Servus Soldaten und Transall!

„Das LTG 61 meldet sich ab“

1 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.
2 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.
3 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.
4 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.
5 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.
6 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.
7 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.
8 von 51
Im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Landsberg ist das Lufttransportgeschwader 61 heute Nachmittag "außer Dienst gestellt" worden.

Penzing. Es ist ein würdiger Abschied mit allem, was dazugehört. Soldaten und Zivilangestellte in Paradeaufstellung, eine Ehrenformation, ein Musikkorps, viele Gäste aus der Luftwaffe, eine große Zahl von Repräsentanten des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens. Es gibt „Time to say goodbye“, Reden des Kommandeurs Fliegende Verbände und des Kommodore, das Einrollen der Fahne, die Nationalhymne. Und zum Schluss der Überflug einer Transall. Sie grüßt.

„Das LTG 61 meldet sich ab“, formuliert Oberst Daniel Draken am Ende seiner Rede an die Adresse von Generalmajor Günter Katz vom Luftwaffentransportkommando aus Berlin. Er sagt das in der Überzeugung, dass zum Können von Soldaten die Unterscheidung zwischen Beeinflussbarem und nicht zu Änderndem gehört. Dass es selbstverständlich ist, Anordnungen in der Bundeswehr konsequent umzusetzen. Und dass das Versetzungsschicksal ohnehin zum Alltag der Soldaten und ihrer Familien gehört.

Dennoch ist der Satz, das LTG melde sich ab, eine Beschönigung. Das LTG wird aufgelöst, weil die Zeit der Transall zu Ende gehen soll. Es wird aufgelöst, weil die Luftwaffe weniger Flugzeuge auf weniger Standorte verteilen will. Es wird aufgelöst, weil das Ministerium es aus ökonomischen Gründen so entschieden hat. Genau betrachtet meldet sich das LTG nicht ab, es ist abgemeldet worden.

Das ist der Unterschied zwischen der Außerdienststellung eines Truppenteils, der auf begrenzte Dauer angelegt und mit limitiertem Auftrag unterwegs war, und einem Geschwader, dessen Funktion unverändert benötigt wird, nur nicht mehr so und nicht mehr hier. Viele derer, die in der denkmalgeschützten Halle VII in Penzing dabei sind, fühlen sich, wie sie später sagen, an eine Beisetzung erinnert: Das LTG 61 wird, 60-jährig, aus dem Leben gerissen.

Ein schwerer Moment

Der Kommodore ist an diesen Gedanken noch am nächsten dran. „Das ist ein schwerer, ein emotionaler Moment. Ich bin mir Ihres Gemütszustandes bewusst“, sagt er an die Adresse der Soldaten und Mitarbeiter des Geschwaders, spricht von Wehmut und Schmerz. „Danke, dass Sie trotzdem alle da sind“. Daniel Draken, selbst Transall-Pilot und früher Kommandeur der Fliegenden Gruppe beim LTG62, hat sich diese Aufgabe nicht ausgesucht – ein Geschwader zu führen, um es aufzulösen, das ist ziemlich paradox.

Zwar hat der Tag der Bundeswehr am 10. Juni 2017 die schon lange feststehende Trennung erst einmal überdeckt und für viel Arbeit gesorgt. Aber dann verfestigte sich von Tag zu Tag der Gedanke: Wir verlieren unsere Basis, unsere Heimat, unsere Gemeinschaft; wir werden in alle Winde zerstreut. Das geht Draken in seiner ganzen Rede wohl durch den Kopf. Am Anfang ist er ganz Soldat, am Ende wird er leiser, räuspert sich – da ist Betroffenheit im Spiel.

Günter Katz lässt zuvor zwar ebenfalls durchblicken, dass ein Außerdienststellungsappell nicht zu seinen Lieblingsaufgaben gehört. Aber in seiner Rede fokussiert er staatsmännisch auf das, was für ihn wichtig ist: Dass das LTG 61 mit großem Erfolg in vielen Teilen der Welt humanitär und militärisch im Einsatz war. Dass die Transalls dabei in einer Vielzahl von Funktionen unterwegs waren, vom Nachschub-Bringen über die Truppenverlegung bis zur medizinischen Intensivstation. Dass bei Unfällen bedauerlicherweise auch Soldaten ums Leben gekommen sind. Dass die im Geschwader Tätigen höchsten Dank und tiefe Anerkennung verdienen. Und dass es der Bundeswehr glücklicherweise gelungen sei, für fast alle Soldaten und Zivilangestellten eine anderweitige Verwendung zu finden.

Dann sind alle Märsche und Hymnen gespielt. Die Insignien sind verstaut. Oberstleutnant Klaus Schierlinger, der als Kommandeur des Nachkomman­dos auf dem Fliegerhorst bleibt, hat mit ungeahnter Stimmgewalt den Befehl zum Ausmarsch gegeben. Auch die dreihundert Gäste haben die Halle verlassen. Da rückt die Transall noch einmal in den Mittelpunkt. Bei einem Überflug neigen die Piloten die Maschine zweimal zur Seite: links, rechts, links, rechts. Alle applaudieren. Definitiv zum allerletzten Mal.

Werner Lauff

Auch interessant

Meistgelesen

Die Ammersee Actors brillieren mit "Le Pavillon"
Die Ammersee Actors brillieren mit "Le Pavillon"
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Vocalensemble: frühlingshaftes Konzert für den neuen Rathausflügel 
Vocalensemble: frühlingshaftes Konzert für den neuen Rathausflügel 
Street Food Festival in Landsberg am Lech am 05. & 06. Mai 2018
Street Food Festival in Landsberg am Lech am 05. & 06. Mai 2018

Kommentare