Auch Pfarrer müssen draußen bleiben

Keiner kommt raus und – geht es nach Leiterin Monika Groß – auch am besten keiner rein: die Justizvollzugsanstalt Landsberg. Foto: Peters

Sie sind aus der Gefängnisarbeit nicht mehr wegzudenken: Ehrenamtliche betreuen Gefangene, fördern ihre Bildung und beruflichen Fähigkeiten und er­- leichtern ihnen den Übergang in die Freiheit. Rund 1400 Bürger sind im bayerischen Justizvollzug ehrenamtlich engagiert, in der JVA Landsberg üben rund 70 Freiwillige eine derartige Tätigkeit aus. Doch nicht immer läuft die Zusammenarbeit mit der Gefängnisleitung reibungslos. So sorgte jüngst ein Vorfall in der Landsberger Justizvollzuganstalt für gehörige Irritationen bei den Ehrenamtlichen.

Seit Jahren war es Usus für die freiwilligen Helfer, am Weihnachtsgottesdienst der Gefangenen im Gefängnis teilzunehmen. Umso erstaun­ter sei man daher gewesen, als Monika Groß, Leiterin der JVA Landsberg, auf der jüngsten Weihnachtsfeier der Ehrenamtlichen erklärt habe, dass dies „ab sofort“ nicht mehr gestattet sei, erzählt Wolfgang Niedermayer. Der Landsberger zählt seit einigen Jahren zu den freiwilligen Helfern, die regelmäßig die JVA besuchen, um mit den Insassen über ihre Probleme und Anliegen zu reden. Für Niedermayer ist es nicht der erste Umgang mit Gefangenen. Schon bevor der 69-Jährige 2006 nach Landsberg zog, unterhielt er mit Insassen verschiedener Gefängnisse Briefkontakt. Die „Resozialisierung von Straftätern“ liegt Niedermayer am Herzen, und gerade deshalb wurmt ihn die Entscheidung Groß’, die Ehrenamtlichen vom Weihnachtsgottesdienst auszuschließen, be­sonders. Es erscheine naheliegend, dass die Gefangenen sich durch Maßnahmen wie diese, „einmal mehr ausgegrenzt und verächtlich behandelt fühlen“, macht Niedermayer seinem Ärger in einem offenen Brief an die Gefängnisleitung Luft. Mit seiner Meinung stehe er dabei nicht allein, betont er. Die Empörung sei „quer durch die Reihen der Ehrenamtlichen gegangen“, auch wenn viele dies nicht offen zur Schau stellen würden – aus Angst vor Konsequenzen. Die Aktion zeige wieder einmal, die geringe Wertschätzung, die Monika Groß den Ehrenamtlichen und ihrer Arbeit entgegenbringe, schreibt Niedermayer weiter. Keine Ausnahmen Die Entscheidung der JVA-Leiterin traf freilich nicht nur die Ehrenamtlichen. Auch Traugott Simon, bis vor drei Jahren evangelischer Seelsorger im Landsberger Gefängnis, wurde die Teilnahme am Gottesdienst verweigert. „Ich hatte über meinen Nachfolger Uwe Hofmann eine Anfrage an die Leitung gestellt, die negativ beschieden wurde“, erklärt der pensionierte Pfarrer. „Es ist natürlich das Recht von Frau Groß, aber für mich war das schon bitter.“ Groß hingegen kann die Aufregung nicht verstehen. „Es ist eine Weihnachtsfeier für Inhaftierte. Dabei haben Externe nichts zu suchen.“ Schon nach dem Gottesdienst im vergangenen Jahr habe sie dem evangelischen und katholischen Pfarrern angekündigt, die bisherige Regelung, die noch unter ihrem Vorgänger Heinz Döschl eingeführt worden war, zu ändern. „Ich wollte das auf vernünftige Füße stellen.“ Dabei führt die JVA-Leiterin vor allem Sicherheitsbedenken und den Datenschutz als Grundlage für ihre Entscheidung an. So müsste man alle Personen, die am Gottesdienst teilnehmen, überprüfen, was mehr Personal erfordere. Zudem habe jeder Gefangene das Recht, dass niemand von seinem Gefängnisaufenthalt erfahre. Das sei bei der Anwesenheit von Externen nur schwer sicherzustellen, erklärt Groß. Dass mit dem ehemaligen Justizpfarrer Simon, der immerhin 20 Jahre als Seelsorger in der JVA tätig war, auch einem langjährigen Mitarbeiter der Zutritt verweigert wurde, nimmt Groß in Kauf. „Es gibt keine Ausnahmen, denn sonst weiß man nicht, wo man die Grenze zeihen soll.“ Überhaupt habe sich bislang keiner der Insassen über ihre Entscheidung beschwert. "Besondere Note" Alois Handwerker, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes Landsberg, findet das Vorgehen von Monika Groß den­- noch „schade“. Die Teilnahme von Ehrenamtlichen am Gottesdienst zeige den Gefangenen schließlich, „das sich Leute von außerhalb für ihren Kreis interessieren“. Handwerker zählt bereits seit zwölf Jahren zu den regelmäßigen Besuchern der JVA. Gleichwohl habe er für die Sicherheitsbedenken der Leiterin ansich Verständnis, auch wenn sie manchem Ehrenamtlichen als Gängelung vorkommen mögen. Dass die Sicherheitsmaßnahmen seit dem Amtsantritt von Groß in 2006 deutlich verstärkt worden sind, darin sind sich Niedermayer, Handwerker und Simon einig. „Sie hat da eine besondere Note reingebracht“, meint der ehemalige JVA-Geistliche. Und das führt gar so weit, dass Gefangene die von einem Anstaltsgeistlichen überreichten „Barbarazweige“ auf Geheiß der JVA-Leiterin wieder abgenommen werden müssen – die Zweige könne man ja auch als Waffe nutzen. Ob höhere Mauer oder mehr elektronische Überwachungseinrichtungen: Für Groß sind die millionenschweren Investitionen eine logische Folge der veränderten Aufgabe der JVA Landsberg. „Es sind immer mehr Insassen, die zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt sind. Das erfordert ein ganz anderes Maß an Sicherheit.“ Sie gehe dabei streng nach dem Gesetz vor, betont die Leiterin. Dass sich dadurch nun der ein oder andere beleidigt fühle, könne sie nicht ändern. „Rein rechtlich ist sie damit natürlich auf der sicheren Seite“, sagt Handwerker. Er gibt aber zu bedenken: „Eine Garantie für hundertprozentige Sicherheit wird es auch dadurch nicht geben.“ Dass die Ehrenamtlichen durchaus eine wichtige Arbeit in der Landsberger Haftanstalt leisten, will Monika Groß nicht bestreiten. „Sie bringen einen anderen Blickwinkel in die Sache und bieten Freizeitangebote, die wir selber gar nicht mehr leisten können“, lobt sie das Engagement. „Aber wir dürfen eines nicht vergessen: Es ist und bleibt ein Gefängnis.“

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