Dann eben Film statt Theater

»Außer Rand und Band«: Das Jugendprojekt des Theaters »Die Stelzer« lief anders als geplant

Auch, wenn eigentlich am Ende etwas anderes herausgekommen ist: Die Jugendlichen sind stolz auf das, was sie in den letzten Wochen geschafft haben.
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Auch, wenn eigentlich am Ende etwas anderes herausgekommen ist: Die Jugendlichen sind stolz auf das, was sie in den letzten Wochen geschafft haben.

Landsberg – Schwierige Zeiten: Die Jugendarbeit des Theaters „Die Stelzer“ ist durch Corona ausgebremst. Öffentliche Auftritte: kaum möglich. Dennoch sieht Theaterleiter Wolfgang Hauck viele Möglichkeiten, coronasicher und auf Abstand Projekte durchzuführen. Eines davon hat er jetzt mit seinem Team in die Tat umgesetzt: „Außer Rand und Band“. Unter erschwerten Bedingungen sind 15 Jugendliche aus Landsberg und Umgebung im Alter von zwölf bis 17 Jahren auf eine Heldenreise gegangen – und dabei selbst zu Helden geworden.

Eigentlich sollte es ein Theaterstück werden. Auf Stelzen. Mit theaterpädagogischen Übungen und dem Erlernen der Technik des Stelzenlaufens sei daher begonenn worden, so langjährige „Stelzerin“ Anne Tysiak, die gemeinsam mit dem früheren Theaterleiter Peter Pruchniewitz die Workshops im Oktober und November geleitet hat.

Der Inhalt: eine klassische Heldenreise. „Für die haben sich die Jugendlichen einen eigenen Zugang erarbeitet“, sagt Tysiak. Mit vielen Szenen und Ideen. Und damit ihre ganz persönliche Reise erschaffen: Welche Prüfungen erwarten uns? Welche Schwellen überschreiten wir? Was lassen wir hinter uns? „Diese fast schon philosophischen Fragen gewinnen durch Corona umso mehr an Bedeutung und Aktualität“, so Tysiak.

Für die Entwicklung einer Gesichte hätten die Jugendlichen Dialoge und Gedichte geschrieben, Figuren entwickelt und über dramaturgische Fragen diskutiert. Input für Skripte zweier Geschichten aus fantastischen Welten. Die Themen: Freundschaft, Prüfungen, Verrat, Mitleid und Zusammenhalt.

Szenen und Choreographien waren bereits entwickelt. Ebenso ein Textbuch mit Rollenverteilung erstellt, Musikstücke ausgewählt, Ideen für Kostüme konkretisiert und Requisiten beschafft. Und dann: Plötzlich alles anders. Ende Oktober verschärfte Corona-Maßnahmen. Öffentliche Veranstaltungen im November untersagt. Übungstreffen damit nicht mehr möglich. Ein gebührender Abschluss im öffentlichen Raum konnte nicht vorbereitet werden. Dennoch kein Grund für das Team, aufzugeben. „Wir haben kurzerhand eine andere Möglichkeit gesucht, das Erarbeitete zu präsentieren“, so Anne Tysiak. „Und gefunden.“

Für das Abschlusswochenende wurde ein Online-Format angesetzt. Mit ins Boot gekommen: der erfahrene Mediendesigner Gonzalo Orce aus Argentinien. Gemeinsam mit den Jugendlichen hat er die bisherigen Ideen und Geschichten nun filmisch umgesetzt. Aus dem Theatertextbuch wurde ein Drehbuch – Grundlage für zwei Kurzfilme, die gemeinsam entstanden. Wegen der Kontaktbeschränkungen mussten die Jugendlichen alleine, mit einfachen technischen Möglichkeiten wie dem Smartphone arbeiten. Mit Mitteln wie Stopp Motion, Zeichnen, Comic, Collage und Sprachaufnahmen sind einzelne Szenen entstanden. Ob „echte“ Darsteller mit oder ohne Stelzen, Zeichnungen, Figurentheater – alle denkbaren Formate wurden zusammengetragen.„In einem virtuellen Treffen haben wir die Werke gemeinsam angeschaut“, erzählt Tysiak. „So haben wir trotz der Erschwernisse durch Corona das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht.“

„Außer Rand und Band“ ist gefördert durch das Programm „Tanz und Theater machen stark“ des Bundesverbands Darstellende Künste und wurde als Kooperationsprojekt von „Die Stelzer“, „dieKunstBauStelle“ und der Mittelschule Landsberg durchgeführt.

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