Passion am Ammersee:

Explosive Wucht und Fremdartigkeit

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Gaben für die Presse eine Kostprobe aus dem Figurentheater „Prometheus“ (von links): Wilfried Hiller, Puppenspieler Georg Jenisch mit der Puppe „Io“ sowie Prometheus-Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia.

Dießen – Anlässlich des 120. Geburtstages von Carl Orff (1895 bis 1982) wird die große altgriechische Passion „Prometheus“ erstmals an dem Ort aufgeführt, an dem das Werk geschrieben wurde: in Dießen, Carl Orffs langjähriger Wahlheimat. Vom 27. bis 29. März ist der Theatersaal im Augustinum Ort dieser besonderen Premiere. Das Figurentheater von Georg Jenisch zeigt hier das Werk mit der Musik von Orff, bevor die Inszenierung im April und Juli in der stimmungsvollen Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz zur Aufführung kommt.

Um das Ereignis gebührend anzukündigen war neben Jenisch unter anderem auch Wilfried Hiller, Komponist, Vorstandsvorsitzender der Carl Orff-Stiftung und langjähriger Weggefährte Orffs zum Pressetermin ins Augustinum gekommen. Gemeinsam eröffneten sie im Foyer eine Ausstellung zu Jensischs vergangenen Figurentheater-Produktionen.

Neben Antigone und Ödipus zählt Prometheus zu den wichtigsten Werken Orffs. Inspiriert von der engen Verknüpfung von Wort, Musik und Geste, greift das 1968 uraufgeführte Stück auf den altgriechischen Originaltext von Aischylos zurück und nähert sich so dem Grundbild der antiken Tragödie an. Unterschiedliche Instrumente verschiedenster Herkunft ermöglichen ein breites und überaus gestisches Klangkolorit.

Regisseur und Puppenspieler Georg Jenisch befindet sich derzeit mitten in der Probenarbeit. Gemeinsam mit seinem Team ist er dabei, aus den musikalischen Worten eindrucksvolle Bilder zu formen. Dabei folgt er mit seinen bis zu drei Meter großen Puppen detailgetreu dem Text des Aischylos sowie der Orffschen Vertonung. Ziel ist eine Bebilderung der griechischen Passion, die an eine antike Form des Kreuzwegs erinnert. Das Stück, so Jenisch, stelle deutlich die Parallelen zwischen Prometheus und Jesus heraus. „Beide rebellieren gegen neue und sich als tyrannisch erweisende Herrscher. Beide versuchen durch ihre Taten oder Worte den Menschen zu Selbstreflexion und Autonomie zu verhelfen.“

Gleich zu Beginn der Inszenierung wird die überlebensgroße Figur des Lichtbringers und Menschenmachers an den Felsen des Kaukasus geschlagen. Prometheus tritt im Laufe des Stückes mit unterschiedlichen mythologischen Wesen wie Io, Hermes und Okeanos in Dialog. In den Zwiegesprächen werden die Aspekte, die Ursachen und der künftige Sinn seiner Qualen erläutert. „Auf dieser Grundlage“, so Hiller, „entsteht ein Figurentheater, das mit explosiver Wucht und Fremdartigkeit besticht“.

Karten für die Aufführungen am 27., 28. und 29. März sind unter anderem im Augustinums erhältlich.

Ursula Nagl

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