Der mühsame Weg zum neuen Entree

Die Augsburger Straße soll erneuert werden – und das ist nicht so leicht

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Schritt für Schritt umgestalten: So soll die gesamte neue Augsburger Straße (violett) aussehen: Herangerückte Märkte (rot) mit Parkplätzen (weiß), die über eine Privatstraße (grau) von hinten erreicht werden.

Landsberg – Es ist eine mühsame, auf Jahre angelegte Arbeit: Stück für Stück versuchen Stadtrat und Verwaltung, die Augsburger Straße umzugestalten. Immer wieder sind dazu Gespräche mit Gewerbetreibenden erforderlich. Das Ziel heißt, bei Neu- und Umbauten die Gebäude abweichend vom Baulinienplan aus dem Jahr 1953 stärker nach vorne zu rücken. Zwingen kann man dazu niemanden.

Die Augsburger Straße ist, von der Bavaria Petrol-Tankstelle an in Richtung Norden, schon lange in der Kritik: Die Parkplätze sind vorne, die Gebäude hinten. Die Straßenbreite verleitet zum schnellen Fahren. Die Zufahrten zu den Märkten sind zu dominant. Es gibt zu viel Abbiegeverkehr. Die Kraftfahrzeuge kreuzen den Rad- und Fußweg; Radfahrer müssen da höllisch aufpassen. 

Das ist ein bisschen zu „amerikanisch“, zu sehr auto-orientiert, zu gewerbelastig; die Architektur ist zudem unzeitgemäß verschwenderisch. Dass sich an diesem unklaren Stadt-Entree etwas ändern muss, ist übereinstimmende Meinung aller Stadtratsfraktionen. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass der Nahversorgungscharakter erhalten bleibt und ausgebaut wird; man darf keinen Anbieter vergraulen. 

Im Rahmen des städtebaulich geförderten Konzepts „Soziale Stadt“ hat Ingenieur Klaus Schulz vom Büro für Städtebau und Freiraumplanung München im November 2014 ein neues Konzept entwickelt, das den Stadtrat in großen Teilen überzeugt hat. 

Der wichtigste Gedanke besteht darin, die Gebäude nach und nach dicht an die Augsburger Straße heranzurücken, um hinter den Häusern, angrenzend an die Bahnlinie, Platz für eine private Erschließungsstraße zu schaffen. Wer eines der Geschäfte besuchen will, biegt zunächst an zentraler Stelle auf diese Verteilachse ab. Damit gäbe es nur noch eine einzige Ein- und Ausfahrt für alle Gebäude. 

Schon dadurch wäre das Entree nicht mehr so großflächig und diffus wie jetzt, sondern würde eher dem Bild entsprechen, das in der Katharinenstraße, der Münchener Straße oder (demnächst) der Schongauer Straße vorherrscht. Der gemeinsame Fuß- und Radweg soll auf die westliche Straßenseite verlegt werden. 

Ein Teilaspekt des Konzepts lautet „Wohnen auf den Märkten“. Damit wird weiterer Wohnraum geschaffen und der Flächenfraß in Grenzen gehalten. Viele Sortimenter und Discounter, darunter auch ALDI Süd, können sich keine zweigeschossigen Läden mit Aufzügen und Rolltreppen vorstellen. Andererseits wollen ihr Gebäude auch nicht mit anderen Gewerbetreibenden teilen, so wie es beispielsweise der V-Markt macht (unten ist der eigentliche Markt, oben ein Teppichhändler). 

Ärztehaus als Maßstab 

Wie Heranrücken und Wohnnutzung aussehen könnten, kann man am Wohn- und Geschäftshaus Augsburger Straße 46a (dem „Ärztehaus“) bereits studieren. Dort ist in einem zurückspringenden vierten Geschoss – einem „Penthouse“ –eine Wohnung entstanden. Außerdem ist der Neubau bereits an die Augsburger Straße herangerückt. Langfristig soll auch das Gebäude des jetzt noch merkwürdig angrenzenden Alnatura-Marktes um 90 Grad gedreht werden. Daher wird auch der aus Hessen kommende Bio-Lebensmittelhändler bei erforderlichen Um- oder Erweiterungsbauten von der Stadt gebeten, das Haus an die Straße zu verlagern.

Einen Antrag von ALDI Süd, seine Verkaufsfläche in der Augsburger Straße 62 bei gleichbleibender Struktur von 850 auf 1.095 Quadratmeter erweitern zu können (entstanden wäre ein eingeschossiger Baukörper von 50 mal 34 Metern mit Flachdach), hat die Stadt vor einiger Zeit abgelehnt. Ihr Hebel: Für die Zulässigkeit eines derart großen Marktes müsste ein Sondergebiet „großflächiger Einzelhandel“ ausgewiesen werden und dazu ist die Stadt nicht verpflichtet. 

Eine Bereitschaft dazu gäbe es allerdings bei vielen Stadträten, wenn Aldi das neue Gebäude ähnlich anordnet wie das Ärztehaus und zudem das Prinzip „Wohnen auf den Märkten“ verwirklicht. ALDI Nord macht so etwas schon. Im Januar gab der Lebensmittelhändler bekannt, an mindestens 30 Standorten in Berlin gemischt genutzte Immobilien umzusetzen. Insgesamt sollen so mehr als 2.000 Wohnungen in Kombination mit Märkten entstehen. 

Einigung mit Intersport 

Auch in Sachen Intersport (Augsburger Straße 54) hat der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats zunächst ablehnend reagiert. Der Investor wollte das Gebäude zwar aufstocken und einen Verbindungsbau zur Augsburger Straße 52 errichten, aber nicht an die Straße heranrücken. Nun legte der Bauwerber eine Überarbeitung der Planung vor. Das Gebäude wurde nach Westen so erweitert, dass es analog zum Ärzte­haus einen Abstand von fünf Metern zur Straße einhält. „Damit wird die Gebäudeflucht des Ärztehauses aufgenommen und die Realisierung des Teilraumgutachtens kann weiterverfolgt werden“, hieß es in der Sitzungsvorlage. 

In seiner jüngsten Sitzung stimmte der Bauausschuss dieser geänderten Planung einstimmig zu; er hatte auch keine Probleme damit, zwei Befreiungen vom Bebauungsplan zu erteilen. Das Signal: Der Stadtrat ist zu einigem Entgegenkommen bereit, wenn er die Voraussetzungen für die Umgestaltung der Augsburger Straße schaffen kann. Diese Konstanz bei der Umsetzung einer Vision ist bemerkenswert. Sie hat allerdings auch einen Haken. Wenn die Stadt Erfolg hat und alle Unternehmen „Ja“ gesagt haben, muss sie ihren Teil der Verpflichtung erfüllen: Dann ist ein neuer Straßenverlauf samt neuem Kreisverkehr und neuem Radweg fällig. Das kostet; aber versprochen ist dann versprochen. 

Werner Lauff

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