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Warum so abgemagert, Wilma?

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Von: Sabine Fleischer

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Boxerhündin Wilma - Tierheim Landsberg - abgemagert
Boxerhündin Wilma im August beim Gassigehen: trotz dreimaligen Fütterns pro Tag ist sie stark abgemagert. © Privat

Landsberg – Das Tierheim Landsberg ist zurzeit zu hundert Prozent belegt, die Nachfrage eher gering. Wer also einen Hund will, dürfte bei Eignung (siehe unten, „Wie am Tierheim Landsberg vermittelt wird“) einen Vierbeiner mit nach Hause nehmen. Manchmal kommt es aber anders. So auch bei einem Vermittlungsversuch der Boxerhündin Wilma. Die Enttäuschung ist groß, das gegenseitige Verständnis nicht immer leicht. 

Ein hundeerfahrenes Ehepaar aus Igling – Liesi Klein-Heblich und ihr Mann Detlef, Besitzer des fünfjährigen Hundes Camillo – hat sich beim letzten Sommerfest des Tierheimes Landsberg spontan in die Boxerhündin Wilma verliebt. Sie bewarben sich als zukünftige Herrchen und Frauchen. Schnell durften die beiden den Vierbeiner im Beisein einer Pflegekraft kennenlernen und an vier Termi­nen auch mit der Hündin allein spazieren gehen. Die Prognose für eine Vermittlung sei gut, habe das Tierheim ihr mit­geteilt, sagt Liesi Klein-Heblich. Beim fünften Termin sollten sich Wilma und Camillo begegnen. So recht wollte das nicht klappen, sodass eine Pflegekraft nach 20 Minuten abbrach: „Die große Liebe ist es noch nicht.“ Eine Situation, die Klein-Heblich kritisiert: „Die Zusammenführung fand im Gehege statt und wirkte bedrohlich auf unseren Hund Camillo. Wilma wollte spielen, aber Camillo war voll eingeschüchtert durch die zwei Pflegerinnen, die mit Gießkannen ‚bewaffnet‘ waren, falls es zu Raufereien gekommen wäre. Keine gute Ausgangslage zum Beschnuppern.“

Boxerhündin Wilma - Tierheim Landsberg
Top genährt: Boxerhündin Wilma (Foto) ‚suchte‘ in der KREISBOTEN-Ausgabe vom 26. Juni ein neues Zuhause. © Gerd Fischer

Am nächsten Tag kam die Absage, die Liesi Klein-Heblich „sehr emotional“ per E-Mail infrage stellte. Ein Telefongespräch mit der Pflegerin verlief nicht besser. Im Überschwang sei sie wohl ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen, gesteht die Hundebesitzerin. Man habe halt eine Beziehung zu Wilma aufgebaut, aus ihren Händen hätte die Hündin Leckerli und Wasser angenommen. Das Ehepaar hatte schon acht Hunde und kann die Entscheidung seitens des Tierheims nicht nachvollziehen.

Im Tierheim kam das anders an: Von „sehr unverschämt und voller Beleidigungen“ spricht der Vorsitzende des Tierschutzvereins Landsberg Detlef Großkopf. Er weist jede Schuld von sich, möchte diesen Fall „nicht weiter diskutieren“. Außerdem habe der Ehemann vorher selbst abgesagt. Vielleicht Miss-Kommunikation in einer aufgeheizten Atmosphäre auf allen Seiten? Großkopf droht sogar mit „rechtlichen Schritten“ und Gegendarstellungen.

Was Liesi Klein-Heblich unabhängig von der Absage ärgert: Man komme sich bei der Bewerbung wie ein „Bittsteller“ vor, und das bei überfüllten Tierheimen. Auch Landsberg sei voll, bestätigt Großkopf. Grund dafür wären nicht „Corona-Rückläufer“, sondern eher die geringe Nachfrage, teils der Ferienzeit geschuldet. Den Anteil an Tieren aus dem Auslands­tier­schutz könne er nicht ohne Auswertung sagen, er schätze „so 30 bis 40 Prozent“.

Für Wilma suche man jetzt einen Einzelplatz, heißt es in der Absage an Ehepaar Klein. Ein Tierheim-Gehege mit mehreren Hunden sei für Wilma bestimmt nicht optimal, daher wünsche sie der Boxerhündin eine schnelle Vermittlung an weitere Bewerber, meint Liesi Klein-Heblich.

Auf dem Fotovergleich Juni und August wirkt Wilma stark abge­magert. Großkopfs Erklärung: Das sei dem „schlanken Typ“ der Hündin geschuldet. Tierärztin Daniela Bach kennt sie seit ihrer Ankunft in Landsberg: „Wilma hat, wie manche Hunde, die ins Tierheim kommen, erstmal abgenommen. Wir füttern nun dreimal pro Tag und werden die Gewichtsentwicklung engmaschig überprüfen“.

Wie am Tierheim Landsberg vermittelt wird

Wer einen Hund aus dem Landsberger Tierheim haben möchte, der muss, dem Tierwohl geschuldet, im Vorfeld einige Hürden auf sich nehmen.

Auf der www.tierschutzverein-­landsberg.de wird der Vermittlungsablauf im Detail beschrieben: So muss die gesamte Bewerberfamilie das ‚ausgewählte‘ Tier durch mehrfache Besuche und eigenständiges Gassigehen kennenlernen. Danach gibt es Gespräche mit den Tierpflegern, der Bewerbungsbogen wird im Tierheimbüro ausgefüllt. Falls die Bewerber schon Hunde­besitzer sind, steht eine Zusammenführung der Vierbeiner unter Aufsicht an. Es folgen ein offizielles Vermittlungsgespräch und eventuell eine Vorkontrolle des neuen Zuhauses. Welpen werden nur an Personen vermittelt, die in der Anfangszeit zuhause sind.

Erst nach dieser Zeit entscheidet das Tierheim-Team „gut überlegt und im Sinne der Tiere“ über Zu- oder Absage. Abschließend kommt es zum Schutzvertrag sowie einer tierärztlichen Abschlussprüfung. Dann darf der Hund zum neuen Frauchen und/oder Herrchen. Über einige Monate wird die Situation im neuen Zuhause kontrolliert.

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