Das Aus vor Augen

Unsanfte Bauchlandung: Philipp Michl (re.) und der EV Landsberg mussten am Sonntag bereits die zweite Niederlage gegen die Selber Wölfe einstecken. Foto: Krivec

Eigentlich war die Partie hochdramatisch - trotzdem musste der Ausgang den 685 Zuschauern in der Landsberger Eishalle verdächtig bekannt und wenig überraschend vorkommen. Mit 2:3 (1:1, 0:0, 1:1, 0:1) verlor der EVL am Sonntag nach Verlängerung auch das zweite Play-Down-Spiel gegen die Selber Wölfe. Bereits am Mittwoch droht nach dem 1:4 (0:1, 0:2, 1:1) vom Freitag in Selb jetzt das endgültige Aus in Selb und damit der Abstieg in die Bayernliga.

Man darf langsam daran gehen, dem EVL ein Zeugnis für die ablaufende Oberliga-Saison auszustellen. Neben den nackten Zahlen könnte da dann stehen: „War nach schwachem Beginn in der zweiten Saisonhälfte oft überlegen, schoss regelmäßig öfter als der Gegner (wenn auch zu harmlos), verwertete aber seine Chancen zu selten. In der Defensive in den entscheidenden Momenten nicht aufmerksam genug.“ Vor allem Letzteres war am Sonntag wieder deutlich zu sehen. Zum einen sah Alex Reichelmeir im Tor bei allen drei Gegentreffern nicht wirklich gut aus. Andererseits hielt er den EVL mehrfach „mit einigen brutalen Saves“ (Trainer Elvis Beslagic) überhaupt im Spiel. Dabei drohte dem Landsberger Tor fast nur dann Gefahr, wenn Selbs Martin Sekera im Spiel war. Der 39-Jährige ist nicht mehr spritzig und hat mit Defensivarbeit ohnehin nicht viel am Hut, seine Aktionen nach vorne stellten die EVL-Abwehr aber immer wieder vor Rätsel. Mehrfach schaffte es der Deutsch-Tscheche, seine ansonsten indisponierten Nebenleute glänzend vor dem Tor in Szene zu setzen. Sekera hatte zwar rund 30 Minuten Eiszeit, in der verbleibenden Hälfte des Spiels hatten die Gäste aber rein gar nichts anzubieten. Kaum ein Pass nach vorne kam auch nur in die Nähe eines Mitspielers. Wenn Sekera nicht auf dem Eis war, wurden die Oberfranken entweder im eigenen Drittel eingeschnürt oder wussten sich zu oft nur durch ein Icing zu befreien. Der EVL agierte dagegen weit druckvoller. Von dem frühen 0:1 durch Heilman (2.) ließ man sich nicht groß beeindrucken, Brenninger nahm eine Vorlage von Neuert schon in der 4. Minute schön zum 1:1 ab. Mit diesem Ergebnis waren die Selber bis zum Ende des zweiten Drittels gut bedient. Kläglich vergeben Die Gastgeber erarbeiteten sich 40 Minuten lang Chance um Chance, vergaben allerdings auch aus bester Position wieder einmal kläglich. Vor allem die vermeintlichen Topscorer zogen die Kritik der Zuschauer auf sich. Igor Bacek fiel fast nur durch technisch sehenswerte, aber fruchtlose Stochereien vor dem Tor und einen vergebenen Alleingang auf, aus dem letztlich nach einem Konter aber das 1:2 für die Gäste durch Konsorada resultierte (46.). Michel Maaßen vergab mehrere Chancen von außen eigensinnig und hatte Glück, dass er bei drei groben Fouls im zweiten Drittel mit nur vier Strafminuten davonkam. Beide hätten den EVL mehrfach in Führung schießen können, doch auch Bigam, Barz und Thiel hatten Tore auf dem Schläger. In einer zusehends verflachenden Partie hatte dann Selb aber gegen Ende des letzten Drittels sogar noch die besseren Chancen auf die Entscheidung. Dem EVL schien die Kraft auszugehen, die gefährlichen Aktionen in Richtung Tor des Gegners wurden immer weniger. In der Verlängerung präsentierte sich der EVL dann endgültig zu passiv, der Siegtreffer durch Waßmiller in der 62. Minute fiel nicht einmal unerwartet. Das Fazit der Trainer nach der Partie fiel professionell aus: „Beide Teams haben über das ganze Spiel viel gearbeitet. Mir gehen langsam die Spieler aus, ich muss ein Lob an meine Mannschaft aussprechen“, meinte Selbs Corey Holden. „Ohne den Respekt für den Gegner vermissen zu lassen: Wir waren die bessere Mannschaft, die Spieler haben alles gegeben, wir müssen einfach nur so weiter arbeiten. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, aber wir werden auch in Selb 110 Prozent geben“, analysierte Elvis Beslagic. „Nur im letzten Drittel waren wir nicht konzentriert. Wenn wir über 60 Minuten konzentriert sind, haben wir da natürlich noch eine Chance.“ Not gegen Elend Pragmatischer fasste es ein Spieler der Selber Wölfe vor der Eishalle kurz vor der Heimfahrt in einem Telefongespräch mit der Heimat zusammen: „Das war hier heute Not gegen Elend. Aber die treffen noch schlechter als wir.“

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