Keine Ruhe nach dem Sturm

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Der Sturm hat sich zwar gelegt, die Gefahren für und im Wald sind aber noch nicht vorüber: Nicht nur für die Waldarbeiter sind die Aufräumarbeiten riskant. Auch Spaziergänger sollten im Wald noch aufpassen.

Landkreis – Für die Wälder im Landkreis war „Niklas” der schlimmste Sturm seit 25 Jahren. Doch nach dem heftigen Ereignis geht die Arbeit erst richtig los: Waldwege müssen geräumt, geworfene Bäume schnellstmöglich aus den Wäldern geschafft werden. Denn: Je wärmer die Temperaturen, desto größer die Gefahr eines Borkenkäfer-Befalls.

Die Einschlagmenge von einem ganzen Jahr hat Sturm „Niklas” an einem einzigen Tag niedergeworfen. Es war „der schlimmste Sturmwurf seit Vivian und Wiebke im Jahr 1990”, so der stellvertretende Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten, Peter Graser. 

Besonders schlimm getroffen hat es den Waldbestand im Bereich Denklingen und Dienhausen. Etwa 45000 Festmeter Holz sind hier betroffen, schätzt Graser. Aber auch in der Ammersee-Region rund um Riederau und Dießen hat „Niklas” zugeschlagen: Hier liegen etwa 35000 Festmeter Holz. 

Durch die enormen Mengen an Holz rechnet Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Martin Mall mit einem „moderaten Preisrückgang”. Keinesfalls sei das aber vergleichbar mit Vivian und Wiebke vor 25 Jahren. 

Zum größten Teil handelt es sich bei den geworfenen Bäumen um Fichten. Das liege daran, so Graser, dass Fichten dem Wind eine größere Angriffsfläche bieten als Laubhölzer. Sie werden nicht nur im Schnitt zehn Meter höher, sondern wurzeln auch flacher – insbesondere in den feuchteren Böden in der Ammersee-Region. Zudem hätte es auch für die Laubhölzer anders ausgesehen, würden diese bereits Laub tragen, weiß Graser. 

Die Beseitigung der Sturmschäden ist bereits in vollem Gang: Etwa 15 Maschinen und 40 Waldarbeiter der Bayerischen Staatsforsten sind seit „Niklas” täglich im Einsatz. Doch damit Arbeiter und Gerät überhaupt in die Waldgebiete gelangen, müssen zunächst die Wege von abgebrochenen Ästen und umgestürzten Bäumen befreit werden. 

Und damit kommen auch wieder viele Spaziergänger und Sportler in die Wälder. Peter Graser warnt ausdrücklich: „Im Wald ist es immer noch gefährlich!” Denn der Sturm hat oft auch die Wurzeln geschädigt, weshalb die Bäume nun besonders anfällig für Schädlinge und leichtere Winde sind. 

Aber nicht nur für Spaziergänger, auch für die Waldarbeiter ist die Gefahr nun groß: „Früher hätte das etlichen Leuten das Leben gekostet”, ist sich Graser sicher. Deshalb werden die Stämme großteils mit einem „Harvester“ aus dem Wald transportiert. Auch WBV-Geschäftsführer Mall warnt nun ausdrücklich: „Es gibt kaum eine gefährlichere Arbeit als die Holzernte, speziell bei unter Spannung stehendem Holz.” 

Neben der geringeren Gefahr für die Waldarbeiter hat der Harvester-Einsatz noch einen anderen entscheidenden Vorteil: Die Maschine kann den geworfenen Baum nach oben vor- sichtig entfernen, ohne dabei die nächste, bereits heranwachsende Waldgeneration zu schädigen. Denn ein Großteil der Waldflächen sei bereits „unterverjüngt”, erklärt der stellvertretende Forstbetriebsleiter. Dort hat man vor über zehn Jahren angefangen, Buchen, Weißtannen und Edellaubhölzer zu pflanzen. Diese Baumarten würden Stürmen und dem Klimawandel besser trotzen als beispielsweise Fichten und Kiefern. 

Diese „Unterverdichtung” ist auch der Grund dafür, dass „Niklas” keine Kahlflächen hinterlassen hat, wie sie es vor 25 Jahren bei „Vivian” und „Wiebke” gegeben hat. Zwar seien die Wälder durch den Sturm geschwächt, eine nachhaltige Schädigung des Waldbodens erwartet Graser aber nicht. Denn ein Baum brauche ein bis zwei Vegetationsperioden, um sich von solch einem Sturm zu erholen. 

Die Beseitigung der Sturmschäden ist auch ein Rennen gegen die Zeit: Denn die Frühlingstemperaturen nach „Nik- las” sind geradezu ideal für Insekten – insbesondere den Borkenkäfer. Je länger die geworfenen oder abgebrochenen Stämme im Wald liegen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für einen Schädlingsbefall. Am besten für den Wald wäre daher nun schlechtes Wetter – kalt und nass. 

Mall relativiert: In erster Linie gelte es jetzt Ruhe zu bewahren. Momentan sehe er keine akute Käfergefahr. Panik wäre deshalb nun fehl am Platz. Er rechne frühestens in fünf bis sechs Wochen – also etwa in der ersten Maihälfte – mit den Borkenkäfern. Denn diese bräuchten dauerhaft Plustemperaturen um die 18 Grad. „Momentan haben wir teilweise noch Nachtfrost”.

Astrid Erhard

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