Ein Ausweis fürs soziale Leben

Andernorts gibt es sie bereits. Nun bemühen sich auch die Wohlfahrtsverbände im Landkreis um ihre Einführung: Die „Sozialcard“ soll es Hartz IV-Empfängern und Bürgern mit geringem Einkommen künftig erleichtern, ihre Hilfsbedürftigkeit nachzuweisen. Auch Vergünstigungen in öffentlichen und privaten Einrichtungen sind für Karteninhaber im Gespräch. Ende September will der Arbeitskreis der freien Wohlfahrtsverbände das Projekt den politischen Entscheidungsträgern vorstellen.

Der Gedanke an sich ist einfach: Statt einem Wust an unterschiedlichsten Formularen, reichen Betroffenen künftig der Personalausweis und die Sozialcard, um ihre Hilfsbedürftigkeit nachweisen zu können. Das bedeute vor allem für soziale Einrichtungen wie der Landsberger Tafel oder dem Kleiderladen des Roten Kreuzes eine deutliche Erleichterung des bürokratischen Aufwands, erklärt Alois Handwerker. Der Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes ist Sprecher des Arbeitskreises freier Wohlfahrtsverbände, der sich seit Ende vergangenen Jahres mit der Idee einer Sozialcard für den Landkreis beschäftigt. Neu ist das Ganze nicht: In anderen Regionen und Städten wie Hamburg, Erding oder Bad Tölz ist die Sozialcard längst gängige Praxis. Auch in Augsburg wird die Einführung derzeit geprüft. Handwerker und seine Mitstreiter wollen sich daher an den bereits bestehenden Konzepten orientieren. Neben den Empfängern von Grundsicherung, Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II sollen etwa – wie in Bad Tölz – auch gering verdienende Bürger und Rentner, deren Einkommen nach Abzug der Miete das 1,25-fache des Sozialhilferegelsatzes nicht übersteigt, die Karte erhalten. Noch seien all das nur Gedankenspiele, schränkt Handwerker ein, und doch denkt der Sprecher des Arbeitskreises bereits weiter. So könnte der neue Ausweis künftig als eine Art Rabattkarte dienen, um den Hilfsbedürftigen beispielsweise einen ermäßigten Eintritt zu kulturellen Veranstaltungen, Kino oder Bädern zu ermöglichen. Auch eine reduzierte Mitgliedschaft in Sportvereinen sei vorstellbar. „Unser Ziel ist es, dass auch Bürger mit geringem Einkommen am sozialen und kulturellen Leben teilhaben können“, sagt Handwerker. Im Landkreis Bad Tölz-Wolf­ratshausen ist ein solches Rabattsystem schon Praxis. Inhabern der Sozialcard gewährt die Stadt Wolfratshausen eine Reihe von Vergünstigungen bei eigenen Veranstaltungen. In Bad Tölz ist unter anderem der Eintritt in das Stadtmuseum und die Benutzung der Bibliothek kostenlos. Auch die umliegenden Gemeinden bieten Leistungen zu reduzierten Preisen an. In Lenggries beispielsweise können Kinder mit der Sozialkarte kostenfrei die Brauneckbergbahn benutzen. Handwerker hofft, dass auch im hiesigen Landkreis neben der Stadt Landsberg die umliegenden Kommunen in das geplante Projekt einsteigen. Erste Sondierungsgespräche mit den politischen Entscheidungsträgern hat der Arbeitskreis bereits geführt. Sowohl der Landsberger Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) als auch Landrat Walter Eichner (CSU) seien „nicht uninteressiert“, berichtet Handwerker. Konkrete Gespräche mit potentiellen Partnern sollen aber erst nach der Projektpräsentation Ende September beginnen: „Dann wird allen klarer sein, was wir wollen.“ Die Einführung der Sozialkarte dürfte auch davon abhängen, wie teuer das Projekt die Beteiligten kommt. Handwerker jedenfalls sieht die geplanten Ermäßigungen nicht als Einnahmeverlust für die Anbieter, im Gegenteil. Denn schließlich würden dadurch Personen die Angebote wie Kino oder Inselbad wahrnehmen, „die sich das ansonsten gar nicht leisten könnten“, erklärt der Sprecher.

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