Wie die Wachtel am Morgen

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Axel Hacke in der Kauferinger Lechauturnhalle: Der 60-Jährige begeisterte sein Publikum mit Alltagsbeobachtungen und skurriler Fantasie.

Kaufering – Nikoläuse, die das ganze Jahr über Handelsvertreter spielen müssen. Kleine, fette Könige, die immer noch kleiner werden. Oder auch Büroelefanten, die ungefähr 25 Zentimeter groß sind: Axel Hackes Universum ist bunt. Sehr bunt. Denn natürlich hat da auch noch der ältere Herr namens Gott Platz. Der hat auch schon mal eine Welt erschaffen, die nur aus 23-jährigen Sekretärinnen bestand. Oder die 1-Mann-an-1-Schreibtisch Welt. Unschlagbar bleibt Hacke aber vor allem in seinen Kolumnen, die der 60-jährige Schriftsteller aus Alltagsbeobachtungen zaubert.

Turnhallen sind nicht so Hackes Ding. Als er seinen Auftritt in der ausverkauften Kauferinger Lechauhalle beginnt, schlägt er dem Publikum vor, nach seiner Lesung doch noch ein bisschen Basketball zu spielen. Stimmt schon, lauschig ist es nicht gerade. Zum Signieren ein Resopaltisch samt Holzstuhl. Auf der Bühne ein Stuhl neben einem improvisierten Tischchen. Doch das Publikum vergisst schnell, wo es sich befindet. Hacke entführt es in eine bunte Welt der Fantasie und des skurrilen Humors. Er erntet ausuferndes Lachen. Vor allem das einer Dame sticht heraus, ganz deutlich: „Sie nehme ich auf meine Lesereise mit, so etwas hab ich noch nie gehört.“

Er erzählt von den ersten Entwürfen seines Illustrators Michael Sowa für den kleinen, fetten König Dezember: „Der erste Entwurf sah aus wie Franz-Josef Strauß. Der zweite wie Kater Carlo. Das war schon besser.“ Der dritte war es dann: wie Laurel Hardy, genau so habe Hacke sich den fetten König vorgestellt. Das Wort „fett“ sagt Hacke gerne. Nahezu wollüstig. Auch sonst scheinen ihm die Worte auf der Zunge zu zergehen. „Röntgte, vier Konsonanten hintereinander, das habe ich schon heute Morgen geübt.“ In Münster hätte er es leichter, da „rönchte man“ eben. Oder in Windisch-Eschenbach mit „rènchde“. „Und in Oberbayern sagt man einfach: Mir ham’s durchleicht“, schließt Hacke seinen Sprachatlas.

Zurück zu Sowa. Der Künstler hat auch Hackes aktuelles Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ illustriert, auch den Titel. Da ist ein rauchender Hund drauf. „Katzen rauchen ja nicht, aber Hunde ziehen schon mal gerne einen durch. Aber in meinem Buch kommt gar kein rauchender Hund vor.“ Deshalb habe Hacke den nachträglich reingeschrieben. Das könne er gut, denn schon beim Streiflicht in der Süddeutschen kamen immer Einwürfe der Kollegen, die in einem Beitrag vorkommen mussten. Naheliegende Worte wie „herzallerliebstes Jesulein“ beim Thema Helmut Kohl. Er sei also geübt und könne auch einen rauchenden Hund ins Grundgesetz reinschreiben, „das merkt nicht mal das Bundesverfassungsgericht“.

In den Kolumnen der Süddeutschen menschelt es sehr. Da liegt monatelang eine Weihnachtskugel auf dem Schrank. Die sollte in den Keller. Oder besser: „Die muss hier weggeräumt werden“, formuliert im sogenannten Partnerschaftspassiv. Oder eben der 50 Jahre alte Bosch-Kühlschrank, der vierte Bewohner im Haushalt Hacke. „Kühlschränke sind hervorragende Gesprächspartner, da gibt es immer was Kaltes zu trinken.“

Und natürlich die Verhörer: Hacke meldete in seiner Kolumne einen Leser, der, statt „Welch ein Singen, Musizieren“ „Welchlein singen, musizieren“ verstanden habe. Bei der nächsten Vogelzählung in Bayern sei auf Platz 105 tatsächlich ein Welchlein aufgetaucht – weshalb sich Hacke größenwahnsinnig als Schöpfer sieht. Gemeldet wurde dieser Vogel beim Landesbund für Vogelschutz tatsächlich. Allerdings in München. Da lebt ja bekanntlich der Schriftsteller.

Roland Kaisers Lieder neigen auch zum Missverständnis. In „Santa Maria“ singt er von der Frau, die „schön wie ein erwachender Morgen“ sei. „Und der sich da verhört hat, hat es verbessert! Es geht ja um Liebe!“, und da sei es doch weitaus eindrucksvoller, wenn jemand aufwache und liebevoll die Frau neben sich als „schön wie eine Wachtel am Morgen“ bezeichne. Und erst Grönemeyer. Wenn der Flugzeuge im Bauch habe, so sei dies zwar poetisch und irgendwie edel, aber „Fruchtzwerge im Bauch zeugt doch von einer klaren Logik!“

Das Publikum erfährt sogar, was in der Kolumne am kommenden Freitag erscheinen wird: Hacke und Gott treffen sich im Café, beide lesen sie die düsteren Meldungen in den aktuellen Zeitungen. „So düster war’s noch nie“, meint Hacke. „Naja“ sagt Gott. Was Gott denn dieses Weihnachten so mache. „Keine Ahnung, ich lebe ja allein.“ Dann solle er doch mit zu ihnen nachhause kommen, schlägt Hacke vor. „Und so werden wir dieses Jahr Weihnachten mit Gott feiern.“

Ein humorvoller Abend mit einem gutgelaunten Autor und begeistertem Publikum. Trotz Turnhallenromantik.

Susanne Greiner

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