Mit "MiMi" zum Gesundheitsmediator

Ausbildungsprojekt „MiMi“ soll Zugang zum Gesundheitssystem erleichtern

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Stellvertretende Leiterin BRK Marianne Asam (links) und Landrat Thomas Eichinger sind Kooperationspartner bei „MiMi“, Renate Grenwelge (rechts) ist Ansprechpartnerin vor Ort. Über das Projekt referierte Christine Bomke vom Ethno-Medizinischen Institut (2. von links).

Landkreis – Das Gesundheitssystem in Deutschland ist eines der besten – und eines der kompliziertesten. Ist schon manch hier Geborener ob der Angebote und Pflichten verwirrt, sind die Informationen für Menschen, die aus anderen Ländern kommen, noch weitaus schwieriger zu erfassen. Um Migranten im Landkreis zu helfen, startet das BRK Landsberg mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum München als Träger das Projekt im Landkreis Landsberg „Mit Migranten für Migranten“ – handlich abgekürzt „MiMi“.

„Wir werden Multiplikatoren ausbilden, die anderen Migranten assistieren“, fasst die stellvertretende Leiterin des BRK Landsberg Marianne Asam „MiMi“ zusammen. Sie freue sich, dass der Landkreis als Kooperationspartner dabei sei. Mit Renate Grenwelge, die langjährige Erfahrung mit Migranten vorweisen kann und zudem Ansprechpartnerin des BRK für die Gesundheitsregionplus ist, habe man die richtige Person gefunden, um „MiMi“ im Landkreis zu koordinieren.

Landrat Thomas Eichinger ist vom „Kick-Off für MiMi“ angetan. Das Programm trage positive Impulse zum Thema Integration in die Gesellschaft. Insbesondere, da „die Verselbstständigung der Migranten“ eines der wichtigsten Ziele der Integration sei. Indem Migranten anderen Migranten helfen, öffne sich „unser kompliziertes Gesundheitssystem“ und werde verständlicher.

„Wir wollen Mediatoren als Brückenbauer zwischen den Gesundheitseinrichtungen und den Migranten ausbilden“, beschreibt Christine Bomke vom Ethno-Medizinischen Zentrum München „MiMi“. Aus der Taufe wurde es 2003 in Niedersachsen gehoben, inzwischen gibt es „MiMi“ in elf Bundesländern, in Bayern habe man 15 Standorte mit inzwischen 62 Mediatoren. Und diese hätten ihr Wissen an mehr als 32.000 Menschen weitergegeben – in über 45 Sprachen. Ziel sei die Ausbildung „interkultureller Gesundheitsmediatoren, die eine kultursensible Aufklärung über Gesundheitsangebote leisten können“. Dabei könnten die Mediatoren als „mehrsprachige Wegweiser zum Gesundheitssystem“ ihr Gesundheitswissen in Kliniken, Praxen, Betrieben oder Cafés vermitteln, aber auch in Helferkreisen, Kirchen oder sonstigen Gruppen.

Die Ausbildung der Mediatoren besteht aus 50 Stunden, die an sieben thematisch abgegrenzten Wochenenden stattfinden. Als Basis wird das deutsche Gesundheitssystem erläutert, weitere Themen sind Kindergesundheit und Unfallprävention, Impfschutz, Ernährung und Bewegung, Diabetes, Umgang mit Medikamenten sowie Mundgesundheit. Schließlich werde auch Didaktik gelehrt, damit die Mediatoren eigenständig Infoveranstaltungen abhalten könnten, betont Bomke.

Bildungskoordinatorin des Landkreises Susann Schmid-Engelmann zeigte sich verwundert, dass das Thema Schwangerschaft nicht im Themenkatalog enthalten sei. Hätten die Familien dann doch fast immer Kontakt zu einer Klinik und somit zum Gesundheitssystem. „Wir mussten uns auf bestimmte Themen begrenzen“, begründet Asam. Ein Teil des Themas sei bei „Kindergesundheit“ integriert. Zudem könne man das Thema bei der Spezialisierung im kommenden Jahr behandeln.

Auf die Frage Asams, ob sich das Engagement der Teilnehmer halte, versichert Bomke, dass die Fluktuation gering sei. In Bochum habe man eine Schulung vor zehn Jahren durchgeführt. „Und jetzt sind immer noch mehr als die Hälfte dabei.“

Die Migranten, die sich zu Mediatoren ausbilden lassen wollen, werde man in verschiedenen Orten und Institutionen ansprechen, sagt Grenwege, Koordinatorin und „Gesicht vor Ort“ für MiMi. „Wir kennen ja schon viele aus unserer bisherigen Arbeit.“ Sie selbst wisse schon fünf Personen, die sie direkt ansprechen wolle. Eventuell könne man auch über Kindergärten Kontakte zu Eltern knüpfen, Krankenpfleger ansprechen und auch in den Berufsschulen nachhaken. Man müsse allerdings auf den Bildungsstand möglicher Teilnehmer achten. Eine weitere Arbeit, die für Grenwelge jetzt ansteht: Referenten zu den einzelnen Themen finden.

Info: Kurs in Landsberg

Teilnahmevoraussetzungen sind das Engagement, um selbstständig Info-Veranstaltungen durchzuführen, Zugang zu Menschen des eigenen Herkunftslandes sowie gute Kenntnisse der deutschen und der Muttersprache. Die Ausbildung ist kostenlos; die Informationsveranstaltungen der Mediatoren werden mit einem Honorar vergütet. In Landsberg startet der Kurs am 21. September im Landratsamt. Er dauert bis zum 16. November.

Wer Interesse an dem Projekt „MiMi“ hat – sowohl als Mediator als auch als Referent – kann sich direkt bei Renate Grenwelge via E-Mail unter grenwelge@kvlandsberg.brk.de oder telefonisch unter 08191/918836 melden. Grenwelges Sprechzeiten beim BRK in der Max-Friesenegger-Straße sind dienstags von 10 bis 13.30 Uhr und donnerstags von 10 bis 14 Uhr.

Weitere Informationen auch zu den Terminen der Schulung gibt es unter www.gesundheitsregionplus-landsberg.de/projekte/migrantengesundheit.

Susanne Greiner

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