Kluftinger im Märchenwald

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Die zwei Erfolgsautoren vor heimatlicher Allgäukulisse: Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel hatten sichtlich Spaß bei der Lesung aus ihrem aktuellen Krimi. Aber erst nach der Pause konnten sie das Publikum richtig begeistern.

Landsberg – „Der Voralpencolumbo mit der Eloquenz des Bärenmarkebären“, so beurteilte ein Kritiker 2007 Kommissar Kluftinger, den verschrobenen Helden des Autorenduos Michael Kobr und Volker Klüpfel. Die Kritik damals war fatal, was die zwei Autoren nicht davon abhält, sie dennoch auf ihrer Homepage einzustellen. Warum auch nicht, der Erfolg gibt den Beiden recht: Ihre Krimis sind wochenlang in der Bestsellerliste vertreten. Seit einiger Zeit touren die Allgäuer Autoren nun auch mit ihrer Lesungs-Comedy-Show „My Klufti“ durch Deutschland. Das ist teilweise brüllendkomisch. Teilweise aber auch ein bisschen bräsig, dumpf und bieder – wie Kluftinger eben.

„Für unseren aktuellen Krimi „Grimmbart“ haben wir tatsächlich insgesamt mindestens eine Stunde recherchiert“, gibt Michael Kobr zu. Und dabei haben die beiden Allgäuer eine wissenschaftliche Sensation entdeckt: Die Gebrüder Grimm haben ihre Märchen nur abgeschrieben – natürlich von zwei Allgäuern. Den Schneizelsberger-Brüdern. „Frau Holle“ hieß eigentlich gar nicht so, sondern „Frau Hartmannsberger“.

Und weil das zwei Allgäuer waren, ist „Grimmbart“ nach dem Vorbild eines Märchens geschrieben. Natürlich spielt die Handlung wieder im Allgäu, im etwas heruntergekommenen Märchenwald und dem Schloss Grönenbach. Mit verteilten Rollen lesen die beiden Autoren aus dem Roman, wobei mal der eine, mal der andere in die Rolle Kluftingers schlüpft. Der Witz des Krimis liegt vor allem in den kulturellen Widersprüchen: Die Japanerin Yumiko und Kluftingers Sohn Markus heiraten, Yumikos Familie aus Japan kommt zu Besuch. Wenn Yumikos Vater sich in Kluftingers Badewasser breit macht, weil das eben so in Japan Sitte ist, dann hat man ganz deutlich Bilder im Kopf, wie das wohl aussehen mag.

Die Autoren bauen das Geschriebene mit Grimassen aus, Klüpfel ahmt die Geräusche nach, die beiden werfen sich gegenseitig die Pointen zu: Das wirkt spontan, echt und macht richtig Spaß. Aber zwischen den Krimilesungen haben Kobr und Klüpfel noch Lesungen aus einem Märchenbuch eingebaut. Da sitzt einer der Autoren im ledernen Ohrensessel und liest die Allgäuer Variante der bekannten Märchen vor. Währenddessen wird ein Filmchen gezeigt, in dem der andere Autor das Märchen nachspielt. Die Witze dabei drehen sich eigentlich nur um zu viel Körperfülle und zu wenig Haarpracht. Mehr ist da nicht. Das wird auf Dauer doch eher fad. Und warum Filme in einer Live-Show?

Man hat fast das Gefühl, als ob die Märchen nicht nur die Stimmung des Publikums ausbremsen, sondern auch die zwei Autoren. Denn nach der Pause waren die Märchen fast verschwunden. Und die Stimmung stieg. Dabei können die zwei Schreiberlinge doch auch anders: Wenn sie die Fragezettel vorlesen, die Zuschauer in der Pause ausfüllen konnten, zum Beispiel. Warum ist Erika nicht netter zu ihrem Mann Klufti? „Wir können auch nur das beschreiben, was wir kennen.“ Oder auch die Zugabe: Wenn Kobr mit seiner Geige und Klüpfel mit der Pauke einen Singwettstreit mit dem Publikum veranstalten, lacht der ganze Saal.

Und wenn Klüpfel sein Mikro mit dem Schlägel der Pauke verwechselt, was Kobr süffisant kommentiert, dann steigen dem Publikum vor Lachen die Tränen in die Augen. Weniger Märchen, mehr Lesung – und die Stimmung wäre vielleicht von Anfang an entspannter gewesen.

Susanne Greiner

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