Abwesend Anwesend

Faszination des Augenblicks in der Zedergalerie Landsberg

Landsberg - Zedergalerie - Ausstellung Abwesend Anwesend
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Verbindendes Element: der Kopf. Die Portraits von Bea Stroppa werden im Ausstellungsraum mit einer Skulptur von Franz Hämmerle kombiniert.

Landsberg – Zwei Malerinnen, ein Bildhauer: Die Ausstellung „Abwesend Anwesend“ in der Zedergalerie zeigt noch bis zum 2. Januar Werke von Mica Knorr-Borocco, Bea Stroppa und Franz Hämmerle. Roter Faden: die Zeit, der Augenblick, die Lebensspanne. Und damit auch das Thema Vergänglichkeit. 

Ausschnitte eines bestimmten Augenblicks möchte die in München lebende Malerin Bea Stroppa mit ihren Portraits bieten. „Die Persönlichkeit wird in ihren Werken zur Momentaufnahme“, erklärt Bert Praxenthaler, Zweiter Vorsitzender des Galerievereins Landsberg, der die Ausstellung mit konzipiert hat. Stroppa biete „Schlagwinkel“ auf ganz bestimmte – seelische – Situationen. Und versuche damit, den Moment einzufangen. Das sei bei einem gemalten Bild nicht so einfach wie etwa bei einer Fotografie, meint Praxenthaler. An einem Bild male man ja schließlich eine Zeitlang. Bei Stroppa funktioniert es. Der Ausdruck in ihren gemalten Gesichtern berührt. Stimmungen, Gefühle, Lebenslagen in Acryl auf Leinwand. Auch stellt sie in Zweier-, Dreier- oder Viererserien dar, wie sich die gleiche Person in einer kurzen Zeitspanne entwickelt – jedes Mal einen ganz anderen Ausdruck annimmt und eine eigene Stimmung wiedergibt. Nicht nur durch den leicht veränderten Gesichtsausdruck, sondern auch durch das Spiel der Hände oder die Stellung der Beine. Das ergebe eine enorme Lebendigkeit, so Praxenthaler.

„Franz Hämmerle ist unser Mystiker“, sagt Praxenthaler. Der Künstler, der in Windach lebt und arbeitet, ist Bildhauer, Theologe und Musiker. Dieser Dreiklang verdichte sein Werk zu künstlerischen Äußerungen, in denen der christliche Glaube spürbar sei. Seine Themen: stets mystisch angehaucht. Gleichzeitig verstehe er sein Handwerk, meint Praxenthaler. Hämmerle arbeitet mit vielen Materialien, etwa Bronze, Stein oder Holz. So wie bei dem „Mantel“, eine Skulptur als Portrait des alten Soldatenmantels seines Vaters, der mit Kettensäge und Meißel aus einem einzigen Baumstamm herausgearbeitet wurde. „Franz ist ein schneller Arbeiter“, sagt Praxenthaler. Er habe eine klare Formvorstellung im Kopf und setze diese meist sehr schnell um. Eine seiner Holzskultpuren, „Männlicher Torso“ hat er sogar als „Eintagwerk“ konzipiert. Kombiniert wird er mit dem „Weiblichen Torso“, einem Werk aus Stein, an dem „man schon länger arbeite“, so Praxenthaler. Mit großer Genauigkeit wurden die noch oben erkennbaren Spitzenmeißelspuren immer feiner ausgearbeitet. Der fein-subtil ausgearbeitete Frauentorso neben dem eher „groben Holzklotz“ des Mannes – hier könne man auch über das Verhältnis Mann-Frau diskutieren, schmunzelt Praxenthaler. Aber es kontrastiere sehr schön, daher die Gegenüberstellung.

Auch die in Utting lebende Malerin Mica Knorr-Borocco, die im letzten Jahr mit dem Kunstpreis des Landkreises Landsberg ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich in ihren Werken mit den Themen Vergänglichkeit, Jugend und dem Verlauf des Lebens. Ausgestellt werden ihre grafischen Arbeiten: Zu bestimmten Themen habe sie eigene Studien durchgeführt, Zeichnungen davon angefertigt – die sie schließlich später zerschnitten und zu einer Collage neu zusammenstellt habe, erklärt Praxenthaler. Dadurch würden äußerst spannungsvolle Arbeiten erzeugt. Auf kräftigen, marmoierten „Elefantehautpapieren“ wende sie eine Mischtechnik an: etwa mit Buntstiften, Pastellkreiden, Bleistiften und darüber geriebenen Farben. „Ihre Grafiken haben eine Subtilität und Intimität“, die ich für das Thema ‚Abwesend Anwesend‘ genau richtig fand“, so Praxenthaler. In einer eher lockeren, schnell gezeichneten Serie – einfach Tusche und etwas Farbe – bilde sie Alltagsszenen ab. Auch hier wieder Momentsituationen. Beobachtet etwa im Caféhaus oder auf dem Markt in Landsberg. Hier kann man sich immer wieder in Kleinigkeiten vertiefen.

Wie üblich in den Ausstellungen der Zedergalerie werden die Künstler in den einzelnen Galerieräumen in Kombination zueinander gesetzt. „Durch die Gegenüberstellungen entstehen stets neue Bezüge und damit andere Aspekte“, sagt Praxenthaler. Mit zum Teil persönlichen Elementen und immer wieder der Zeitschiene, die erkennbar hineinspiele: von Jung zu Alt. In jedem Raum schwinge das mit, so Praxenthaler, selbst Bildhauer und Kunsthistoriker.

Abwesend. Anwesend. Ein Versuch in der Kunst, unsere Lebensspanne darzustellen. „Irgendwann sind wir abwesend – wollen aber für die Nachwelt anwesend sein, in Erinnerung bleiben“, erklärt er. Und auch ein Versuch, die Faszination der Vergänglichkeit, aber auch des Augenblicks, einzufangen. Ein philosophischer Zugang.

Alles in der Ausstellung sei durchdacht. „Wir wollen ja nicht nur Bilder an die Wand hängen, sondern Spannung erzeugen.“ Bei allen Werken sei es jedoch wichtig, in die „Sache einzutauchen“, sich Zeit zu nehmen. Das geht noch bis zum 2. Januar. Bis dahin gibt es hier immer wieder Neues zu entdecken. Man muss sich nur darauf einlassen.
Andrea Schmelzle

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