Antike Villa unter Baugebiet?

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Peter Priadka, Leiter der Grabungsarbeiten in Prittriching, ist mit seinem Archäologenteam auf einen fast zehn Meter langen Ziegelbrennofen aus der Spätantike gestoßen.

Prittriching – Einen überraschenden Fund machten Archäologen bei den Voruntersuchungen für das Baugebiet an der Leitenbergstraße. Die drei runden Keramiköfen sowie der langrechteckige Ziegelbrenn­ofen, die nach dem Oberbodenabtrag auftauchten, stammen vermutlich aus der Spätantike. Noch bis Dezember ist das für die Grabungen beauftragte Unternehmen Archbau GmbH damit beschäftigt, die Funde zu dokumentieren und möglicherweise noch weitere Entdeckungen zu machen.

„Wir hätten selbst nicht damit gerechnet, dass wir einen solchen Fund machen“, erzählt Peter Priadka, Grabungsleiter der Firma Archbau aus Augsburg. Mitte August hatte das Unternehmen mit den archäologischen Voruntersuchungen für das Baugebiet „Leitenberg I“, das entlang der Leitenbergstraße entstehen soll, begonnen. Nachdem der Oberboden abgetragen war, kamen überraschenderweise drei runde Keramikbrennöfen zum Vorschein. Wenige Meter daneben fand man schließlich noch einen fast zehn Meter langen Ziegelbrennofen.

Dass die Keramiköfen alle aus derselben Zeit stammen, da ist sich Priadka sicher: „Die Öfen liegen alle auf derselben Höhe und haben eine gemeinsame Befeuerungsgrube. Auch das Material der Öfen deutet darauf hin, dass sie in derselben Zeit entstanden sind.“ Die genaue Datierung sei zwar schwierig, aufgrund der gefundenen Keramikgefäße könne man aber vom vierten und fünften Jahrhundert nach Christus, der Zeit der Spätantike, ausgehen.

In dieser Zeit wurde auch der Ziegelbrennofen erbaut. Speziell dieser stelle laut des Vertreters der Firma Archbau eine Besonderheit dar, denn selten sei man auf einen Ziegelbrennofen aus der Spätantike in dieser Bauart gestoßen.

Der Ofen verfügt über einen Längskanal und mehrere Querkanäle, die damals für eine gute Durchlüftung des Ofens sorgten. Insgesamt wurde der Ofen in mehreren Phasen errichtet, unter anderem wurde er aus wieder verwendeten römischen Ziegeln aufgebaut, die ebenfalls einen Datierungsansatz für die Spätantike liefern.

Darüber hinaus könnten die römischen Ziegel ein Hinweis für mögliche weitere Funde sein, wie Peter Priadka vermutet: „Die Ziegel stammen wohl aus einer benachbarten römischen Villa, die als Rohstofflager gedient haben könnte.“ Wo genau die Villa gestanden haben könnte, ist jedoch nicht bekannt.

Auch die Öfen werfen noch weitere Rätsel auf. Generell sei der Ofen für die Gegend untypisch, und auch zur Zeit der Spätantike passe der Fund nicht, so der Grabungsleiter.

Charakteristisches Merkmal dieser Zeit seien Holzbauten gewesen, Ziegelöfen dagegen seien vornehmlich erst im späteren Frühmittelalter, etwa zu Zeiten von Karl dem Großen, zum Einsatz gekommen. Besonders beim Bau von Kirchen habe man im Spätmittelalter von den Ziegel­öfen profitiert.

Was mit den freigelegten Öfen in Prittriching nun passiert, ist noch nicht geklärt. Das Heimatmuseum bemüht sich derzeit darum, die Funde künftig ausstellen zu können. Darauf haben die Archäologen um Peter Priadka dann keinen Einfluss mehr. „Was letztendlich ausgestellt wird und was mit den freigelegten Öfen passiert, entscheidet die Gemeinde Prittriching als Auftraggeber.“ Aufgabe der Grabungsfirma sei es lediglich, die Funde so präzise wie möglich zu dokumentieren, um die Grabungsfläche möglichst bald wieder für die Bauplanung freizugeben.

Bürgermeister Peter Ditsch kündigte bereits an, die Funde ebenfalls ausstellen zu wollen: „Besonders einzelne Fundstücke wie die Ziegel, die unsere Archäologen als ausstellungswürdig betrachten, werden bei uns im Prittrichinger Heimatmuseum zu sehen sein. Die Brenn­öfen ab- und wieder aufzubauen, ist leider nicht möglich.“ Zu den Öfen sei aber geplant, die Dokumentation so ausführlich wie möglich im Museum darzustellen. Auch auf der Homepage der Gemeinde soll die Thematik in Zukunft einen eigenen Platz bekommen. Der Bedeutung für die Gemeinde Prittriching ist sich der Bürgermeister bewusst: „Natürlich schreiben wir die Geschichte der Spätantike nicht neu, aber wir konnten hier durchaus etwas für die Geschichte erreichen“, so Ditsch.

An den Keramiköfen und dem Ziegelofen arbeitet das Augsburger Grabungsunternehmen nun voraussichtlich noch bis Dezember. Dies sei von der Witterung und insbesondere vom Bodenfrost abhängig.

An den Stellen des Baugebietes, an denen nun keine archäologischen Funde mehr zu erwarten sind, wurde bereits grünes Licht für die Fortführung der Bauarbeiten für das Baugebiet „Leitenberg I“ erteilt. Bürgermeister Peter Ditsch bestätigte gegenüber dem KREISBOTEN, dass das öffentliche Verfahren bereits laufe und noch in diesem Winter die Ausschreibungen für das Baugebiet erfolgen würden. Ab dem Frühjahr rollen dann die Bagger auf dem Gelände des Baugebietes, das von der Jahnstraße, der Leitenbergstraße und der Eglinger Straße begrenzt wird, an.

Marco Tobisch

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