Podiumsdiskussion der Landräte in Windach

"Auf ein Wort, Herr Landrat": Nachhaltigkeit für den Landkreis Landsberg

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Nur einer kann gewinnen und wird Chef im Landratsamt: Wolfgang Buttner, Thomas Eichinger, Tobias Linke oder Dr. Peter Friedl (von links) bei der Podiumsdiskussion in Windach.

Windach – Drei Themen, vier Kandidaten und fünf Veranstalter sorgten für ein volles Haus im Windacher Gasthof am Schloss. Die Podiumsdiskussion „Auf ein Wort Herr Landrat“ sollte ausloten, wie Wolfgang Buttner (ÖDP), Thomas Eichinger (CSU), Dr. Peter Friedl (Bündnis 90/Die Grünen) und Tobias Linke (BP) zu den Themen Beschaffung, Energie und Mobilität stehen. Eingeladen hatten das Nord-Süd-Forum, Fridays for Future und Parents 4 Future Landsberg, der BDKJ Kreisverband Landsberg sowie mobi-LL.

Zu Beginn bat Moderatorin Antje Novoa die Kandidaten um eine kurze Vorstellungsrunde mit dem Schwerpunkt ihrer eventuellen Landrats-Tätigkeit. Wolfgang Buttner (63), Energieberater aus Landsberg, will bis 2030 unter allen Umständen 50 Prozent CO²-Minderung erreichen und dafür viel Geld investieren. Thomas Eichinger (45), Jurist und amtierender Landrat aus Schondorf, möchte mit dem „Blick auf übermorgen“ seine bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen nachhaltig vorantreiben: Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs, Behebung des Pflegenotstands, Schaffung von Wohnraum für Geringverdiener und eine gute medizinische Versorgung. Dr. Peter Friedl (34), Geowissenschaftler aus Issing, sieht den Kampf gegen den Klimawandel als die wichtigste Herausforderung und fordert die konsequente Umsetzung des bereits bestehenden landkreiseigenen Klimaschutzkonzeptes. Tobias Linke (25), Elektromeister aus Hofstetten, sieht eine Chance der CO²-Einsparung in der Attraktivitätssteigerung des ländlichen Raums mit günstigem Wohnraum und Arbeitsplätzen vor Ort. Damit würden lange Arbeits- und Einkaufsfahren wegfallen.

Expertin Marina Malter von der „Entwicklungsagentur Faire Metropolregion Nürnberg“ erläuterte, was man unter nachhaltiger Beschaffung durch öffentliche Auftraggeber versteht. Nämlich nur noch Produkte und Dienstleistungen zu beschaffen, die von der Herstellung bis zur Entsorgung unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte geringere Folgen für die Umwelt haben als vergleichbare Produkte und Dienstleistungen. Allein die Kommunen hätten mit einem jährlichen Einkaufwert von 350 Milliarden Euro eine große Verantwortung. Ob bei Büromaterial oder bei Strom – nicht das günstigste, sondern das wirtschaftlich nachhaltigste Angebot sollte den Zuschlag bekommen.

Eichinger schränkte ein, dass dies beim momentan komplexen Ausschreibungswesen schwierig sei. Seine Behörde arbeite beim Vergabewesen aber bereits mit Malus- und Bonuspunkten. Friedl hätte als Landrat gerne einen Kreisratsbeschluss, dass die Marktmacht der Kommune künftig entsprechend verantwortungsvoll eingesetzt wird. Den Vorschlag von „Sammelbestellungen“ blockte Linke ab, weil damit kleine Firmen aus dem Rennen seien, die so große Mengen nicht stemmen könnten. Eine im Landratsamt zu schaffende „Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung“ fand allgemeine Zustimmung.

Zum Thema Energie referierte Ramon Arndt vom Vorstand „Green City München“. Er prophezeite, dass Bayern bald große Probleme bei der Strombesorgung bekommen werde. Atom- und Kohlestrom fielen weg und die erneuerbaren Energien kämen nicht richtig in Schwung. Grund: immer noch zu wenig Photovoltaikanlagen und Hürden wie die 10-H-Regelung bei der Windkraft. Linke verwies als leuchtendes Beispiel auf Fuchstal mit seinem FuXstrom, wo man „die Leute einfach mitgenommen hat“. Buttner riet den Bürgern zu Solarthermie und Wärmepumpen, für die es Zuschüsse gebe. Und er forderte eine hauptamtliche landkreisübergreifende Energieagentur. Dazu müsse man Milliarden investieren, denn man gebe ja auch jährlich 560 Milliarden Euro für Energiekosten aus.

Friedl wies darauf hin, dass mit 11,9 Tonnen pro Kopf die jährlichen CO²-Emissionen des Landkreises zwei Tonnen über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen. Die Kommunen hätten Vorbildfunktion und müssten ihre eigenen Liegenschaften entsprechend umrüsten. Landrat Eichinger erwiderte, die im Klimaschutzkonzept geforderte 50-prozentige CO²-Reduktion sei aus seiner Sicht nicht machbar, obwohl man schon sehr viel investiere, zum Beispiel bei der Heizung von Schulen oder der Beleuchtung. Den Bürgern müsse man Anreize durch mehr Förderungen geben, auch vom Landkreis, meinte Friedl. Dafür könne man auf die Millionenkosten für das neue Landrats­amt oder eine Südumgehung verzichten. Unabhängig davon, dass der Landkreis keine Förderungen zum Austausch alter Ölheizungen geben könne, verteidigte der Landrat den geplanten Neubau seiner Behörde. Nur für die Außenstellen zahle man jährlich 800.000 Euro Miete, Tendenz steigend.

Dass eine Änderung des Mobilitätsverhaltens unausweichlich sei, betonte Geschäftsführer Martin Heinz von CarSharing Pfaffenwinkel. Das Problem des Öffentlichen Personennahverkehrs sei ja hinlänglich bekannt und der Verzicht auf ein eigenes Auto bedeute für viele eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Ein CarSharing-Fahrzeug würde zwanzig private PKWs ersetzen.

Landrat Eichinger versprach eine langfristige Besserung des ÖPNV durch den geplanten und beschlossenen Beitritt zum MVV. Parkhäuser und sichere Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder an Bahnhöfen würden auch zum Umstieg auf die Öffentlichen beitragen. Geforderte neue Fahrradwege würden oft am Naturschutz und an den Grundeigentümern scheitern. Friedl plädierte für Sammeltaxis und eine App speziell für die Mitfahrerbänke, die noch nicht wie gewünscht angenommen würden.
Dieter Roettig

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