Premiere im Stadttheater Landsberg

Halloween im Boudoir

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Die Leiterin des Badehauses Luxuria (Regina Kläger, 2. von links) spielt ihre Prostituierten Superbia (Tine Polzer, links) und Invidia (Emanuel Kasprowicz, rechts) gegeneinander aus. Letztendlich wird sie von ihrer Tochter Ira (Lydia Dittlein, 2. von rechts) getötet.

Landsberg – Halloween! Nacht der Geister. Am Theatereingang werden Blutinfusionen in Minibechern gereicht. Die Gastgeber in Lack und Leder oder frivolem Netzstrumpf. Das Jubiläumsstück „Badehaus Boudoir“ der Landsberger Theatergruppe „Randerscheinungen“ lässt sich gut an.

Die Gruselstimmung wird durch einen Schwarz-weiß-Einspieler im Horrorklassiker-Stil verstärkt – sehr gelungen. Und wenn sich Kommissar Alfonsin beherzt vom Theaterbalkon auf die Bühne schwingt – Zuschauer der vorderen Reihe sollten sich in Sicherheit zu bringen –, ist das ein gelungener Eröffnungsknaller. Was dann kommt, ist ein Spagat zwischen In-Yer-Face-­Theater à la Sarah Kane, Revue, Rocky Horror Picture Show und Boulevardkomödie mit Einsprengseln von de Sades Boudoir-Philosophie. Eine fragmentarische Inszenierung, die schwierig ist – und auch nicht wirklich gelingt.

Kommissar Alfonsin und Assistent Jenkins wollen im Badehaus Boudoir ermitteln – es soll dort „gemordet und gemeuchelt“ werden. Beide Figuren leben sich schnell ein im lasterhaften Bordell mit sadistischen Praktiken. Ermitteln? Unwichtig. Das ist auch nicht Thema des Stückes aus der Feder von Max von Theben (Maximilian Huber). Ihm geht es vielmehr darum, Randgruppen der Gesellschaft in den Fokus zu stellen. Und so versammelt er im Badehaus Boudoir eine machtgierige Bordellmutter samt Tochter mit körperlicher Behinderung, hörige Huren, Transsexuelle und dekadente Kunden wie Scheich oder Marquis und Marquise. Es geht um Macht und falsch verstandene Liebe. Und um die Auswirkungen von sexueller Gewalt auf das Leben der Betroffenen.

Die Besitzerin des Badehauses, Luxuria (Regina Kläger), spielt ihre Prostituierten gegeneinander aus. Vor allem Superbia (Tine Polzer) und Invidia (Emanuel Kasprowicz), die sich beide eine Übernahme des Bordells erhoffen. Die Opfer sind zahlreich: der Scheich von Theben (Markus Schaumann), die Marquise samt sadistischem Gatten (Uli Geske und Mark Oswald) und auch Invidia und Superbia selbst. Gewalt und Intrigen entspringen der Vergangenheit: Luxuria wurde vom Marquis vergewaltigt. Sie wird schwanger und findet bei Rancor (Miguel Dominguez) und Elektra (Max von Theben), den damaligen Besitzern des Boudoirs, Unterschlupf. Ihre Tochter Ira (Lydia Dittlein) kommt dort zur Welt. Doch Luxurias Gier ist geweckt: Sie tötet Elektra und leitet fortan das Badehaus selbst. Elektra bleibt ihr indes erhalten: als Geist, der auf Rache sinnt. Und so wird Luxuria letztendlich von ihrer eigenen Tochter Ira getötet. Die zuvor ihren Vater, den Marquis liquidiert.

Der Mix aus diversen Themen und Zeiten verwirrt. Letztlich wird neben Lust, Gewalt und vermeintlicher Perversion sogar über das Nichts philosophiert. Von Theben will zu viel sagen und vernachlässigt dadurch seine Charaktere. Die Emotionen hinter den Handlungen bleiben unklar. Das Stück spielt im optisch ansprechenden Bühnenbild eines orientalischen Bade­hauses. Opulente Kostüme unterstreichen die Stimmung. Dazwischen mischen sich Tanz à la Burlesque, Pole Dance oder Musicalelemente, mit viel Rauch ins Märchenhafte gesetzt.

Die gelungenen Choreografien stammen von Lydia Dittlein, Leiterin von Moving Art Studios in Kaufering. Die Leistungen der Schauspieler sind anerkennenswert, besonders herausragend Kasprowicz und von Theben. Dennoch: Absicht und Aussage bleiben zu vage. Vieles wird angerissen, teilweise durch unpassenden Humor entkräftet. Für die Schauspieler, unter ihnen viele Laien, sind die Anforderungen, die Max von Theben als Autor und Regisseur stellt, nicht einlösbar.

Weniger wäre mehr. Revue-­Elemente sparsamer einsetzen, ein paar Inhalte streichen. So wirkt die Kommissar-Nebenhandlung eher anbiedernd, wie ein Eingeständnis an den Zuschauer. Wenn schon In-Yer-Face, dann konsequent. Eindeutig. Anzuerkennen bleiben Energie und Mut, die eher unbequemen Themen anzusprechen. Die sichtbare Freude am Theaterspielen. Und das gute Zusammenwirken als Ensemble.

Weitere Vorstellungen von „Badehaus Boudoir“ im Stadttheater Landsberg: Do 2.–Sa 4. November jeweils 20 Uhr, Sa auch 17 Uhr; weitere Vorstellungen am 28. und 29. November jeweils 20 Uhr.

Susanne Greiner

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