Die Liebe zum Menschen

LTT im Stadttheater: Ayad Akhtars „The Who and The What“

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"The Who and The What" vom Ayad Akhtar in der Inszenierung des LTT dreht sich um die Themen Liebe und Glaube - in kluger Art und Weise.
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"The Who and The What" vom Ayad Akhtar in der Inszenierung des LTT dreht sich um die Themen Liebe und Glaube - in kluger Art und Weise.
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"The Who and The What" vom Ayad Akhtar in der Inszenierung des LTT dreht sich um die Themen Liebe und Glaube - in kluger Art und Weise.
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"The Who and The What" vom Ayad Akhtar in der Inszenierung des LTT dreht sich um die Themen Liebe und Glaube - in kluger Art und Weise.

Landsberg – Der Schleier ist eigentlich ein Vorhang, der Mohammads Frauen vor Bittstellern schützen sollte. So steht es im Koran. Dass ihn muslimische Frauen tragen müssen, ist eine Auslegung der Gelehrten. Es ist nur einer der Korantexte, die Muslimin Zarina kennt. Und den sie in ihrem Roman „The Who and The What“ verarbeitet. Sehr zum Leidwesen ihres traditionell gläubigen Vaters. Denn Zarina schreibt über den Propheten Mohammad. Besser: über den Mensch Mohammad, samt Hunger, Liebe und Sex. Die familiären Flammen, die ihr Werk entzündet, sind Inhalt von Ayad Akhtars Stück „The Who and The What“. Das LTT zeigte im Stadttheater eine überwiegend überzeugende Inszenierung.

„Mohammad ist ein Konstrukt“, sagt Zarina. In ihrem Roman will sie ergründen, wer der Prophet wirklich war. Den Mensch Mohammad zeigen, „das Wer und das Was“. Seit zwei Jahren arbeitet sie an dem Werk. Das Thema verrät sie keinem, auch nicht ihrer Familie. Erst der von ihrem Vater Afzal für sie online – „www.muslim-online.com“ – ausgesuchte Heiratskandidat Eli, ein zum Islam konvertierter Christ, Leiter einer Gemeinde, gewinnt ihr Vertrauen: „Weil ich hier bin und mich interessiere.“

Eli vertritt einen modernen Islam, ein westliches Frauenbild. Auch wenn Afzal ihm rät, Zarina zu ‚brechen‘: „Sie braucht Raum, aber nicht zu viel.“ Zarina nimmt Eli den Glauben nicht ab. „Das hört sich an wie ein weißer Junge, der nicht weiß sein will.“ Dennoch, weil sich Eli auch für ihren Verstand interessiert, weil sie mit ihm diskutieren kann und sich dadurch ihre zweijährige Schreibblockade löst, gewinnt er letztendlich ihr Herz. Friede, Freude. Als Afzal jedoch zufällig das Manuskript von Zarinas Mohammad-Roman in die Hände bekommt, zerbricht das empfindliche Gleichgewicht, das Zarina zwischen Selbstverleugnung gegenüber dem Vater und Wahrhaftigkeit aufgebaut hat.

Regisseurin Julia Mayr setzt auf die Wirkung des Wortes. Kurze Szenen, durchbrochen von pochender Musik, spielen in einem gleichbleibenden Bühnenbild: ein simples Matratzenlager. Darin sprechen Vater und Tochter, Schwiegersohn mit Vater, Tochter mit Tochter und Mann mit Frau.

Bei den vier Schauspielern sticht Andreas Guglielmetti als Afzal heraus: mal wimmernd, mal zornig, gefangen im Zwiespalt zwischen Tochterliebe und Tradition. Auch Dennis Junge als Eli überzeugt: als Charakter, der wahrhaftig bleibt. Vor allem, wenn er Zarinas Roman beurteilt: „Mohammad ist ganz anders als der Mann, in den ich mich verliebt habe, als ich Moslem wurde.“ Schwierig sind die beiden Frauenrollen. Hat es Mattea Cavic als Zarinas jüngere und vom Autor weitaus weniger ausdifferenzierte Figur leichter, wirkt Jennifer Kornprobst als Zarina zu distanziert. Die Schauspielerin bleibt hinter der Figur sichtbar. Das mag am Autor liegen – der der Rolle der Zarina den emotionalen Ausbruch gegenüber dem Vater verwehrt.

Wie bei Akhtars „Disgraced“ ist auch „The Who and The What“ geprägt vom Wort. Kluge Dialoge, mit Witz, Spitzen und Stacheln, so schnell, dass nur die Hälfte mitdenkbar ist. Eine vielschichtige Auseinandersetzung mit den Themen Glaube und Liebe. Und der Derrida-Frage, ob man den Menschen, also sein Wesen, oder die ‚Glorie‘, seine Einzigartigkeit liebt. Nur der Schluss enttäuscht: Nach der Romanveröffentlichung verliert Eli seine Gemeinde. Deshalb auf nach Oregon. Das Bonbon für den Papa: Zarina ist schwanger. Und auch, wenn es „nur ein Mädchen“ wird: Es ist ein Ende, das dem Stück seinen Biss raubt. Und damit auch ein Eckchen seiner Brillanz.

Susanne Greiner

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