Beschlossene Sache

Auch die zweite Dießener Weide muss weichen

Weiden in Dießener Seeanlagen
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Die Weide rechts wurde bereits wegen Pilzbefall gefällt. Und auch die zweite muss weg..
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Jetzt ist es beschlossen: Die ortsbildprägende Weide an der Einmündung des Mühlbachs in den Ammersee wird jetzt im Zuge der Seeanlagen-Sanierung trotz massiver Proteste gefällt. Das beschloss der Marktgemeinderat in einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung mit 15:5 Stimmen. Für das „Ja“ zur umgehenden Fällung hatten sich in der lebhaften Diskussion mehrere Gründe herauskristallisiert.

Wie Architektin Valerie Spalding vom Ingenieurbüro Engelsmann-Peters ausführte, habe sich trotz vertraglicher Vorgabe für den Erhalt der Weide während den Arbeiten seitens der ausführenden Baufirma ein Verkehrsproblem ergeben. Das schwere Gerät zum Einsetzen der Spundwände komme nicht am Baum vorbei und für die inneren Spundwände und Tiefbauarbeiten müssten Teile der weit auslaufenden Wurzeln gekappt werden. Auch der Rückschnitt eines Drittels der Krone sei unvermeidbar, damit die Rammen vorbeikommen.

Dies würde die Weide nicht überleben, wie Rainer Fuß von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes bestätigte. Von ihm hatte sich Bürgermeisterin Sandra Perzul Rückendeckung geholt, als es um die wohl unvermeidliche Fällung ging. Auch eine aufwendige vorübergehende Verpflanzung des Baumes und Rückkehr nach den Uferarbeiten sei keinesfalls eine Garantie, dass sich der Baum dann erhole. Dafür sei er mit seinen ca. 50 Jahren schlicht zu alt.

Die Weide habe zudem einen „Trockenschaden“, ergänzte Gemeinderat Franz Sanktjohanser (Dießener Bürger). Durch die trockenen Sommer der letzten Jahre habe der bis zum Stamm asphaltierte Baum zu wenig Wasser bekommen. Sichtbares Zeichen seien die verfärbten Blätter.

Entscheidend für die Genehmigung der Fällung waren der Zeitdruck und die Kosten. Bau­stopp und Neuplanung mit zwingend notwendiger wasserrechtlicher Genehmigung würde Monate wenn nicht Jahre dauern. Außerdem sei mit Kosten in sechsstelliger Höhe und dem erneuten Ausfall des Töpfermarktes zu rechnen.

In den Beschluss wurde auf Drängen von Gemeinderat Florian Zarbo der Auftrag an die Verwaltung aufgenommen, Planer und Baufirma für Kostenübernahme einer bereits hohen Jungweide als Ersatz zu verpflichten. Einen Zwillingsbaum würde die Gemeinde auf der anderen Seite des Mühlbachs pflanzen: Im vergangenen Sommer musste die gegenüberstehende Weide gefällt werden. Sachverständige und Naturschutzbehörde hatten Schäden und Pilzbefall sowie die Gefahr von Astbruch diagnostiziert.

Gegen die Fällung der Weide stimmten Michael Hofmann (BP), Michael Lutzeier (die PARTEI) und die Grünen Gabriele Übler, Dr. Holger Kramer und Miriam Anton. Ein Trost: Da Weiden sehr schnell wachsen, werden schon in ein paar Jahren neue „Wächter am Mühlbach“ stehen. So nannte die Dießener Kunstmalerin Annunciata Foresti die Weiden, die sie zigmal in Bildern verewigt hat.

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