"Demoversion Stadtmuseum" lädt Landsberger zum Mitmachen ein

Welches Museum wollen wir?

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Die Ausstellung „Demoversion Stadtmuseum“ ist ein gelungenes Mitmach-Projekt. Das „Objektzimmer“ lädt zur Entdeckungsreise ein: Zehn Themen werden anhand von ausgewählten Stücken vorgestellt.

Landsberg – Der Museumsbesuch. Bilder an Wänden, Objekte hinter Glas. Schildchen mit Miniaturschrift. Aha. Dann mal weiter. Noch zehn Uniformen, noch eine Kanonenkugel. Dauerausstellungen in Stadtmuseen können trostlos sein. Die des Neuen Stadtmuseums verspricht, anders zu werden: Denn alle dürfen mitgestalten. Wie? Einfach die Sonderausstellung „Demoversion Stadtmuseum“ besuchen: ein pädagogisches Überraschungs-Ei mit Information, Spannung und Spiel.

Das Design passt: Paletten und Schilder, die an Hanfschnur von der Decke baumeln. Ein Provisorium. Im ersten Zimmer erläutert ein Film das Konzept: Stellvertreterobjekte für zehn Themen, Besucher dürfen wählen, ausprobieren, wünschen.

Der zweite Raum wirkt neu. Das Museums­team hat die Wände dunkelblau gestrichen. Die angestrahlten Ausstellungsstücke leuchten. Eine Kammer voller Farben und Formen: Am Eingang ein großes Altarbild, senkrecht dazu ein Scholle-Bild. Entlang diesem T die anderen acht Objekte, die jeweils ein die Stadtgeschichte prägendes Thema symbolisieren. „Es geht hier um lokale Themen, aber auch um Themen mit internationaler Strahlkraft wie zum Beispiel die Jesuiten“, erläutert Museumsleiterin Sonia Fischer.

Da ist Alois Wolfmüllers Gleiter, sein Traum vom Fliegen. Permanenter Geldmangel verhinderte die Patentanmeldung – und so machten die Brüder Wright das Rennen. Wolfmüller steht für Erfindergeist. Da ist das Thema „Kuriosita“, eine Gemischtwarensammlung aus Objekten, von denen nicht immer klar ist, warum sie in der Museumssammlung sind. Ein Tischfeuerzeug in Form eines römischen Rundtempels. Eine Geldkatze, Hungerbrot, Stubenzeichen. Dinge, die den Alltag der Vergangenheit lebendig machen. Oder das Modell „Forum der Jugend“. Geplant in der Zeit des Nationalsozialismus, mit einer breiten Allee von der „Führerzelle“ bis zum überdimensionierten Forum. Größer als der gesamte Altstadtbereich sollte es werden – wahrhaft monströs. Wie umgehen mit Objekten aus der NS-Zeit? Was tun, wenn die Provenienz unbekannt ist, da niemand etwas sagen will oder jeder etwas anderes behauptet? „Auch beim Thema Amerikanisierung haben wir wenig Zeitzeugen“, sagt Fischer. Für dieses Thema steht – natürlich – die ­Jukebox, die per Knopfdruck Hits von damals im Nebenzimmer abspielt.

Im dritten Raum, einer Art Spielzimmer, können Besucher ihre Erinnerungen an diese Zeiten notieren. „Jede Erinnerung zählt, auch wenn sie unwichtig erscheint“, bittet Fischer. Hier findet der Besucher die Medienstation. Mal schnell in das auf dem Altarbild abgebildete Stadtbild Landsbergs hinein zoomen: Überraschend detailliert ist das, bis hin zum Flößermännchen. Das Thema „Jesuiten“ kann virtuell per Reisespiel erfahren werden. Am Leuchttisch entstehen barocke Kunstwerke, per Fotoprojektion kann man sein Konterfei ins Scholle-Bild einfügen. An der Decke Ruethenzweige: Im 19. Jahrhundert waren die beim Ruethenfest nachgespielten Szenen variabel. Warum also nicht mal was Neues?

„Demo steht auch für ‚Demos‘, griechisch für Volk“, betont Fischer. Deshalb der Untertitel „Landsberg plant sein Museum.“ Ganz Landsberg, denn es wird für alle gesellschaftlichen Gruppen Workshops geben. Das Konzept des Themen-Testens ist ein Pilotprojekt, weshalb auch der Bayerische Kulturfonds, die Landesstelle für nichtstaatliche Museen und der Bezirk Oberbayern mitgefördert hat. Wünschen ist gefragt. „Wollen Sie Vorträge, ein Café?“ Dazu braucht es zwar ein bisschen Zeit, denn der auszufüllende Fragebogen ist nicht kurz. Aber die Arbeit wird belohnt: Es gibt drei orangene Punkte, die jeder seinen Lieblingsthemen zuordnen darf. Nach der Vernissage sind zwei Negativ-Favoriten auszumachen: „Ruethenfest“ und „Kirchenkalender“ gehen leer aus.

Fischer sieht in der Dauerausstellung das „kollektive Gedächtnis der Stadt“. Auch Kulturreferent Axel Flörke betont die Notwendigkeit eines Stadtmuseums. Umfrageergebnisse von „Landsberg 2035“ zeigten, dass das Museum „grundlegend gefordert wird“. Auch fürs Renommee der Stadt ein positiver Aspekt: Man sei schon im Gespräch bezüglich der bayerischen Landesausstellung. Bezüglich des Standorts werde eine Wiedereröffnung gewünscht – also Helfensteingasse. „Das Gebäude ist eine historische Gegebenheit. Es war eine Bildungsinstitution und sollte auch eine bleiben“, argumentiert Flörke. „Ich werde für diesen Standort kämpfen.“ Die Ausstellung geht bis zum 31. ­Januar 2018.

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