an Landrat Walter Eichner. Zuerst müsse man die Mittel dort einsetzen, „wo effektiv und nach­- haltig die größten Fortschritte hinsichtlich Energieeinsparung und Energieeffizienz zu erreichen sind“. Dies sieht Thurner vor allem bei der energetischen Sanierung der landkreiseigenen Gebäude gegeben. Erst wenn ein dementsprechendes Sanierungsprogramm angelaufen und umgesetzt sei, könne der Blick auf weitere Bereiche gelenkt werden. Eine Energieagentur, wie sie ödp-Kreisrat Robert Sedlmayr fordert, hält die SPD für über­- flüssig: Deren Aufgaben könnten schließlich auch von der kommunalen Verwaltung und den Energieberatungsstellen im Landkreis wahrgenommen werden.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Kaltenbergs "letzter Ritter"
Kaltenbergs "letzter Ritter"

Kommentare