Raum für Kunst

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Neue Blickwinkel eröffnen sich bei der RBK- Ausstellung in der Stadtverwaltung: Die geradlinige Architektur macht Raum für Kunst.

Landsberg – „Vor zwei Jahren war es noch der RBK, der auf die Stadtverwaltung zuging“, erzählt Kunsthistorikerin Urte Ehlers. Dieses Mal ging die Stadt auf den Regionalverband Bildender Künstler zu und fragte, ob eine Ausstellung in dem Verwaltungsgebäude möglich wäre. Eine gute Idee: Die hellen Galerien lassen die Werke der RBK-Künstler wirken.

Ob der Pass verlängert werden oder ein Gewerbe angemeldet werden muss: Wer bis zum 18. Dezember das Verwaltungsgebäude der Stadt betritt, sollte etwas Zeit mitbringen. Über drei Stockwerke erstreckt sich die Ausstellung des RBK, insgesamt sind Werke von 27 Künstlern zu sehen. Bestechend gleich gegenüber des Eingangs Otto Scherers Werk „Schwarz, Rot, Gold“, eine Flagge aus Kacheln: „Wir haben sie sicherheitshalber mit drei Stahlseilen befestigt“, erzählt erste Vorsitzende des RBK Silvia Großkopf. „Wäre schön, wenn sie da hängenbleiben könnte.“

Großkopf ist von der Ausstellung in einem öffentlichen Verwaltungsgebäude begeistert. Durch die „doppelte“ Nutzung werde die Hemmschwelle für Kunst herabgesetzt: „So erreichen wir auch ein Publikum, das normalerweise nicht in Ausstellungen geht.“ Die Galerien sind allerdings nicht gerade breit. Das Betrachten eines Bildes mit einem gewissen Abstand ist kaum möglich – es sei denn, man wechselt die Seite und schaut sich die Bilder von gegenüber an. Großkopf sieht auch das positiv: „So müssen die Besucher selber aktiv werden und nehmen viel mehr auf.“

Die ausgestellten Werke sind abwechslungsreich: abstrakte „Farbsonaten“ von Marlen Labus, eine feinziselierte Radierung eines Blattes von Bert Praxenthaler, expressionistische Köpfe von Katharina Schellenberger oder auch Wolfgang Bauers verfremdete Fotografien. Skulpturen gibt es neben der „Kachelflagge“ nur noch eine von Erik Urbschat: In den Fluren durften keine Skulpturen aufgestellt werden, die Sicherheitsbestimmungen in einem Verwaltungsgebäude müssen eingehalten werden.

Kunst auf den Gängen

Oberbürgermeister Mathias Neuner freut sich, wieder Kunst auf den Gängen zu haben: „Die Ausstellung vor zwei Jahren war ein großer Erfolg, bei Besuchern und denen, die hier arbeiten.“ Das Gebäude biete einen guten Raum für Kunst. Auch im Vorspann sei es spannend gewesen, als die Werke gehängt wurden: „Insbesondere die Flagge war nicht ganz einfach.“ Vielleicht sollte sie wirklich hängenbleiben, aber dafür müsste die Verwaltung das gute Stück kaufen – das teuerste der ganzen Ausstellung. Doch warum braucht die Verwaltung überhaupt Kunst? Diese Frage stellte sich Kunsthistorikerin Urte Ehlers: „Geht es nur darum, auf den Gängen ein bisschen hübsche Deko zu haben?“

Das wäre ja auch mit Plakaten oder Drucken möglich gewesen. Doch diese hätten in einer digitalen Welt, in der jeder andauernd mit unzähligen Fotos bombardiert werde, keinen besonderen Wert mehr. „Vielmehr braucht man offensichtlich das Händische, das Künstlerische, um nicht in der Bilderflut zu ersticken.“ Diese Aspekte verkörperten für den Menschen Sinnlichkeit und Greifbarkeit in einer, so Ehlers, „verwaltungsoptimierten Welt“. Zur Vernissage waren nicht allzu viele Besucher gekommen. Es bleibt zu hoffen, dass die Ausstellung noch mehr Beachtung findet – auf jeden Fall versüßt sie jedem den manchmal lästigen Behördengang.

Susanne Greiner

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