"Auch diese Stadt hat Nazis satt" – Friedliche Aktionen gegen Rechtsextremismus

So bunt wie am vergangenen Samstag ist die Stadt Landsberg vielleicht noch nie gewesen. Am Hauptplatz und am Rossmarkt waren rund 2000 Lechstädter versammelt – Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren waren auf den Beinen und sagten damit deutlich Nein zum Rechtsextremismus. Viele wechselten dabei zwischen den Veranstaltungen auf dem Hauptplatz und dem Rossmarkt. Die von der NPD für Samstag beantragte Demonstration war noch am Freitagnachmittag vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof genehmigt worden. Ein Großaufgebot von Polizeibeamten sorgte für Sicherheit in der Innenstadt. Laut Mitteilung der Polizei gab es keine ernstlichen Zwischenfälle. Auch der Rettungsdienst kam glücklicherweise nicht zum Einsatz

. Breit aufgestellt war die vom kürzlich gegründeten Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus initiierte Demonstration unter dem Motto „Landsberg wehrt sich“: Mitglieder verschiedener Stadtratsfraktionen gingen vorn weg. Mit dabei unter anderem die evangelische und katholische Pfarrjugend, die Jusos und der Kreisjugendring. Auf den Plakaten der Demonstrierenden war zu lesen „Auch diese Stadt hat Nazis satt“, „Wir lassen euch hier nicht Fuß fassen“, „Wir sind Landsberger! Was seid ihr?“ und „Für Religionsfreiheit“. Der große Zug mit etwa 1000 Leuten traf gegen 13 Uhr auf dem Hauptplatz ein. „Wir verstecken uns nicht“, so das Credo bei der anschließenden Kundgebung. Der erste Redner Ludwig Hartmann, Grünen Stadtrat und Landtagsabge- ordneter, zeigte sich stolz auf Landsberg angesichts so der zahlreich Engagierten. „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, stellte Hartmann klar. Dr. Friedrich Schreiber, Sprecher des Vereins „Gedenken in Kaufering“, äußerte sein Unverständnis über die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, die Rechten-Kundgebung zu erlauben. Dass dies hier, an einem Ort mit von Blut getränkter Erde so etwa passieren könne, prangerte er an und erinnerte an die elf Außenlager des KZ Dachau um Landsberg und Kaufering. Mit dem 84-jährigen Martin Löwenberg sprach auch ein Zeitzeuge des Nationalsozialismus. Verharmlosen und wegschauen seien keine Rezepte gegen Nazis, so Löwenberg. Er freue sich daher, zu sehen, dass sich Landsberg wehrt. „Überlasst eure Stadt nicht den Nazis!“, forderte Löwenberg die Anwesenden auf. Er selbst wolle den Rechten auch die Rote Karte zeigen. Das nahm ein Demonstrant zum Anlass, rotes Buntpapier zu kaufen. Dieses machte in der Menge sogleich die Runde. Zudem wurden grüne Trillerpfeifen verteilt. Der Protest gegen die etwa 80 NPD-Demonstranten, die später auf der anderen Seite des Hauptplatzes standen, war deswegen nicht nur zu sehen, sondern auch lautstark zu hören. Stadtfest gegen Braun Beim Stadtfest „Bunt gegen Braun“, das zur gleichen Zeit auf der Bühne am Rossmarkt stattfand, begrüßten Landrat Walter Eichner (CSU) und Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) vor allem Familien mit Kindern. Unterstützung gab es von den Moderatoren des Radiosenders Top FM, die bis kurz nach fünf Uhr mit Musikgruppen und Vereinen aus Landsberg Stimmung machten. Mit dabei unter anderem Licca Percussiva, Die Vorzeigekinder, Die Letzten, Jazz we can und auch die erfolgreichen Einradfahrer des TSV Landsberg. OB Lehmann dankte „jedem, der heute seinen Beitrag leistet“ und versicherte , „jeder, der friedlich ist, ist willkommen.“ Auch betonte Lehmann die Haltung der Stadt zur Demonstration der Rechtsextremen: „Wir waren dagegen, dass die NPD demonstriert.“ Beim Fest ebenfalls anwesend die Stadtpfarrer der katholischen und evangelischen Kirche Landsbergs: Dekan Thomas Rauch sprach sich für die Verpflichtung eines Jeden aus, sich einzusetzen gegen rechte und linke Gewalt. Pfarrer Detlev Möller erklärte „Landsberg stellt sich seiner Geschichte – weder die Vergangenheit, Gegenwart noch die Zukunft werden sich die Landsberger klauen lassen.“ „Im Schulterschluss mit dem Oberbürgermeister sei er heute hier“, waren die Worte von Landrat Eichner. „Wir brauchen die Rechten hier nicht“, machte der Landkreischef klar und rief dazu auf, friedlich, aber mit aller Deutlichkeit, gegen den Rechtsextremismus zu demonstrieren. Im Einvernehmen mit der Stadt hatte das Landratsamt den Antrag für die NPD-Demonstration abgelehnt. Ihren Unmut zur letztlich vom Verwaltungsrichtshof in München doch erlaubten Kundgebung hatte auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, geäußert. Entsetzt sei sie darüber, dass die NPD in Landsberg aufmarschieren darf, hatte Knobloch noch am Freitag in einer Pressemitteilung erklärt und dazu aufgefordert, „den Rechtsextremisten die Stirn zu bieten.“

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