Exotischer Besuch

Wie im Sterne-Hotel mit Vollpension

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Auch wenn er zurzeit etwas lahmt – dem Heiligen Ibis gefällt es unter all den Möwen und Enten am Dießener Dampfersteg.

Dießen – Er will offenbar gar nicht mehr weg vom Dießener Dampfersteg: der Heilige Ibis, der es sich schon seit Ende November in den Dießener Seeanalgen gemütlich macht. Der junge Exot ist irgendwo ausgebüxt, von wo, das kann niemand sagen. Und einfangen lässt sich der Vogel nicht.

Der Heilige Ibis ist eigentlich in Afrika südlich der Sahara heimisch. Mit den gefiederten Wintergästen, für die der Ammersee berühmt ist, hat er nichts gemein. „Der gehört nicht hier her“, weiß Dr. Johannes Strehlow. Der Germeringer hat 47 Jahre lang für den Landesbund für Vogelschutz (LBV) Wintervögel gezählt. Noch heute laufen alle Meldungen über Vögel bei ihm zusammen. Und natürlich weiß er von dem „Exoten mit dem langen krummen Schnabel“, der seit Wochen Spaziergänger in den Dießener Seeanlagen erfreut.

Strehlow spricht von einem Zoo-Flüchtling. Wie viele andere auch war er der Meinung, der Vogel sei dem Vogelpark in Olching entflogen. „Unsere Ibisse sind vollzählig“, versichert Daniela Kuchenbaur. Die zweite Vorsitzende des Parks ist aber im Bilde und wird täglich darüber informiert, wie es dem Tier in Dießen geht. Schon viermal war sie dort und versuchte es einzufangen. „Aber die Tiere sind schlau“, weiß sie. Denn auch wenn sich der Ibis nur zu gerne mit Katzenfutter füttern lässt, fliegt er sofort weg, wenn er Kescher, Schachteln oder dergleichen sieht, mit dem man ihn einfangen könnte.

Der Dießener Ibis, so die Expertin, ist noch nicht sehr alt. Ein Jahr, vielleicht ein bisschen älter. Das erkenne man am Kopf, der noch nicht komplett schwarz ausgefärbt sei. Das Dießener Exemplar ist etwa 50 Zentimeter groß. Seine normale Größe liegt zwischen 65 und 75 Zentimeter. Die Flügelspannweite eines ausgewachsenen Vogels reicht von 112 bis 124 Zentimeter.

Normalerweise ernährt sich der Heilige Ibis von Würmern und Maden. Die würde er auch im Mühlbach finden. Muss er aber nicht, weil täglich Menschen vorbeikommen, um ihn zu füttern. „Das findet der super“, glaubt Daniela Kuchenbaur. Inklusive der idealen Schlafbedingungen (an Bäumen) sei das für den Ibis wie ein Drei-Sterne-Hotel mit Büfett. Genau dies sei das Problem. „Würde er nichts zu fressen bekommen, würde er schon längst wieder nach Hause geflogen sein“, meint die Expertin. Und leider gebe der offene blaue Ring, den er am Bein hat, keinen Hinweis auf seine Herkunft, wie es bei Ringen von Verbänden und Züchtern der Fall sei.

Die Olchingerin macht sich noch keine großen Sorgen um den Ibis. „Der kann genauso überleben oder nicht wie jede Stockente“. Der Exot sei recht kälteresistent, aber freilich habe auch er natürliche Feinde. Sollte es ihm so schlecht gehen, dass er flugunfähig ist, dann werde sie informiert und sei schnell da. Am meisten sei dem Heiligen Ibis jedoch geholfen, wenn man ihn nicht mehr füttere. Daniela Kuchenbaur ist sicher, dass er dann heimfliegt.

Ursula Nagl

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