Bonbons fürs Auge

"Wirklich - Real"  zweite Ausstellung des Landsberger Galerievereins

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Die zweite Ausstellung des Landsberger Galerievereins „Wirklich • Real“ in der Zedergalerie zeigt Arbeiten von Thomas Beecht (1. von links) und Burkhard Niesel (2. v. links). Die EInführung hielt Bert Praxenthaler (1. von rechts).

Landsberg – Sieht aus wie ein Foto, ist aber keins. Zu erkennen, sobald man die Distanz zwischen Auge und Leinwand verringert. Die zweite Ausstellung des Galerievereins Landsberg heftet sich den Titel „Wirklich • Real“ ans Revers. Und präsentiert die Arbeiten zweier weit über den Landkreis bekannter Künstler: Thomas Beecht und Burkhard Niesel. Deren großformatige Arbeiten füllen die diversen Zedergalerie-Abteile noch bis zum 2. November.

„Die Ausstellung ist eigentlich eine Verlängerung des Urlaubs“, beschreibt Oberbürgermeister Mathias Neuner seinen Eindruck bei der Vernissage am vergangenen Donnerstag. Und spielt auf die ‚schönen‘ Landschaften an, die beide Künstler in den Fokus gestellt und auf Leinwand gebannt haben. Zum Beispiel ein flächiges und zugleich unendlich scheinendes „Wattenmeer“, daneben leere „Salzwiesen“, beides Arbeiten von Niesel. Oder Beechts ‚Waldarbeiten‘ wie das farblich stark reduzierte „Tanne“ in hellbraun und grün, auf dem der Künstler durch Beige einen transparent scheinenden Lichteinfall setzt. Ganz im Gegensatz zu seiner „Lichtung“, aus der die Farbe herauszuquellen scheint.

Er überlege sich, ob die Stadt nicht eines der Bilder kaufen solle, sinniert Neuner. Denn ja, die Arbeiten der beiden in Hessen geborenen Künstler sind Bonbons fürs Auge. Und scheinen die Realität abzubilden. Stärker könnte der Gegensatz zu den „Good Vibrations“ mit ihrer informellen Kunst, der ersten Ausstellung des Galerievereins, kaum sein. Und gerade deshalb ist „Wirklich • Real“ eine perfekte Ergänzung zur informellen Abstraktion.

„Ist realistische Malerei nicht aus der Zeit gefallen?“, fragt der 2. Vereinsvorsitzende Bert Praxenthaler in seiner Einführung. „Ist sie von vorgestern? Oder vielleicht doch ihrer Zeit weit voraus?“ So hatten sich die Künstler des Realismus im 19. Jahrhundert zur Aufgabe gesetzt, nicht romantische Verklärung, sondern ungeschönten Alltag zu zeigen. Weshalb ihnen Friedrich Schiller einen Mangel an Fantasie unterstellte. Heutige realistische Malerei sei aber nicht Malerei des Realismus, so Praxenthaler. Vielmehr gehe es um das Hinterfragen unserer Wahrnehmung.

So fotografieren beide Künstler Ausschnitte in der Natur, die sie danach zuhause in Öl festhalten. „Malen sie also nur Fotos ab?“, fragt Praxenthaler. Natürlich nicht. Denn was aus der Ferne wie ein reales Stück Natur wirkt, lösen Beecht und Niesel in Striche, Punkte, Flächen auf. Beecht eher expressiv, Niesel in subtil abgestuften Farbflächen. Sie erschaffen so Strukturen, die unser Hirn aus etwas Distanz zur vermeintlichen Realität zusammensetzt. Woraus sich zwei Fragen ergeben: Was ist unsere Wahnehmung? Und vor allem: Was ist Realität?

Die Ausstellung „Wirklich • Real“ ist noch bis zum 2. November zu sehen. Man plane Vorträge, eventuell auch Kurse mit den Künstlern, stellt die erste Vereinsvorsitzende Silvia Großkopf in Aussicht. Mehr Informationen gibt es unter www.galerieverein.de.

Susanne Greiner

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