Auferstehung und Erlösung

Zum Gedenken an Gustav Mahler, der vor 100 Jahren starb, brachte Johannes Skudlik die sogenannte „Auferstehungssinfonie“ zur Aufführung – mit dem Orchester „Symphonie Prag“, dem Münchener Bach-Chor, dem LandsbergChor und Solisten. Foto: Eckstein

Es ist kalt an diesem Samstagabend, nass, dunkel, trostlos. In der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt dagegen herrschen Glanz und Leidenschaft großer Musik, dort erleben mehr als 500 Musikbegeisterte die sogenannte „Auferstehungssinfonie“ von Gustav Mahler unter der Leitung von Johannes Skudlik.

Gustav Mahler, geboren 1860 in Böhmen, befasste sich nach traumatischen Erlebnissen in der Kindheit schon früh mit dem Thema Tod. Er erlebte, wie fünf seiner 13 Geschwister im Kindesalter starben, ein älterer Bruder war bereits vor Mahlers Geburt verstorben. Die Eltern verlor er, als er selbst keine 30 Jahre alt war. Im jüdischen Glauben aufgewachsen, fasziniert von naturreligiösen und philosophischen Anschauungen, interessierte er sich zunehmend für die christliche Vorstellung von Auferstehung und Erlösung, lange bevor er selbst aus eher politischen Gründen zum Katholizismus konvertierte, noch bevor ihn verschiedene Krankheiten mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontierten. Die Komposition seiner 2. Sinfonie in c-moll, die später – nicht vom Komponisten selbst – auch „Auferstehungssinfonie“ genannt wurde, nahm durch Mahlers Arbeitsbelastung als Kapellmeister, mehrere Jahre in Anspruch. Zuerst vollendet wurde der 1. Satz, den der Komponist zunächst als eigenständige Komposition 1888 mit dem Titel „Totenfeier“ überschrieb und später zum 1. Satz der 2. Sinfonie umarbeitete, allerdings in exponierter Stellung, weist er doch ausdrücklich auf eine längere Pause „von mindestens fünf Minuten“ nach dem 1. Satz hin. Das Hauptthema, ein Trauermarsch erklingt. Aber was für ein Trauermarsch – nicht feierlich getragen, sondern dramatisch, aufwühlend. Leidenschaftlich umgesetzt von den Musikern der „Symphonie Prag“, mit ganzem Körpereinsatz dirigiert von Johannes Skudlik. Im großen Gegensatz zur Dramatik des 1. steht der 2. Satz, ein sanft verspielter Ländler, bevor Tempo und Dynamik im 3. Satz wieder zunehmen. Ruhig und warm klingt dagegen die Stimme von Mezzosopran Alexandra Petersamer, die das „Urlicht“, ein Orchesterlied nach einem Gedicht aus „Des Knaben Wunderhorn“ anstimmt: „Ich bin von Gott und will wieder zu Gott! Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben, wird leuchten mir bis in das ewig selig Leben!“ Wunderbar eindringlich, leider in Teilen etwas verschwommen, bedingt durch den starken Hall der Stadtpfarrkirche. Dieser 4. Satz ist quasi eine Atempause, bevor im Finale die aufwühlenden Zweifel des 1. Satzes wieder aufgegriffen werden. Aus den Chorpassagen erhebt sich die Sopranstimme (Anna Korondi), verwebt sich wieder mit dem Gesamtklang, wird manchmal nahezu übertönt von Chor und Orchester. Mahler kombiniert hier die Klopstock-Ode „Auferstehn“ mit eigener Dichtung zu einem furiosen Finale, einer Musik gewordenen Vision mit Orgel (Hansjörg Albrecht), Glockenklang, Solisten und Chor, die das Kirchenschiff erbeben ließ. Gustav Mahler beschrieb den 5. Satz dieser Sinfonie selbst als „das Bedeutendste, was ich bis jetzt gemacht habe“. Eine Einschätzung, der die Besucher, nicht zuletzt durch den bravourösen Einsatz von Johannes Skudlik, des Orchesters „Symphonie Prag“, des Münchener Bach-Chores und des LandsbergChores sowie der Solisten, beistimmen dürften, wie die Ovationen und Bravo-Rufe gezeigt haben.

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