Azubi-Akademie als Vorbild für Bayern

Auch wenn’s erst mal ein „Get-Together“ der Azubi-Akademie Landsberg war, stand für den kaufmännischen Nachwuch gleich der erste Workshop an. Foto: Weyer

Neuerliches Kick-Off für die Azubi-Akademie unter dem Dach des Bundes der Selbständigen – Gewer­be­verband Bayern (BDS). 40 Auszubildende aus verschiedenen kaufmännischen Lehrberufen und -betrieben trafen sich in Landsberg mit ihren Ausbildern zum Auftakt des neuen Lehrjahres. Die erste Azubi-Akademie wurde 2006 im Landkreis Landsberg gegründet ist inzwischen Vorbild für ganz Bayern.

Als sich vor vier Jahren die Gründer der Azubi-Akademie bei Webasto in Utting trafen, um ihre Ideen zu diskutieren, war der damalige Webasto-Personalleiter von Webasto eher zu­fällig anwesend. Doch was die „Kleinen“, also Kleinunternehmen in der Region an Ausbildungsqualität bereits anboten, ließen ihn aufhorchen: Professioneller Englisch-Unter­- richt, regelmäßige Schulungen zu Bereichen, die weit über Berufsschul-Themen hinausgehen, waren etwas, das auch Webasto in Utting zu der dama­- ligen Zeit nicht bieten konnte: Von den 35 Auszubildenden erlernten nur vier das Berufsbild Bürokauffrau/-mann, da war Webasto in einer ähnlichen Situation wie die klein- und mittelständischen Unternehmen und daher die Entscheidung schnell getroffen, gleich von Beginn an dabei zu sein. Die Idee hinter der Azubi-Akademie ist ebenso einfach wie genial. Ingolf F. Brauner, einer der Gründer, beschreibt sie wie folgt: „Für mich war immer die Qualität der Ausbildung ganz wichtig, dazu gehören viele Themen, die weit über die Fächer in der Berufsschule hinausgehen. Daher saß ich alle zwei Wochen mit mei­nen Auszubildenden zwei Stunden lang zusammen – mit Vorbereitung waren das schon vier Stunden, also acht Stunden im Monat – knapp 100 Stunden im Jahr. Teile ich mir diesen Aufwand mit einem zweiten Unternehmen, ist es nur noch die Hälfte. Jetzt sind so viele Unternehmen dabei, die sich das teilen, dass dieser Aufwand sich auf nur noch vier Stunden im Jahr reduziert hat. Zeit, die ich jetzt für mein Geschäft wieder habe.“ Kürzlich trafen sich die Teil­neh­mer der Azubi-Akademie zu einem „Get-Together“ im neuen Lehrjahr: Die knapp 40 Auszubildenden aus verschiedenen kauf­männischen Berufen kommen regelmäßig alle zwei Wochen zusammen, um in Workshops gemeinsam Themen zu erarbeiten. Referenten sind die Unternehmer und Ausbilder der teilnehmenden Betriebe selbst – und genau das sei die Stärke der Azubi-Akademie, stellt Mitbegründer Niklas Weyer heraus: „Jeder Unternehmer hat seine eigene Kompetenz, ein Wissen, das ihn und seine Firma erfolgreich macht. Und dieses Wissen geben wir an die Auszubildenden weiter – kostenlos und aus der Praxis heraus, keine Theorie. Wissen, das sofort im Betrieb umgesetzt werden kann.“ Dadurch dass die teilnehmenden Betriebe aus allen Branchen kommen, ist auch das Wissen sehr vielfältig. So seien im vergangenen Lehrjahr auch Betriebsbesichtigungen durchgeführt worden. Walter Hauff etwa konnte den Auszubildenden zeigen, wie in seiner Werbeagentur und Druckerei ein Druckerzeugnis von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt gestaltet wird, Hilfsmittel wie Mind-Mapping werden ebenso erläutert, Internet-Spezialist Harald König von Organix erläutert wie professionell gegoogelt wird, Bernd Fuchs von InJoy zeigt Körpersprache im Verkauf und Ute Seidel von K&L Ruppert diskutiert und übt mit ihnen Konfliktverhalten. Ein besonderes Highlight ist jedes Jahr das Training mit dem Erwin Hambalgo: PräsenTorik – wie man richtig präsentiert und rhetorisch richtig formuliert. Auch das von Helga von Winter angebotene Seminar „Der Azubi-Knigge“ erhielt sehr viel Zuspruch, viel Spaß hatten die Auszubildenden auch beim „Stilgerechten Kleiden“ bei K&L Ruppert. „Die Azubi-Akademie steht allen Firmen offen, die kaufmännische Berufe ausbildet“, betonen Brauer und Weyer. Dabei gelte nur ein Prinzip: das vom Nehmen und Geben. Teilnehmende Betriebe übernehmen ebenso Vorträge, denn nur dadurch funktioniert die Azubi-Akademie für die Betriebe kostenfrei. Interessierte Unterneh- men können sich jederzeit an Niklas Weyer, Weyer GmbH in Utting, Tel. 08806/958350 oder info@weyer.aero wenden. Längst hat sich das Akademie-Prinzip herumgesprochen: In Starnberg hatte sich bereits im vergangenen Jahr eine weitere Azubi-Akademie gegründet, in diesem Jahr finden weitere Gründungen statt, die Ingolf F. Brauner, dieses Mal in seiner Funktion als Präsident des Bund der Selbständigen in Bayern (BDS) erläutert: Weilheim, Garmisch, Forchheim, München und in einem Dutzend weiterer Städte bilden sich vom BDS unterstützte Azubi-Akademies. Landsberg ist also Vorbild – bayernweit.

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