Auch bei rauer See an Bord

Kämpft und buhlt nicht um Stimmen, sondern macht den Lechstädtern ein Angebot für die nächsten zwei Jahre: Oberbürgermeister Ingo Lehmann. Foto: Kruse

Krise? Welche Krise? Zumindest auf Parteiebene hat Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) am Sonntag einen perfekten Be­- freiungsschlag hingelegt: Unter anhaltendem Beifall von 30 Parteimitgliedern und rund 70 Gästen wurde der Amtsinhaber nach einer schillernden Choreographie im Foyer des Stadttheaters zum SPD-Kandidaten für die OB-Wahl am 11. März gewählt. 30 Wahlberechtigte, 30 Stimmen für Lehmann: Ein demonstratives Vertrauensbekenntnis für das zuletzt in die Schusslinie geratene Stadtoberhaupt.

Dass es zurzeit nur ein Thema in Landsberg gibt, war offenbar klar: Mit dem Verlust von über zwei Millionen Euro durch spekulative Zinsderivatgeschäfte der Stadt gingen alle Redner des Abends offensiv um. Allen voran Ingo Lehmann selbst: „Ich finde den Zeitpunkt für die Wahl richtig und gar nicht ungünstig. Da kann sich der Landsberger Wähler Gedanken machen, ob er meine Gesamtleistung würdigt oder ob er unter dem Pulverdampf des aktuellen Ereignisses anders ent­- scheidet.“ Lehmann verteidigte das Engagement auch: „Das ist völlig in Ordnung, wenn eine Kommune solche Instrumente wie Derivate zur Regulierung der Zinsbelastung ein­setzt, – solange dabei die Spielregeln nicht verletzt werden. Die wurden leider in diesem Fall verletzt.“ Für die SPD-Stadtratsfraktion brach Dieter Völkel ebenfalls eine Lanze für das amtierende Stadtoberhaupt: „Mir kommt in der ganzen Diskussion etwas zu kurz: Es war Ingo, der das Gutachten zu den Derivatgeschäften angefordert hat. Und es war Ingo, der das Ergebnis dann sofort öffentlich gemacht hat. Er hat vollständige Aufklärung versprochen und wer ihn kennt, weiß, dass wir uns darauf verlassen können.“ SPD-Ortsvorsitzender Steven Kalus gab sich kämpferisch: „Die Finanzaffäre wirft leider einen Schatten auf die Kandidatur. Aber wenn so ein Fehler unter der noch bis 2013 dominierenden Staatspartei passiert wäre, würde jetzt verschleiert, verschoben, verdeckt und verdunkelt werden. Wenn es nicht mehr anders ginge, würde man versuchen, im stillen Kämmerlein eine Aufklärung in seine eigene Richtung zu lenken. Das von Ingo gezeigte Vorgehen mit dem Abgeben der Verantwortung an eine unabhängige Stelle ist der einzig ehr­- liche Weg.“ Lehmanns weitere Pläne gerieten angesichts der aktuellen Situation fast in den Hintergrund – obwohl diese weitgehend sind: „Es geht darum, die Stadt Landsberg, vor allem die Stadtwerke, zu einem effektiven Dienstleistungsbetrieb weiterzuentwickeln“, kündigte der 61-jäh­rige Amtsinhaber unter anderem an. „Auch beim Umbau des Hauptplatzes will ich meine Kompetenz weiter einbringen.“ In der dazu bereits gegründeten Arbeitsgruppe treffe er „weiterhin die letzte Entscheidung. Ich denke, das kann ich auch. Inklusive meiner Stadtratstätigkeit stecke ich jetzt seit fast 20 Jahren in dem Thema drin.“ Mehrfach ging Lehmann auf das Thema Wohnungsbau ein: „Es wird mit mir keine weiteren Flächen am Stadtrand für Eigenheime geben. Dem Siedlungsdruck aus München müssen wir allerdings gerecht werden, weil sonst, wie schon einmal in den 90er-Jahren, in Landsberg die Miet- und Immobilienpreise stark steigen werden. Das können wir nur verhindern, indem wir kompakt und zentrumsnah sozialen Wohnraum anbieten. Wir stellen gerade in den Oberen Wiesen 30 Einheiten für den sozialen Wohnungsbau fertig, aber wir werden danach sofort an anderer Stelle mit den nächsten anfangen können.“ Einen Wahlkampf wolle er nicht führen, hatte Lehmann noch am Dienstag vergangener Woche gesagt. „Ich kämpfe oder buhle nicht um Stimmen, ich mache ein Angebot. Wenn es angenommen wird, werde ich mit ganzer Liebe und Leidenschaft meine Arbeit weitermachen.“ Wenn nicht: „Salopp gesagt, am 1. Mai beginnt die Tennis-Saison. Ich gehe mit ziemlicher Ruhe in diese Wahl.“ Am Sonntag aber stellte Ingo Lehmann nach der glatten Nominierung seine Kampfgeist in den Vordergrund: „Wenn meine Frau das nicht mitmachen würde, würde ich mir das nicht noch einmal antun. Ich habe viel Zuspruch in den letzten Tagen erhalten, aber das war der wichtigste.“ Und, in Hinsicht auf die Finanzkrise: „Das Schiff Landsberg ist auf einem guten Weg, wenn auch gerade in rauer See. Aber in dieser Situation geht der Kapitän nicht von Bord.“

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