Wie ein Bader behandelte

Ein leichtes Unwohlsein überkommt einen schon beim Betreten des Kellergewölbes im Gebäude in der Herrenstraße 2, direkt gegen-über dem Dießener Rathaus. Fällt der Blick doch gleich auf eine Ansammlung medizinischer Gerätschaften, mit denen dort Medard Kotzbauer vor über 150 Jahren als Bader seine Patienten behandelt hat. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag hatte der Arbeitskreis der Ammersee-Heimatforscher dort eine Ausstellung initiiert.

Befremdliches war dort zu sehen: Zum Beispiel ein Zahn-Tretbohrer und verschiedene „Einlaufutensilien“, die ansatzweise erahnen lassen, was die Menschen damals erleiden mussten, um Heilung zu erfahren. Laut Herwig Stuckenberger, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises, sei es ein Glücksfall, dass das Thema des „Tags des offenen Denkmals“ heuer „Historische Orte des Genusses“ heißt. Dies trifft sicher zu 100 Prozent auf die beiden gut erhaltenen Bierkeller (Sommerkeller des ehemaligen Augustiner-Chorstiftes sowie den Gattinger-Keller) zu. Deren Geschichte wurde am Sonntag ebenfalls erkundet. Etwas schwerer fällt es dagegen den Bad-Keller in der Herrenstraße beim Anblick der medizinischen Gerätschaften mit „Genuss“ in Verbindung zu bringen. Auswärts zum Baden Doch schaut man auf die Geschichte des Hauses, so beherbergte es bereits im 15. Jahrhundert das so genannte Failbad. Wer sich also nicht daheim waschen wollte oder konnte, hatte hier die Möglichkeit gegen eine Zahlung eines Eintrittsgeldes ein heißes Bad zu nehmen. Nachdem das Haus im 30jährigen Krieg erheblich verwüstet wurde, hielt im Jahr 1858 der Bader und Wundarzt Medart Kotzbauer Einzug. „Jetzt ging es nicht mehr allein nur um Hygiene, sondern Dießens Bürger fanden zudem noch Hilfe bei allen möglichen Wehwehchen“, erklärte Alfred Kotzbauer, der einen Teil der Gerätschaften seines Urgroßvaters im Bad-Keller für die Ausstellung zur Verfügung stellt. Ganze zwei Jahre praktizierte sein Urgroßvater im Kellergewölbe, bevor er seine eigene Praxis in der Schützenstraße eröffnete. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem das Aderlassen, Schröpfköpfe und Blutegel zu setzen, Zähne zu ziehen, Knochenbrüche zu regulieren, Einläufe durchzuführen und Platzwunden und Wunden zu nähen. Zudem betreute Kotzbauer die Baderstube, wo Bäder, Sitzwannen- und Wechselbäder gemacht wurden, erzählt sein Urenkel.

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