In den Schlagzeilen

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Die Schlagzeilen von „1913“ zeigt Gemeindearchivarin Elke Ahrens-Ratz in der Ausstellung im Dießener Rathaus.

Dießen – Ganz schlicht „1913“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Rathausfoyer in Dießen. Gemeindearchivarin Elke Ahrens-Ratz: „Vor 100 Jahren ahnten die Leute kaum, was auf sie zukommen würde. Und so stand das alltägliche Leben weiterhin im Vordergrund. Das galt auch für die lokale Presse.“

Nur selten schimmerte durch, dass sich am politischen Horizont dunkle Wolken zusammen brauten. So wurde zum Beispiel in der „Ammersee-Post“, dem „Publikations-Organ der kgl. Bezirksämter, Amtsgerichte u. Notariate Landsberg, Starnberg sowie des gesamten Ammerseegebiets“ über die deutschen Rüstungsbemühungen und die Reaktionen Frankreichs und Russlands berichtet. Auch die Auseinandersetzungen auf dem Balkan nährten wohl bei politisch interessierten Bürgern erste Kriegssorgen, davon zeugt die Ankündigung eines Vortrags über den „Einfluß eines Seekrieges auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in Bayern“. Und zum Jahresende 1913 wurde darauf hingewiesen, dass der Deutsche Flottenverein durch eine „ausrei-chende Vermehrung der Streitkräfte zur See die Greuel eines Krieges vermeiden“ wolle. Im Vordergrund stand 1913 jedoch das eher beschauliche Leben in der bayerischen „Prinzregentenzeit“. Auch im Marktflecken Dießen mit seinen rund 2700 Einwohnern ging das Leben seinen gewohnten Gang: Ein beträchtlicher Anteil der Berichterstattung setzte sich im Spätwinter mit den beliebten Faschingsbällen auseinander. Auch ein „gewisser Umschwung“ im Winterklima, hin zu wärmeren Temperaturen beschäftigte die Gemüter. Und am 6. Mai musste die Lokalpresse den Tod von sechs Bediensteten des Schlosses Ried beklagen, die bei einer Bootsfahrt von Dießen nach Herrsching im Gewittersturm kenterten und ertranken. Das Vereinsleben spielte in der Marktgemeinde schon vor 100 Jahren eine große Rolle. So lud zum Beispiel der Liederkranz „Frohsinn“ Ende Juli zu einer Gondelfahrt mit Gesang und Lampionbeleuchtung ein, während die Mitglieder des „Männerturnvereins“ im August 1913 ein Seefest organisierten, dass bis heute Bestand hat. Und schon eine Woche später wurde hinter dem damaligen Krankenhaus ein „Bergfeuer“ abgebrannt. Zu den Höhepunkten des Jahres 2013 gehörte zweifellos die Einweihung des neuen „Knabenschulhauses“, der heutigen Carl-Orff-Mittelschule, im November: „Stolz steht der Bau auf einem der schönsten Punkte Diessen´s und leuchtet in seinen freundlichen Tönen weit über den See und wird ein neues Wahrzeichen Diessens bieten“, jubilierte die „Ammersee-Post“. Für Schlagzeilen sorgte schon damals der Verkehr. Als „Rücksichtslosigkeit“ wurde angeprangert, das am 27. Februar der Ausfall des Nachmittagsdampfers mit Anschluss nach München „in keiner Weise“ angekündigt worden war und im Juli gab es Beschwerden über rücksichtlose Radfahrer, die „in wahnsinnigem Tempo die Hofmarksgasse bzw. Herrenstraße herabsausten“. Mehr über das Jahr „1913“ in Dießen kann man bis Mitte Juli in der kleinen, feinen, von Archivarin Elke Ahrends-Ratz kuratierten Ausstellung erfahren, die mit interessanten Dokumenten, Zeitungsausschnitten und Fotos zu einer unterhaltsamen Zeitreise einlädt.

Ursula Nagl

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