Bodenqualität ist entscheidend

Auenwald Scheuring: Regenwürmer für den Klimaschutz

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Im Scheuringer Wald erklärte der pensionierte Förster Ludwig Pertl anhand einer ausgehobenen Wurzel, worauf es bei einer guten Bodenqualität ankommt.

Scheuring – Wenn es um Maßnahmen gegen den Klimawandel geht, dann ist oft von Elektroautos, erneuerbare Energien oder höheren Kosten für Flüge die Rede. Aber keiner spricht über den Boden. Besser gesagt, den Waldboden. Dabei kann man durch die Verbesserung der Bodenqualität einiges für den Klimaschutz tun. Davon ist der pensionierte Förster Ludwig Pertl überzeugt. Bei einem Waldbegang mit Vertretern der Jägerschaft und Landwirten in Scheuring, hat er erklärt, warum der Boden so wichtig ist.

Ein leistungsfähiger Boden könne den Klimawandel und die damit verbundenen Witterungsextreme abpuffern, wie Pertl erklärt. Doch was macht einen guten Boden aus? Und wie bekommt man den?

Dafür geht es mitten hinein in den Wald. Umgeben von jeder Menge Fichten. Und da fängt das Problem schon an. Pertl erklärt, dass es mehr Laubbäume brauche. Die Fichten haben nicht nur flache Wurzeln, sondern auch zu wenig Feinwurzeln. Das Krux bei der Sache: Sie können nicht genug Wasser speichern. Wenn sie weniger Wasser aufnehmen, können sie folglich auch weniger Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben. Dadurch gibt es wiederum weniger Niederschlag. Die „falsche“ Baumart zieht also einen ganzen Rattenschwanz an Problemen mit sich. Pertl sieht die Lösung in einem Mischwald mit hohem Laubbaum-Anteil. Als Beispiel nennt der ehemalige Förster den Ahorn. Der habe deutlich tiefergehende Wurzeln und gleichzeitig auch mehr Feinwurzeln.

Zudem würden Nadelbäume im Winter den Schnee in ihren Kronen abfangen. Bei Laubbäumen fällt er hingegen auf den Boden und kann so das Grundwasser aufstocken. Und dann ist da noch die Sache mit den Regenwürmern. Der ganze Waldboden ist mit getrockneten Nadeln übersät. Regenwürmer, die eigentlich für das Auffressen der toten Pflanzenteile zuständig sind, mögen allerdings keine Fichtennadeln. Es bleibt also alles liegen. Der Oberboden würde dadurch versauern, werde funktionsunfähig und es entstehe Fäule, wie Pertl erläutert. „Wir brauchen Baumarten, die der Regenwurm liebt.“ Für eine gute Bodenqualität sei eine große Population der Tiere wichtig. Zum Beispiel verbessere sich durch ihre unterirdischen Tunnel Wasseraufnahme und -speicherung des Bodens sowie die Drainage.

Was ebenfalls für eine Veränderung des Baumbestands spricht, sind die durch den Klimawandel erhöhten Temperaturen. „Wir können den Wald nicht mehr so erhalten wie vor 50 Jahren.“ Man müsse eben auch Bäume pflanzen, die dort ursprünglich nicht heimisch sind, aber die höhere Temperaturen besser aushalten. Pertl spricht von „zukunftsfähigen Wäldern“.

Grundlage für Pertls Forderungen sind übrigens die Forschungsergebnisse des EU-weiten Projektes „Links4Soils“. Dabei geht es um einen nachhaltigen Umgang mit dem Boden sowohl in Land- als auch Forstwirtschaft.

Eine Umgestaltung des Waldes erhöht also die Bodenqualität. Davon profitieren dann wiederum die Bäume, die somit auch ihrem Job als „grüne Lunge“ wieder besser nachkommen können. Doch bei dem Waldbegang wird auch deutlich, dass es das allein noch nicht gewesen sein kann. Für ein funktionierendes Ökosystem im Wald spielen die Jäger ebenfalls eine große Rolle.

Scheurings Jagdpächter und Jagdberater des Landkreises Landsberg Andreas Schützeberg weiß, dass die Jagd ein entscheidender Schlüssel ist. „In der Gesellschaft ist der Jäger einfach jemand, der einfach nur auf Trophäen-Jagd ist.“

Oftmals versuchen sich Grundbesitzer mit Zäunen vor Verbiss zu schützen. Doch je größer die Fläche, desto schwieriger sei es. Stattdessen setzte Schützeberg darauf, da „Jagdgesetz intensiv durchzusetzen“. Den Tieren würde ja auch wieder Lebensraum zurückgegeben werden, wenn man auf die Zäune verzichte. Letztlich gehe es darum, einen guten Mittelweg zu finden. „Nicht Wald vor Wild, sondern Wald mit Wild.
Stephanie Novy

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