Adebar mag‘s bequem

Auch im Landkreis Landsberg gibt es immer mehr Störche

Storchenpaar
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Ein Storchenpaar in der Saison-Ehe.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – Dass der Storch als Lieferdienst für Babys herhalten muss, liegt wohl mit an seiner ‚triebhaften‘ Art: Er paart sich mehrmals pro Stunde. Bis zu fünf Eier landen im Nest. Von den Jungtieren überlebt aber hierzulande im Durchschnitt weniger als eines. Dennoch: Die Zeiten, in denen der Storch auf der Roten Liste der bedrohten Tier-Arten stand, sind zum Glück vorbei:

Zu seinem Glück braucht der Storch Weiher, Wiesen und extensiv, aber auch intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen, „Dauergründland im Umkreis von mindestens 2,5 Kilometer“, sagt Wolfgang Bechtel, ‚Storchenpapst‘ der LBV-Gruppe Weilheim-Schongau und Garmisch. Extensiv bewirtschaftete Flächen sind wichtig. Denn je öfter gemäht wird, desto weniger Insekten gibt es. Intensive Bewirtschaftung ist aber auch wichtig, weil Herr Adebar zu hohes Gras nicht mag: „Reichen ihm die Halme bis zum Bauch, geht er nicht mehr auf die Wiese“, weiß Bechtel. Weil er dann Mäuse und Würmer nicht mehr erwischt. Und Nahrung braucht eine Storchenfamilie reichlich: bis zu 4,5 Kilo pro Tag.

Da muss einiges an Futter zusammenkommen, damit die aktuell in Raisting brütenden 17 Storchenpaare satt werden. „Fünf weitere Paare sind zusätzlich am Suchen“, sagt Bechtel. Das Nest auf dem alten Pfarrhaus sei aber leider wieder einmal abgestürzt.

Will man ein Nest im eigenen Garten anlegen, sollte das schon ein Mast mit feuerverzinktem Korb sein. Günstiger ist eine provisorische Nisthilfe, sagt Bechtel: eine Art Hocker, der auf dem First platziert wird. „Aber Störche sind nicht mehr bedroht“, gibt der Fachmann zu bedenken. Insofern solle man sich überlegen, inwiefern man hier noch eingreifen wolle. „Gibt es im Garten einen geeigneten Baum, dann fangen die schon von selbst mit dem Nestbau an.“

Den Winter hätten die hiesigen Störche gut überstanden, sagt der Weißstorchbeauftragte. Auch die, die nicht in den Süden gezogen sind, seien beim Kälteeinbruch im Februar alle noch kurzfristig weggeflogen. Der Wintereinbruch letzte Woche war erst recht kein Problem für die erwachsenen Tiere. Ihr Gefieder schützt auch vor Minusgraden. Gefährlich ist Kälte nur für die Jungen: „Wenn im Juni eine nasse und kühle Periode kommt, werden die Kleinen oft krank und sterben“, berichtet Bechtel. Wenn es zu trocken ist, kann Nahrung für die Jungtiere fehlen. Auch daran solle man denken, wenn man ein ‚eigenes Nest‘ einrichte. Das sei noch frustrierender, als wenn das Nest erst gar nicht angenommen werde. Es gibt aber auch Glücksgelege: „In Weilheim hat ein Storchenpaar schon fünf Junge großgezogen – ohne Verluste.“

Je mehr Störche hierbleiben, desto weniger ziehen in den Süden, weiß Bechtel. Denn wer zuerst im Nest sitzt, hat gewonnen. Und wer aus Spanien oder gar Afrika kommt, muss mit der zweiten Wahl Vorlieb nehmen. Bei den Nachkommen der ‚Nesthocker‘ im winterlichen Bayern sei der Zugtrieb aber noch da. Die verirrten sich allerdings gerne mal bei ihrem ersten Flug gen Süden – und landen dann statt in Spanien in Mecklenburg-Vorpommern.

Neben der Storchenschwemme in Raisting nisten im Landkreis nur wenige Tiere: in Apfeldorf ein Paar, in Landsberg sind die ‚Knast-Störche‘ am Brüten. In Dießen hat Bechtel schon zwei Nester mit jeweils einem Paar gesichtet, bei dem Horst in Franz Sanktjohansers Garten (siehe Seite 1) aber bisher immer nur ein Tier. Manchmal lege sich ein Storch aber auch nur zum Testen ins Nest: prüfen, ob es den Ansprüchen an die eigene Bude genügt.

Gerhard Däubler von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Landsberg weiß noch von einem Storchenpaar, das gerade in Schöffelding versucht, ein Nest auf einem Strommasten zu bauen. Wenn sich das bestätige, werde man versuchen, das Nest dort zu stabilisieren. Auch sonst sind Strommasten und vor allem die Freileitungen nicht ideal für Störche: Laut LBV sterben mehr als die Hälfte aller Störche an einem Stromschlag. Neben solchen Nebenwirkungen der Zivilisation, mit denen der Storch nicht zurechtkommt – auch wenn er ein Kulturfolger ist –, sei auch das Klima für den Storch in Oberbayern nicht wirklich ideal, sagt Däubler: „Das ist eigentlich zu nah an den Alpen.“

Aber warum nisten sich in Raisting die Störche so massiv ein? „Störche ziehen Störche an“, ist Däubler überzeugt. Immerhin sei das eine Art Gütesiegel: „Da ist‘s gut.“ Nicht umsonst gebe es um Raisting herum viel Nahrung für die Tiere. Bechtel verwundert diese Ansammlung aber auch: „Eigentlich jagen Störche andere Störche in ihrer Umgebung weg.“ Die Tiere in Raisting hielten offensichtlich Nähe „irgendwie besser aus“.

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