Gib Gummi, Junge!

Autorennen am Landsberger Fachmarktzentrum

+
Lange, gerade Straßen: Der Parkplatz am Fachmarktzentrum wird nachts zur Rennstrecke.

Landsberg – Quietschende Reifen, knallende Auspuffrohre, röhrende Motoren: Lärm, den Anwohner beim Fachmarktzentrum im Landsberger Osten immer häufiger zu hören bekommen. Vor allem nachts. Die Verursacher: Jugendliche, die sich auf dem Parkplatz des Fachmarktcenters treffen. Waren es anfangs nur laute Gespräche und Musik sowie das stolze Herzeigen des aufgemotzten Karrens, vertreiben sich die Jugendlichen inzwischen immer häufiger die Zeit mit Rennen. Eines davon hatte Ende Mai sogar einen Unfall mit hohem Sachschaden zur Folge.

Die an diesem Unfall Beteiligten, ein 18- und ein 17-Jähriger, erzeugten beim Versuch zu driften einen Totalschaden. Beim Auto waren es rund 8.000 Euro, beim Einkaufswagenhäuschen, gegen das der Drifter knallte, zersplitterte die Verglasung und die Stahlkonstruktion verbog sich – Sachschaden hier rund 5.000 Euro.

„Wir bemerken diese Rennen im Moment vermehrt“, sagt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Landsberg Michael Strohmeier. „Das schwappt aus den Landkreisen Augsburg und Fürstenfeldbruck zu uns rüber.“ Bisher hätten die Jugendlichen nur ‚gepost‘, auf die Rennen, die offensichtlich gefahren würden, sei man erst durch den Unfall aufmerksam geworden. „Momentan sind wir noch in der Sichtungsphase. Wir sammeln. Und wir brauchen Zeugen.“

Die Jugendlichen träfen sich oft zuerst an Tankstellen, zum Beispiel in Landsberg oder auch in Hurlach. Eine Idee Strohmeiers ist deshalb, die Kommunen dazu aufzurufen, mit den Tankstellenbesitzern zu sprechen. „Wenn die nicht mitmachen, wird‘s schwierig. Weil wir bekommen es meistens erst im Nachhinein mit – wenn man nur noch den Reifenabrieb auf der Straße sieht.“ Weshalb bisher noch keiner der ‚Nachwuchs-Schumis‘ erwischt wurde.

Sobald man ein Rennen feststelle, könne auch eine Ahndung stattfinden, da es in der Straßenverkehrsordnung als „übermäßige Straßenbenutzung“ gewertet werde, konkretisiert Strohmeier: „Die Teilnahme an solchen Rennen ist seit 2017 eine Straftat und kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe bewehrt werden.“ Auch der Lappen ist dann in Gefahr.

Bei dem Parkplatz handelt es sich allerdings nicht um öffentlichen Raum. Das gesamte Gelände gehört der R+V Versicherung. Auch hier habe man erst durch den Unfall von den Rennen erfahren, teilt Pressesprecherin der R+V Versicherung AG Tanja Gorr aus Wiesbaden mit. „Wir haben nun einen privaten Wachschutz mit der Bestreifung des Geländes beauftragt.“ Eine Absperrung des Parkplatzes sei nicht geplant.

Das Facility-Management-Unternehmen in der Nachbarschaft des Fachmarktzentrums, das sich um das Gelände kümmert, verweist ebenfalls auf den geplanten Sicherheitsdienst. Weitere Aussagen zu dem Geschehen auf dem Parkplatz wolle man aber nicht machen.

Getunte Autos legal?

Nicht nur am Parkplatz ist der Lärm rasender Autos zu hören. Auch am Hauptplatz quietschen in lauen Sommernächten die Reifen und die Klappenauspuffanlagen werden durch Gasgeben aktiviert – damit‘s auch richtig knallt und hallt. Manch einer fragt sich, ob diese getunten Autos so zugelassen werden dürfen. Die umfassende Kontrolle eines solchen Fahrzeugs mit „dickem Buch“, in dem alle Zusatzeinbauten eingetragen sind, dauere aber mindestens drei Stunden, sagt Michael Strohmeier. Zudem brauche er dafür Beamte, die sich auf diesem Gebiet auskennen – was darf angebaut werden oder verändert werden, muss da der TÜV abnehmen und stimmt das eingebaute Teil überhaupt mit dem im Buch genanten wirklich überein. Mindestens 30 Polizisten wären nötig, wenn man zeitgleich mehrere Fahrzeuge an unterschiedlichen Orten kontrollieren wolle, „und die habe ich nicht“. Momentan prüfe man aber stichprobenartig.

Allerdings: Das mehrmalige Durchfahren der Hubert-von-Herkomer-Straße am Hauptplatz ist an sich schon eine Ordnungswidrigkeit: „Unnützes Hin- und Herfahren ist innerhalb geschlossener Ortschaften verboten“, zitiert Strohmeier die StVO. Man müsse den Rasern aber nachweisen und auch dokumentieren, dass die selben Fahrer „fünf- bis zehnmal innerhalb von zehn Minuten ohne Sinn und Zweck über den Hauptplatz gedonnert sind“. Um den Besitzern hier den Führerschein zu entziehen – was als Akt mit ‚erheblicher Folge für den Betroffenen‘ gilt –, benötige die Führerscheinstelle mehrere Anzeigenpunkte, um die Maßnahme auch bei Bedarf vor Gericht verteidigen zu können: „Vorher passiert da nichts“.
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company

Kommentare