Die Schnapsbremse nicht angezogen:

Der Stadtrat ist keine Unvernunfts-Instanz

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Es bleibt dabei: Harte Alkoholika sind beim Lumpigen Donnerstag lediglich in der Innenstadt verboten, nicht in den beiden Partyzelten.

Landsberg – Ja, es gibt volljährige Menschen, die am Lumpigen Donnerstag mehr Hochprozentiges zu sich nehmen, als ihnen guttut. Sie liegen dann, wie Stadtrat und Notarzt Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) schilderte, zum Teil hilflos und besinnungslos in ihrem Erbrochenen in der Notaufnahme. Aber ist der Stadtrat dafür zuständig, sie vor dieser Unvernunft zu bewahren, wie Weisensees Fraktion beantragte? Elf Stadträte sagten ja, 16 sagten nein. Das Ausschankverbot von Branntwein war damit abgelehnt.

Es ging ohnehin nur noch um eine Teilfrage. Den Konsum harter Getränke auf der Straße, außerhalb von Gaststätten und Zelten, kann man nur verbieten, wenn eine Menschenansammlung vorliegt. Das ist in der Altstadt der Fall (dort gilt auch 2017 das Mitnahme- und Konsumverbot von Alkohol), an der Waitzinger Wiese und dem Schlüsselanger aber nicht. Somit war das Thema „außen“ in der Sitzung aufgrund des Vortrags von Ordnungsamtschef Ernst Müller schnell erledigt.

Bleibt noch „innen“. Gaststätten kann der Ausschank von Hochprozentigem aber nicht untersagt werden; das widerspräche der ihnen erteilten Lizenz. Somit fokussierte sich die Diskussion auf die beiden Zelte der Gastronomen Amberger und Moritz. Eine Beschränkung des Ausschanks wäre aber auch dort nur unter engen Voraussetzungen möglich, nämlich dann, wenn die Rettungskräfte überzeugend darlegen könnten, dass die Zahl der Versorgenden durch den Ausschank von Schnaps so zunehme, dass man der Situation nicht mehr Herr werden könnte.

Die Polizei habe er schon gefragt, sagte Müller; die sei zwar über den Alkoholkonsum am Lumpigen Donnerstag und die Aufteilung auf zwei Zelte nicht amüsiert, bekomme das aber in den Griff.

Nicht zuständig

Letztlich waren es zwei Plädoyers von Petra Ruffing (CSU) und Felix Bredschneijder (SPD), die die Mehrheitsmeinung verdeutlichten und zum Teil wohl auch prägten. Sie lauteten sinngemäß: Der Stadtrat ist nicht dafür zuständig, erwachsene Menschen vor Unvernunft zu bewahren. Sie hätten ein Selbstbestimmungsrecht. Für Jugendliche bestünden ja bereits hinreichende Regelungen in Form des Jugendschutzgesetzes, das überall gelte – draußen wie drinnen und in Gaststätten wie in Zelten.

Wolfgang Weisensee hielt noch einmal dagegen: „Selbstbestimmung? Diejenigen, die in den Krankenhäusern versorgt werden müssen, sind nicht mehr zurechnungsfähig. Uns muss jedes Mittel Recht sein, das zu verhindern.“ Auch Ernst Müller, dem die Einrichtung eines zweiten Zeltes am Schlüsselanger ohnehin keine Freude macht (der KREISBOTE berichtete), wies noch auf die Gefahr hin, dass Personen von Zelt zu Zelt pendeln und unterwegs hinter einem Busch kollabieren könnten. Auch das stimmte die Mehrheit des Stadtrats aber nicht mehr um.

Werner Lauff

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