Ein Plan für Gut Mittelstetten

Ein neues Dorf für Landsberg

Gut Mittelstetten - 2018
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Gut Mittelstetten, zwischen Erpfting und Ellighofen, soll sich zu einem „ländlichen Kleinod“ entwickeln.

Mittelstetten – Es soll wieder Leben einziehen ins Gut Mittel­stetten. In sanierten Gebäuden und Neubauten ist eine Kombination aus Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholung geplant – das ganze auf ökologischer Grundlage und mit viel Grün. Die Verwaltung spricht von einem „lebendigen ländlichen Kleinod im Stadtgebiet“, von „besonderem Charme“ und „eigenständigem Flair“. Der Pandemieausschuss, der derzeit den Stadtrat vertritt, will zwar auf dieser Basis weiterplanen lassen – begeistert war er jedoch nicht.

Die Stadt hatte das 170 Hektar große Gut zwischen Erpfting und Ellighofen im Jahr 2007 erworben, um die landwirtschaftlichen Flächen für Ersatzaufforstungen, als Tauschflächen und zum Ausgleich von Flächenverlusten des Spitalguts zur Verfügung zu haben. Die Hofstelle selbst wurde 2010 weiterverkauft und gehört inzwischen einem Münchener Immobilien­unternehmer.

Für das rund fünf Hektar große Gut mit denkmalgeschütztem Herrenhaus, Dreiseithof und landwirtschaftlichen Gebäuden soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Der Beschluss dazu fiel bereits vor über drei Jahren. Seitdem wurden zwei Konzeptvarianten aufgestellt und wieder verworfen. Die dritte stellten nun Mathias Rothdach, Leiter des Referats Stadtplanung und Umwelt, und Hannes Rössler, der vom Projektentwickler beauftragte Planer, im Pandemieausschuss vor.

So stellt sich Gut Mittelstetten an der Verbingungsstraße Erpfting-Ellighofen (rechts) aktuell aus der Vogelperspektive dar. Die gestrichelte Linie zeigt den Geltungsbereich des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes.

Demnach sollen im Herrenhaus – das bereits saniert wird – Tagungs- und Büroräume sowie ein Veranstaltungssaal untergebracht werden. Geplant sind außerdem etwa 60 neue Wohneinheiten sowie Gewerbe, In den Dreiseithof sollen Werkstätten, ein Wirtshaus mit Biergarten und ein Hofladen einziehen. In einem Bestandsgebäude soll eine Gärtnerei entstehen, ein sanierter Sonderbau soll für Kindernaherholung zur Verfügung stehen.

Geplant sind außerdem Ferienhütten, ein Parkstadel und offene Stellplätze für insgesamt rund 150 Fahrzeuge, eine Mobili­tätsstation, Fahrradstellplätze und eine Pferdehaltung. Durchsetzt und umgeben ist das ganze von viel Grün. Die Planung spricht von Pferdeweiden, Wiesen und Streuobstwiesen, Gartenbau- und Waldflächen, Spielplätzen und einem Dorfanger, einem Heckengarten, Wohngärten und weiteren Grünflächen. Gerade Menschen, die einen ökologischen Lebensstil pflegen, sollen sich hier wohlfühlen. Angestrebt wird CO2-Neutralität für die gesamte Anlage.

Das neue Konzept für das neue Landsberger Dorf „Gut Mittel­stetten“ sieht eine Reihe von Neubauten für unterschiedliche Nutzungen vor.

Der Gestaltungsbeirat der Stadt hatte sich bereits positiv zu der Planung geäußert. Auch der Pandemieausschuss stimmte ihr einhellig zu, aber nicht nur Dritter Bürgermeister Felix Bredschneijder (SPD) zeigte sich enttäuscht. „Begeisterung sieht bei mir anders aus.“ Es entstehe lediglich „eine neue Wohnsiedlung“, wenn sauch „in anderer Qualität“. Christian Hettmer (CSU) äußerte sich ebenfalls „ein bisschen wehmütig“.

Grund für die Enttäuschung unter den Ratsmitgliedern sind die Änderungen gegenüber dem allerersten Planungs­konzept. Es hatte neben 40 Wohneinheiten vielfältige landwirtschaftliche Nutzungen vorgesehen, darunter die Haltung von Pferden, Rindern, Schafen, Geflügel und gefährdeten alten Haustierrassen sowie Bienenzucht und biologischen Gemüseanbau. Es sollte eine Markthalle geben, einen Bauernhof-Kindergarten, ein Übernachtungshaus für Jugendliche sowie ein Hotel mit Sauna. Alte Stadel- und Stallgebäude sollten erhalten bleiben, der Dreiseithof abgerissen werden.

Nun aber kommt es umgekehrt – der Mittelstettener Hof bleibt stehen, die alten landwirtschaftlichen Gebäude verschwinden, da sie offenbar aus wirtschaftlichen und energetischen Gründen nicht sinnvoll zu sanieren sind. Auch hätte es mit dem ursprünglichen Konzept offenbar Probleme mit Lärm­emssionen und einer zu starken räumlichen Verzahnung der verschiedenen Nutzungen gegeben.
Ulrike Osman

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