Sprechende Bilder

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Die jugendlichen Flüchtlinge stellten sich mit wenig Worten und vielen Bildern bei der Ausstellung „Jenseits der Worte“ vor. Betreut wurde der Kurs Powerpainting von der Waaler Künstlerin Diana Angela (rechts).Foto: Greiner

Landsberg – Schneebedeckte Berggipfel, ausdrucksstarke Selbstporträts, überfüllte Boote und Tote am Strand. Es waren ungewöhnliche Bilder, die den Besucher der Ausstellung in der Säulenhalle empfingen. Vom Strichmännchen bis zum abstrakten Gemälde war alles zu finden. Entstanden sind die Bilder bei einem Powerpainting-Projekt, das die Künstlerin Diana Angela für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge anbietet, die durch das SOS-Kinderdorf im Landkreis betreut werden.

Das Projekt soll den Jugendlichen die Möglichkeit geben, „mal nicht funktionieren zu müssen“, beschreibt Angela. Ein Raum, „wo sie nicht den Erwartungen, die sie selbst an sich und die andere an sie haben, gerecht werden müssen.“ Zudem gebe es den Jugendlichen die Chance, ihre Erinnerungen und auch Traumatisierungen verarbeiten zu können. Denn dafür sei Kommunikation wichtig, die hier ohne Worte stattfinden könne. Fast alle der Jugendlichen sind zur Vernissage gekommen. Einer ist schon fast zwei Jahre hier, ein anderer nur wenige Monate.

Manche können bereits so gut Deutsch, dass sie von sich und ihren Zielen erzählen können: Einer möchte Automechaniker werden, ein anderer Modedesigner, einer macht gerade das Abitur und will danach studieren. Andere können erst ein paar Worte der völlig fremden Sprache. Aber die Bilder sagen genug. Die Pubertät haben diese Menschen übersprungen: Sie müssen alleine in einem fremden Land ohne Familie Verantwortung für sich übernehmen.

Andererseits zeigen viele der Bilder, dass es eben doch auch noch „Jungs“ sind, keine Männer: Es gibt Gemälde, die ganz naiv Häuser, Sportplatz oder Freibad zeigen. Auf anderen sind ein zähnefletschender Hund, ein überfülltes Boot in hohen Wellen, Männer mit Gewehren zu sehen. Zwei große Gemeinschaftsbilder haben zentrale Themen: Auf einem steht groß das Wort „Asyl“, das y ist dabei zum Peace-Zeichen geworden. Das andere dreht sich schlicht um Wasser. Den Jugendlichen hat das Projekt Spaß gemacht.

Auf der Vernissage suchen sie den Kontakt mit den Besuchern, freuen sich über das große Interesse. „Das Projekt ist ein erster Schritt zur Integration“, urteilte auch Landrat Thomas Eichinger. Er dankte dem SOS-Kinderdorf, das „auch den bis Ende des Jahres erwarteten 140 Jugendlichen eine menschenwürdige, jugendgerechte Betreuung „ ermögliche, ebenso dem Projekt Sternenwünsche des Rotary Clubs Ammersee Rosenstraße, das den Kurs bei Diana Angela finanzierte. Auf die Frage, ob nicht das Landratsamt ein oder mehrere Bilder kaufen wolle, um den Erlös zum Beispiel für ein Fest dem SOS-Kinderdorf spenden wolle, sagte Eichinger nicht nein. Zudem wolle man mit dem Lions- und Rotary-Club bei einem zeitnahen Treffen über weitere Aktionen für eine sinnvolle Integration sprechen.

Das Powerpainting-Projekt ist einer der vielen Wege zur Integration. Es gibt den Jugendlichen Freiraum, es kann helfen, Traumata zu überwinden und es fördert die Kommunikation. Vor allem zeigt es neben Ängsten und Erinnerungen auch die Hoffnungen der Jugendlichen: Auf ein Haus mit Tisch und Bett, auf eine Freundin, auf das Wiedersehen mit der Familie. Auf etwas für uns ganz normales: Ein Leben ohne Furcht.

Susanne Greiner

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